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Viele Banken verlangen Negativzinsen auch für Kleinsparer

PlayEin Taschenrechner, der das Wort Nagativzinsen im Display anzeigt.
Viele Banken verlangen Negativzinsen auch für Kleinsparer | Video verfügbar bis 05.05.2022 | Bild: picture alliance / Ohde

  • Viele Banken verlangen Negativzinsen auch für Kleinsparer.
  • So können Verbraucher Minus-Zinsen umgehen.
  • Kunden profitieren nicht von günstigen EZB-Zinsen.

Seit Mai verlangen mehr als 400 Banken von 1.300 Instituten von ihren Kunden sogenannte „Verwahrentgelte“. Das zeigt die jüngste Erhebung des Verbraucherportals biallo.de. Das ist eine Trendwende nicht nur bei der Anzahl der Banken. Auch bei der Höhe der Freigrenze, zu denen Kunden ohne Strafzinsen Guthaben auf den Konten lassen können, zeigt sich, dass die Hemmschwellen sinken. Einige Banken kassieren Negativzinsen schon ab dem ersten Euro, viele lassen Kunden mit einem Guthaben zwischen 10.000 und 50.000 Euro zahlen. Biallo-Zinsexperte Sebastian Schick schätzt, dass bis zum Jahresende jede zweite Bank Strafzinsen von ihren Kunden nimmt.

Bei Negativzinsen Guthaben auf Sparbuch umschichten

Grundsätzlich gilt: Verwahrentgelte dürfen nicht ohne Zustimmung der Kunden erhoben werden. Dennoch ist es keine gute Empfehlung, nicht auf die Minus-Zinsankündigung zu reagieren. Immer mehr Banken drohen ihren Kunden im Falle einer Nicht-Zustimmung eine Kündigung an und haben diese teilweise auch schon umgesetzt. Auch zu einer neuen Bank umzuziehen, hilft oft nicht. Gerade für Neukunden gelten bei vielen Banken oft noch niedrigere Freigrenzen. Verbraucherschützer empfehlen deshalb Guthaben teilweise auf Sparbücher und Tagesgeldkonten umzuschichten. Noch gibt es kostenlose Tagesgeldkonten.

Auf Sparbüchern sind, nach Ansicht von Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg, Strafzinsen nicht zulässig. Ob sie auf kostenpflichtigen Girokonten zulässig sind, lassen die Verbraucherzentralen gerade juristisch klären. Bis es soweit ist, kann es sich lohnen, das Gespräch mit der Bank zu suchen. Auf individueller Ebene ließen sich für Bestandskunden oft noch Sondervereinbarungen treffen.

Banken profitieren von Negativzinsen der EZB

Hintergrund der Verwahrentgelte ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Schon seit einigen Jahren verlangt die von Europas Banken einen Strafzins für Gelder, die sie dort einlagern. Insgesamt zahlen die Institute im Euroraum 18 bis 20 Milliarden Euro im Jahr an die Zentralbank. Und tatsächlich geben die Banken in der Regel exakt die 0,5 Prozent der EZB an ihre Kunden weiter. Aber die EZB gewährt den Banken auf der anderen Seite hohe Freibeträge und günstige Kredite. So könnten die Banken für -1Prozent Geld bei der EZB leihen, das sie für -0,5 Prozent anlegen – ein Zinsgeschäft, das sich für die Banken rechnen kann. In Summe, so Bankexperte Christian Kirchner, komme die EZB Europas Banken mit bis zu 25 Milliarden Euro entgegen. Viele Banken verdienen also an der Negativzinspolitik.

Bericht: Verena von Ondarza
Kamera: Matthias Jung
Schnitt: Claudia Qualmann

Stand: 05.05.2021 22:53 Uhr

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