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Bestellerprinzip künftig auch bei Immobilienverkäufen?

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Bestellerprinzip künftig auch bei Immobilienverkäufen? | Video verfügbar bis 22.08.2019 | Bild: picture alliance / dpa Themendienst / Christian Klose

Inhalt in Kürze:
– In Städten und Regionen, in denen die Nachfrage nach Kaufimmobilien hoch ist, erreichen die Maklerprovisionen immer neue Höchstwerte.
– Das Bestellerprinzip bei den Maklerkosten gilt derzeit nur für die Vermittlung von vermieteten Wohnimmobilien.
–Die Bundesregierung prüft zurzeit, ob sich das Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe übertragen lässt.

Wer in Deutschland eine Immobilie kauft, muss neben dem Preis für Grundstück und Immobilie auch eine Reihe von Nebenkosten in seine Kalkulation einbeziehen. Neben Notarkosten, Grundbucheintragungen und der Grunderwerbssteuer ist in den meisten Fällen auch eine Maklerprovision zu bezahlen. Die Maklergebühr schwankt in Deutschland zwischen 5,95 und 7,14 Prozent des Kaufpreises. Die seit Jahren steigenden Preise für Häuser und Wohnungen bescheren den Maklern dabei massive Umsatzzuwächse. Gerade in den Städten und Regionen, in denen die Immobiliennachfrage hoch ist, erreichen die Maklerprovisionen immer neue Höchstwerte.

Maklerprovisionen steigen um fast 80 Prozent

Mussten Käufer eines durchschnittlichen Einfamilienhauses in Hamburg mit einer Wohnfläche von 120 Quadratmetern im Jahr 2008 noch 16.260 Euro an den Makler bezahlen, sind es im Jahr 2018 schon 29.010 Euro – ein Zuwachs um 79 Prozent. Doch selbst diese Umsatzzuwächse scheinen einigen Hamburger Maklerbüros nicht zu genügen. Sie versuchen aktuell, den seit Jahren geltenden Berechnungssatz von 6,25 Prozent auf 6,95 Prozent zu verschieben. Nicht nur Immobilienkäufer ärgern sich über die aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbaren Maklergebühren, auch die Verbraucherzentralen kritisieren die hohen Berechnungssätze. "Die Berechnungssätze der Maklerprovisionen sind reine Willkürwerte", moniert Dr. Thomas Engelke, Immobilien-Experte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen: "Die Maklercourtage ist für mich nicht nachvollziehbar und auch nicht mehr zeitgemäß."

Experten fordern Bestellerprinzip

Ein Mann steht in einer Wohnung.
In Deutschland gilt das Bestellerprinzip derzeit nur für die Vermittlung von vermieteten Wohnimmobilien.  | Bild: picture alliance/imageBROKER / Bernard Jaubert

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat in einer Studie das bisherige Vergütungsmodell für Makler analysiert. Das Fazit der Immobilien-Experten ist eindeutig: "Wir sollten, wie im internationalen Umfeld üblich, auf das Bestellerprinzip wechseln, wonach grundsätzlich der Verkäufer den Makler bezahlt. Dieses Prinzip gilt bei unseren niederländischen Nachbarn ebenso wie in Österreich und in vielen anderen europäischen Staaten", sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim IW. In Deutschland gilt das Bestellerprinzip bei den Maklerkosten derzeit nur für die Vermittlung von vermieteten Wohnimmobilien. Aus Sicht der Studienautoren hemmen die hohen Maklerprovisionen den Eigentumserwerb, da diese Position allein aus dem Eigenkapital der Käufer bezahlt werden muss. Banken seien aktuell nur bereit, den reinen Kaufpreis zu guten Konditionen zu finanzieren. Die Wohneigentumsquote stagniert trotz historisch niedriger Zinsen seit fast zehn Jahren.

Maklerbranche ist aufgeschreckt

Der Immobilienverband IVD ist gegen das Bestellerprinzip bei Immobilienkäufen. "Der IVD lehnt ein Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien ab, weil es die direkte Preisteuerung von Immobilienpreisen zur Folge hätte. Verkäufer würden die Provision in den Kaufpreis einpreisen, wenn sie sie zwangsweise immer zahlen müssen", argumentiert IVD-Präsident Jürgen Michael Schick. Diesem Argument widerspricht Immobilien-Experte Michael Voigtländer. Aktuell diktieren die Maklerbüros die Berechnungssätze. Immobilienkäufer haben insbesondere in den Ballungsgebieten, wo die Nachfrage nach Kaufobjekten groß ist, keine Verhandlungsmacht. Im Gegensatz dazu haben Verkäufer einer Immobilie gegenüber einem Makler eine viel bessere Verhandlungsposition. Sollten Immobilienverkäufer den Makler bezahlen müssen, würden diese genauer auf den Preis achten und sich Angebote von mehreren Maklern einholen, betont Voigtländer. Die Makler müssten dann den Verkäufer nicht nur mit Qualität, sondern auch mit einem attraktiven Preis überzeugen. "Das hätte auch den Vorteil, dass tatsächlich ein Preiswettbewerb stattfindet." International sei die Maklercourtage deutlich niedriger, betont der Experte. In den Niederlanden liege sie etwa bei ein bis zwei Prozent, in Dänemark mancherorts nur bei 0,5 Prozent. "Das ist natürlich eine echte Entlastung für Haushalte."

Politik prüft Bestellerprinzip

In Deutschland sind die Grünen bislang die einzige Partei, die das Bestellerprinzip bei Immobilienkäufen klar befürwortet. Im Juli brachte die Partei einen entsprechenden Gesetzesantrag in den Bundestag ein. Aus Sicht der Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt sprechen einige Argumente dafür: "Wenn man die Nebenkosten in irgendeiner Weise reduzieren will, dann geht man an das Bestellerprinzip bei den Maklergebühren heran", sagt sie. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will nun prüfen, ob sich das Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe übertragen lässt.

Bericht: Thomas Eckert
Kamera: J. Komander, S. Thiessen
Schnitt: Andreas Sievert

Stand: 23.08.2018 11:16 Uhr

Sendetermin

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Norddeutscher Rundfunk
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