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Wie Deutschland im Kampf gegen Plastikmüll versagt

PlayBerg aus Plastikmüll.
Wie Deutschland im Kampf gegen Plastikmüll versagt | Video verfügbar bis 19.06.2020 | Bild: Picture Alliance / Boris Roesler

Inhalt in Kürze:
– Weltweit werden mehr als 100 Millionen Tonnen Plastik produziert. Jeden Tag.
– Das Recycling klappt nicht: Hierzulande werden etwa zwei Drittel des Plastikmülls verbrannt.
– Kompostierbares Plastik ist keine Alternative.

Weltweit steigt die Plastikproduktion rasant an. Während 1950 noch 105 Millionen Tonnen Plastik in einem Jahr produziert werden, wird diese Menge heute an nur einem Tag hergestellt. Insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Plastik gibt es schon auf der Welt, mehr als zwei Drittel davon sind inzwischen Müll.

Deutschland Spitzenreiter beim Verpackungsmüll

Die Deutschen sind beim Thema Verpackungsmüll Spitzenreiter in Europa – 220 Kilogramm entfallen auf jeden Bundesbürger. Das ist deshalb ärgerlich, weil die meisten Verpackungen nicht wiederverwertet oder recycelt werden können – oft handelt es sich um sogenannte Verbundverpackungen, also Verpackungen aus verschiedenen Stoffen, die sich nur mit großem Aufwand oder gar nicht voneinander trennen lassen.

Zwei Drittel der Kunststoffabfälle werden verbrannt

Nach Angaben der Unternehmensberatung Conversio landen 67 Prozent der deutschen Kunststoffabfälle letzendlich in der Verbrennung – sei es direkt oder als sogenannter Ersatzbrennstoff, zum Beispiel in Zementwerken. Nur 17,5 Prozent des Plastiks würden recycelt. Der Rest wird ins Ausland verschifft oder landet auf Deponien. Da aber bei der Verbrennung Strom erzeugt wird und auch der Export als Verwertung gilt, erreicht Deutschland auf dem Papier eine Verwertung von 99,7 Prozent (Quelle: Umweltbundesamt). Tatsächlich aber wird das meiste verfeuert.

Kompostierbares Plastik keine Alternative

Ein Mensch steckt eine Banane in eine Plastiktüte für Obst und Gemüse.
Dünne Tüten für Obst und Gemüse verursachen jede Menge Plastikmüll. | Bild: picture alliance/dpa

Im Handel gibt es Tüten, Becher oder Plastikgeschirr aus sogenanntem kompostierbarem Plastik zu kaufen. Dabei handelt es sich um Plastik, das nach einer bestimmten Norm als kompostierbar gilt. Doch kaum ein Entsorger in Deutschland akzeptiert solches Plastik in der Bio-Tonne. Denn die für die Norm notwendigen Rahmenbedingungen wie Wärme, Feuchtigkeit, ph-Wert oder Dauer der Verrottung lassen sich in kaum einem Kompostierungswerk in Deutschland wirtschaftlich umsetzen. Untersuchungen an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigen zudem, dass angeblich kompostierbares Plastik sich nicht komplett zersetzt, sondern in Form von Mikroplastik übrigbleibt.

Bericht: Niels Walker
Kamera: Andreas Oschek, Ulrike Schede, Heiko Schulze
Schnitt: Markus Ortmanns

Stand: 20.06.2019 09:37 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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