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Verkauf kommunaler Wohnungen lassen Mieten steigen

PlayAuf einem Grundriss einer Wohnung liegen Geldscheine und Schlüssel.
Verkauf kommunaler Wohnungen lassen Mieten steigen | Video verfügbar bis 17.10.2019 | Bild: Colourbox

Inhalt in Kürze:
– Finanzinvestoren investieren verstärkt in Immobilien.
– Einige Unternehmen kauften Tausende ehemals kommunaler Wohnungen.
– Weil es zu wenig günstige Wohnungen gibt, können sie hohe Mieten verlangen.

In deutschen Städten steigen die Mieten seit Jahren. Viele Mieter können sich die Wohnung nach einer Mieterhöhung nicht mehr leisten und müssen sich anderen Wohnraum suchen. Eine bezahlbare Alternative zu finden, ist oft schwer. Nicht mehr nur in Ballungsräumen, das Problem hat auch kleinere Städte erreicht. Für den Anstieg der Mieten gibt es unterschiedliche Gründe. Auch große Finanzinvestoren tragen dazu bei, dass ehemals günstige Wohnungen teurer werden. Jetzt fehlt bezahlbarer Wohnraum, der die Lage am Wohnungsmarkt entspannen würde.

Zwei Beispiele:
▪ In Bremen wurden circa 10.000 kommunale Wohnungen erst an die Vitus Gruppe verkauft. Dann gingen die Immobilien in den Bestand der Deutschen Annington, der heutigen Vonovia, über.
▪ Auch Kiel verkaufte viele kommunale Wohnungen. In den 1980er-Jahren gab es dort noch 90.000 Sozialwohnungen, heute sind es nur noch 8.400. Auch diese Wohnungen gehören jetzt überwiegend dem Immobilienkonzern Vonovia. In Deutschland ist Vonovia der größte private Vermieter.

Finanzinvestoren profitieren

Auf einem Grundriss einer Wohnung liegen Geldscheine und Schlüssel.
Nach aufwendigen Sanierungen werden Wohnungen für Altmieter häufig unbezahlbar. | Bild: Colourbox

Finanzinvestoren, die in Immobilien investiert haben, profitieren vom knappen Wohnungsangebot in Deutschland, so können sie die Mieten anheben. Ehemalige Postwohnungen in der Kleinstadt Husum in Schleswig-Holstein kaufte zum Beispiel die australische Investmentbank Babcock & Brown. Die war in der Finanzkrise 2008 zwar pleite, sicherte sich das meiste Vermögen aber in anderen Gesellschaften. Einer dieser Gesellschaften gehörten 2009 die ehemaligen Postwohnungen in Husum. 2014 stieg dort die Miete einer Wohnung bei einem Neueinzug von 405 Euro auf 525 Euro.

Hohe Mieten erhöhen das Risiko für Obdachlosigkeit

In Husum gibt es 25.000 Einwohner. 2017 waren dort 631 Menschen von Obdachlosigkeit bedroht, darunter 213 Kinder. Im Sozialamt Husum bemüht sich Jürgen Laage für Menschen, denen die Obdachlosigkeit droht, bezahlbare Wohnungen zu finden. Das wird zunehmend schwieriger. Ihn ärgert, dass die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt armen Menschen schaden und andere reich machen.

Mieterhöhung nach Modernisierung

Häufig werden Mieten nach einer Modernisierung erhöht. Im Rahmen dieser Maßnahmen werden häufig auch Arbeiten gemacht, die der Instandhaltung eines Gebäudes dienen. Für diese Instandhaltungskosten muss allein der Vermieter aufkommen. Nur Kosten, die durch Modernisierungsmaßnahmen entstehen, dürfen auf Mieter umgelegt werden. Der Vermieter muss in diesem Fall genau aufschlüsseln, welche Kosten durch Modernisierung und welche durch Instandhaltungsmaßnahmen entstanden sind. Ist die Aufstellung nicht korrekt, können Mieter verlangen, dass die Mieterhöhung zurückgenommen wird und ihnen zu viel gezahlte Miete erstattet wird. So haben Gerichte in Bremen geurteilt.

Änderungen im Mietrecht

Die Bundesregierung plant eine Änderung im Mietrecht: Bei Arbeiten, die pro Wohnung bis zu 10.000 Euro kosten, sollen Vermieter pauschal nur 30 Prozent für die Instandhaltung abziehen. Das bedeutet, dass sie 70 Prozent der Kosten, also 7.000 Euro, auf die Mieter umlegen können. Mietervereine fordern dagegen, dass die Pauschale für Vermieter auf 50 Prozent erhöht werden sollte.

Der Wohnkonzern Vonovia schreibt "Plusminus", man werde sich die neue Regelung genau ansehen. Bisher würden im Schnitt bei Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten nur 50 Prozent der Kosten auf die Mieter umgelegt und man plane grundsätzlich, es auch dabei zu belassen.

Bericht: Alexa Höber
Kamera: Rüdiger Rang
Schnitt: Alexa Höber

Stand: 18.10.2018 09:11 Uhr

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