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Falsche Lkw-Führerscheine aus dem Internet

PlayEin Lkw in Bewegung (Symbolfoto)
Falsche Lkw-Führerscheine aus dem Internet | Video verfügbar bis 03.06.2021 | Bild: colourbox / colourbox

Inhalt in Kürze:
– Im Internet werden gefälschte Führerscheine aus vielen EU-Ländern angeboten.
– Autovermieter erkennen die Fälschungen in einigen Fällen nicht.
– Die Polizei ist bei Kontrollen oft machtlos.

Neulich hatte der belgische Autobahnpolizist Raymond Lausberg wieder so einen Fall:  Ein moldawischer Lkw-Fahrer konnte bei einer Kontrolle nicht rückwärts fahren. "Da frage mich mich, welche Qualität hat so ein Führerschein", sagt Lausberg. Vielleicht hatte der Fahrer einen falschen Führerschein aus dem Internet: Rund 180 Euro kosten einfache Führerschein-Imitate, die auf frei zugänglichen Seiten angeboten werden.

Zwei Lkw-Vermieter erkennen Fälschung nicht

Ein Lkw in Bewegung (Symbolfoto)
Die Polizei ist bei Kontrollen oft machtlos. | Bild: colourbox / colourbox

Ein polnischer Anbieter bietet "Führerschein"-Karten aus 27 Ländern an. "Ich mache das hauptberuflich", sagt er am Telefon, "die Karten kommen aus einem Drucker im  Keller." "Plusminus" will ausprobieren, was mit so einer Fälschung möglich ist. Wir entscheiden uns für ein belgisches Dokument, weil das in Deutschland seltener anzutreffen ist. Auf der Karte klebt zwar ein kleiner Sticker mit dem Hinweis "Diese Karte ist kein Führerschein." Doch der lässt sich leicht abziehen. Die Lkw-Vermietungen Lex und Buchbinder erkennen bei zwei Stichproben nicht, dass der Führerschein unecht ist. "In Zweifelsfällen haben unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, bei einem Kollegen eine zweite Meinung einzuholen. Zudem prüfen wir, ob der Führerschein zu Kreditkarte und Personalausweis passt", sagt Klaus Spurgat, Geschäftsführer der Berliner Lkw-Vermietung Lex. "Wir planen, elektronische Prüfgeräte anzuschaffen, die Fälschungen sofort entlarven können. Die Führerschein-Thematik ist hochkomplex und erfordert viel Detailwissen, 100-prozentige Sicherheit wird es wohl nie geben."

Bei der Buchbinder-Konzernmutter Europcar, zu der Buchbinder, Europcar, Ubeeqo sowie Robben & Wientjes gehören, heißt es, es gälten eindeutige Vermietrichtlinien: "Für die Ausleihe eines unserer Fahrzeuge muss ein gültiger Führerschein sowie Personalausweis oder Reisepass vorgelegt werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben sich in Ihrem Fall an diese Prozesse gehalten. Wir bedauern, dass der unechte Ausweis nicht erkannt wurde und werden eventuelle Nachschulungen prüfen. Parallel gehen wir mit digitalen Führerscheinkontrollen z. B. über unsere Apps neue Wege, um die Fehlerhäufigkeit weiter zu reduzieren."

Schlechte Qualität der Fälschung

Für Gerd Tiesler ist dieses Ergebnis keine Überraschung: "Eine Fälschung muss immer nur so gut sein wie der Kontrolleur", sagt der Dokumentenexperte von der Bundesdruckerei. Experte Tiesler erkennt die Fälschung dagegen sofort, denn etliche Original-Merkmale fehlen. "Das ist eher mindere Qualität", sagt er.

Kein gemeinsames europäisches Führerscheinregister

Auch die Polizei hat oft Schwierigkeiten, Fälschungen auf den ersten Blick zu erkennen. Bei Kontrollen ist ein schneller Abgleich des Führerscheins mit einem ausländischen Fahrerlaubnisregister so gut wie unmöglich. Dabei wurde die gesetzliche Grundlage schon vor 20 Jahren geschaffen, als Deutschland dem Vertrag zum europäischen Führerscheinregister Eucaris (European Car and Driving Licence Information System) zugestimmt hatte. Doch die deutschen Bundesländer wenden Eucaris nicht an. Grund: Nur wenige EU-Staaten haben ihre nationalen Führerschein-Register auch freigegeben. Der SPD-Europaabgeordnete Isamail Ertug will das ändern – und plädiert zudem für einen QR-Code auf Führerschein-Dokumenten, mit dem die Polizei vor Ort schnell prüfen kann, ob eine gültige Fahrerlaubnis überhaupt vorliegt.

Deutsche Speditionen kämpfen gegen Dumpingpreise

Für Spediteur Harald Jansen aus Niederzier bei Jülich (Nordrhein-Westfalen) sind falsche Führerscheine Wettbewerbsverzerrung. "Wer sich die Kosten für die Aus- und Fortbildung seiner Fahrer spart, hat einen Vorteil", sagt der Firmenchef. Wer das alles nicht bezahlen müsse, könne in Frachtbörsen unter anderem deshalb Kilometer-Preise von 50 Cent oder weniger aufrufen. Normal sind rund 1,25 Euro. "Das ist wie Doping im Sport", sagt Jansen.

Bericht: Claudius Maintz
Kamera: Wilhelm van de Loo, Hans-Jürgen Büsch
Schnitt: Simon Schmidt

Stand: 03.06.2020 22:45 Uhr

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