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Auto-Katalysatoren: Immer mehr Diebstähle

PlayEin mutmaßlicher Dieb macht sich an einem Auto zu schaffen.
Auto-Katalysatoren: Immer mehr Diebstähle | Video verfügbar bis 14.04.2022 | Bild: Colourbox

Inhalt in Kürze:
– Besonders ältere Modelle sind gefragt
– Ein Kat kann mehr als 1000 Euro bringen
– Erhöhte Nachfrage nach Edelmetallen durch Diesel-Skandal

Wie viele Fälle es bundesweit gibt, ist statistisch nicht erfasst. Die Polizei Hannover hat in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt 28 gestohlene Abgasreiniger registriert. Das Jahr 2020 werde noch ausgewertet, es habe aber eine deutliche Zunahme gegeben und auch in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres setze sich der Diebstahls-Trend fort. An manchen Tagen würden gleich mehrere Diebstähle angezeigt, teilt die Polizeidirektion der niedersächsischen Landeshauptstadt auf Plusminus-Anfrage mit.

Wer sind die Täter, wie gehen sie vor?

In Nordrhein-Westfalen hat die Polizei Ende vergangenen Jahres eine Katalysator-Bande überführt. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass diese zum Teil über Google Street View Straßen abgefahren sind und nach konkreten Automodellen gesucht haben. Die Täter waren vorher polizeibekannt wegen Handtaschen- und Trickdiebstahl. Offenbar mussten sie wegen der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns im Einzelhandel umdisponieren, so die Polizei.

Vor allem Rhodium macht Katalysatoren wertvoll

In Katalysatoren stecken die wertvollen Edelmetalle Platin, Palladium und vor allem: Rhodium. Dessen Wert lag vor fünf Jahren noch bei weniger als 20 Euro pro Gramm. Im März 2021 verzeichnete der Edelmetall-Handelskonzern Heraeus einen durchschnittlichen Ankaufspreis von 613,66 Euro. Zum Vergleich: Ein Gramm Gold kostete im gleichen Zeitraum im Schnitt 45,63 Euro.

Ein Mechaniker hält einen Katalysator hoch.
Katalysatoren enthalten das seltene Edelmetall Rhodium. Es ist wertvoller als Gold. | Bild: picture alliance / Ina Fassbender

Experten machen für den Rhodium-Preisanstieg vor allem die Diesel-Krise und die damit verbundene starke Nachfrage nach Benzin-Modellen verantwortlich. Viele Autofahrer sind auf Benziner umgestiegen, die mehr Edelmetalle in Katalysatoren benötigen. Während der Diesel-Anteil unter allen Pkw-Neuzulassungen im Jahr der Dieselkrise 2015 noch bei 48,0 Prozent lag (Benzin: 50,3 Prozent), sank dieser Anteil auf 22,1 Prozent im März 2021.

Rhodium ist extrem selten und fällt nur bei der Kupfer- und Nickelgewinnung als Nebenprodukt an. In Katalysatoren gibt es keine technische Alternative für Rhodium, weshalb es aus gebrauchten Kats herausgelöst, recycelt und in neuen Abgasreinigern wiederverwendet wird.

Katalysatoren alter Autos besonders begehrt

Vor allem die Katalysatoren älterer Benzin-Modelle sind begehrt. Dafür gibt es zwei Gründe: Anders als bei neuen Autos sind sie nicht im Motorraum, sondern im Unterboden verbaut und somit leicht zugänglich. Zudem enthalten sie bis zu vier Mal mehr Edelmetalle als neue Abgasreiniger. Hoch im Kurs der Diebe sind vor allem der VW Polo der Baujahre 1994 bis 2001 und der Opel Astra G (1998 bis 2005). Ihre Kats sind etwas mehr als 500 Euro wert. Es gibt aber auch Ausnahmen, etwa von einigen BMW, die sich für 1100 Euro verkaufen lassen.

Die Werkzeuge der Diebe

Je nach Standort des Fahrzeugs verwenden die Diebe unterschiedliche Werkzeuge. An lauten Straßen Flex oder Elektrosäge, in ruhigen Wohngegenden Kettenrohrschneider. Wie Überwachungsvideos der britischen Polizei zeigen, brauchen Profis dafür oft nur weniger als eine Minute. Per Rangierwagenheber bocken sie das Auto auf und stehlen den Kat. Ein Komplize steht Schmiere, der andere fährt das Auto für den Abtransport der heißen Ware vor.

Bericht: Claudius Maintz
Kamera: Kai Schumacher, Torsten Reimers
Schnitt: Eva Edwards

Stand: 14.04.2021 22:47 Uhr

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