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Lebensversicherung: Auszahlung häufig geringer

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Lebensversicherung: Auszahlung häufig geringer | Video verfügbar bis 21.10.2021 | Bild: NDR

Inhalt in Kürze:
– Auszahlungen aus der Kapitallebensversicherung können niedriger ausfallen als erwartet.
– Die Gründe dafür sind vielfältig und in einigen Fällen haben Versicherer zu hohe Zinsen versprochen.
– Verbraucher sollten eine Versicherung nicht vorschnell kündigen, sondern sich eingehend von unabhängiger Stelle beraten lassen.

Für Rita Franke aus Geesthacht war die bei der Ergo-Versicherung abgeschlossene Lebensversicherung ein wichtiges Standbein ihrer Altersvorsorge. Seit vielen Jahren arbeitet sie als selbstständige Heilpraktikerin. Weil deshalb ihre gesetzliche Rente recht niedrig ausfallen würde, schloss sie bereits 1985 eine kapitalbildende Lebensversicherung bei der Ergo ab. Der Versicherungsvertreter hatte ihr damals beim Verkaufsgespräch  satte 320.000 DM, umgerechnet etwa 164.000 Euro, in Aussicht gestellt, wenn sie jeden Monat 200 DM Prämie zahlen würde.

In den jährlichen Standmitteilungen der Ergo an Rita Franke wurden diese 164.000 Euro Auszahlungssumme auch immer wieder genannt.  Doch bestätigt wurde dieser Betrag nicht. Stattdessen gab es für Frau Franke eine richtig kalte Dusche, als die Lebensversicherung Mitte 2020 ausgezahlt wurde. Statt der erwarteten 164.000 Euro überwies die Ergo nur etwas mehr als 87.000 Euro – 77.000 Euro weniger. 600 Euro monatlich wollte Rita Franke sich aus der Lebensversicherung auszahlen. Bis zum Lebensende. Jetzt kann sie nur noch mit 300 Euro pro Monat rechnen.

Kapitallebensversicherung: Viele Gründe für niedrigere Auszahlung

Dass die Auszahlung einer Kapitallebensversicherung oft niedriger als erwartet ausfällt, kann mehrere Gründe haben:

  • Lebensversicherungen bestehen aus zwei Elementen: Zum einen versichern sich Kunden gegen das Todesfallrisiko, zum anderen sparen sie mit der monatlichen Prämie Kapital an. Viele übersehen dabei, dass es die Zinsen nur für das angesparte Kapital gibt.
  • Lebensversicherungen sind mit hohen Kosten behaftet, zum Beispiel Provisionen für Vertreter und Verwaltungskosten während der Vertragslaufzeit. Auch das schmälert den Ertrag.
  • Seit vielen Jahren stecken die Volkswirtschaften in einer Niedrigzinsphase. Für verliehenes Geld bekommt man kaum Zinsen. Das trifft auch die Versicherungsgesellschaften, die deshalb weniger verdienen können.
  • Viele Versicherer haben zu hohe Zinsen versprochen. In alten Verträgen wurden Garantiezinsen von bis zu vier Prozent festgelegt. Um den Garantiezins zahlen zu können, sparen die Lebensversicherer eine sogenannte Zinszusatzreserve an. Dieses Geld steht nicht mehr für die Überschussbeteiligung zur Verfügung.

Insolvenz: Welche Versicherungen sind gefährdet?

Sollte eine Versicherung zahlungsunfähig werden, greift der Schutzschirm "Protektor". Damit sind die Garantiezinsen und bereits zugesagte Überschüsse abgesichert. Wie häufig Unternehmen der Versicherungsbranche zahlungsunfähig sind, zeigen Untersuchungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und des Bundes der Versicherten (BdV). Die BaFin hat 20 von 84 untersuchten Unternehmen unter "intensive Beobachtung" gestellt. 2019 stufte der Bund der Versicherten die Solvenz von 22 Versicherungsgesellschaften als kritisch ein.

Verbraucherschützer: Lebensversicherungen nicht vorschnell kündigen

Ein Stift und ein Taschenrechner liegen auf einem Blatt Papier mit Zahlen.
Laufende Versicherungen sollten nicht vorschnell gekündigt werden. | Bild: NDR

Trotz der schlechten Lage vieler Versicherer raten Verbraucherschützer davon ab, eine laufende Lebensversicherung voreilig zu kündigen. Der finanzielle Schaden kann größer sein als der Nutzen. In einigen Fällen haben Versicherer fehlerhafte Klauseln in die Verträge geschrieben. Ist zum Beispiel die sogenannte Widerspruchsbelehrung falsch, können Kunden einen Anspruch auf Rückabwicklung des gesamten Vertrages geltend machen. Ob eine Kündigung oder Rückabwicklung sinnvoll ist, muss individuell geprüft werden, zum Beispiel von unabhängigen Experten der Verbraucherzentrale.

Vertrag und Beiträge optimieren

Wer seine Lebensversicherung behalten möchte, kann mit Änderungen des Vertrags Kosten senken. Einige Beispiele:

  • In vielen Lebensversicherungen enthaltene Unfalltod-Zusatzversicherungen sind meist überflüssig.
  • Wer eine regelmäßige automatische Erhöhung der Versicherungssumme und damit auch der Beiträge vereinbart hat, kann diese sogenannte Dynamik stoppen.
  • Wer die Prämie jährlich oder halbjährlich zahlt, spart den sogenannten Teilzahlungszuschlag für die monatlichen Raten.

Bericht: Nicolas Peerenboom
Kamera: J. Bahls, D. Stypmann
Schnitt: Peter Petersen

Stand: 21.10.2020 22:07 Uhr

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