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Softwareprobleme beim neuen Golf

PlayAuto-Produktion bei Volkswagen
Softwareprobleme beim neuen Golf | Video verfügbar bis 02.09.2021 | Bild: picture alliance/dpa / Julian Stratenschulte

Inhalt in Kürze:
– Beim Golf 8 häufen sich Fehlermeldungen im Cockpit.
– Die Sprachsteuerung hat Macken, wie eine Untersuchung des ADAC an einem von "Plusminus" gemieteten Fahrzeug ergab.
– Die komplexe Software erschwert die Fehlersuche.

Eigentlich hatte sich Christian Bruns gefreut: Als die Autovermietung ihm den neuen Golf anbot, schlug er zu. Doch schon nach wenigen Kilometern wurde seine Freude über das nagelneue Auto getrübt. Der Wagen produzierte permanent Fehlermeldungen. Am häufigsten wurde Bruns darüber informiert, dass die Gefahrenwarnung deaktiviert sei. Und als er auf der Autobahn beide Hände am Lenkrad hatte, forderte ihn eine Computerstimme auf, genau das doch bitte zu tun. "Die digitale Technik ist innovativ, aber sie sollte auch funktionieren", sagt der Hamburger.

"Produkteinführung eine Katastrophe"

Renault-Clio-Karosserien
37.119 Renault Clio wurden dem Marktbeobachter Jato zufolge im Juni verkauft. | Bild: picture alliance/dpa-Report/MAXPPP / Christophe Petit Tesson

Vor allem kurz nach dem Produktionsstart im vergangenen Jahr hatte VW mit Qualitätsproblemen seines Bestsellers zu kämpfen. Nach von VW unbestätigten Medienberichten wurden 70 Prozent der Fahrzeuge in der Endabnahme beanstandet und mussten nachgebessert werden. Im Juni rutschte der frühere Spitzenreiter Golf in der europäischen Zulassungsstatistik vom ersten auf den zweiten Rang – hinter den Renault Clio. Laut Marktbeobachter Jato wurden im Juni vom Golf nur 24.474 Stück verkauft, vom Clio dagegen 37.119.

"Beim Golf 8 liegt das Problem ganz klar bei der mangelnden Qualität. Die Produkteinführung war eine Katastrophe", sagte im März Dirk Weddigen von Knapp, Chef des VW-Händlerverbandes, dem Portal "Business Insider". Betriebsratschef Bernd Osterloh schimpfte im gleichen Monat: "Hier wollten überehrgeizige Vorstände zu schnell zu viel Technik in ein Fahrzeug stopfen und sind damit gescheitert."

"Plusminus" mit dem Golf 8 beim ADAC

"Plusminus" hat sich bei einer Autovermietung einen neuen Golf besorgt. Das Modell war ebenfalls nicht fehlerfrei. Häufigste Fehlermeldung: "Gefahrenwarnung ist zurzeit eingeschränkt". Dabei ist gerade die Gefahrenwarnung eine Besonderheit des neuen Golf. Der Wagen soll digital mit anderen Autos kommunizieren ("Car2X") und so zum Beispiel vor Stau-Enden, Einsatzfahrzeugen oder Geisterfahrern warnen und gewarnt werden. Gemeinsam mit dem ADAC ist "Plusminus" auf Spurensuche gegangen – und hat weitere Macken des Golf gefunden. Etwa, dass die Klimatisierung nicht per Sprachsteuerung bedienbar ist, obwohl die Anzeige im Cockpit dies anzeigt. "Intuitiv nicht bedienbar", lautet das Urteil von Kfz-Meister Max Herrmann vom ADAC Hansa in Hamburg.

VW teilt in seiner Stellungnahme mit, dass die Klimatisierung in der von "Plusminus" gefahrenen Basisversion nicht per Sprache steuerbar sei. Andere Software-Schwächen könnten größtenteils per Software-Update in der Werkstatt behoben werden.

Abgespeckt gegenüber Vorgänger-Modell

Zusammen mit dem ADAC nimmt "Plusminus" auch die Hardware genauer unter die Lupe – und findet dabei zahlreiche Einsparungen gegenüber dem Vorgänger. Statt Gasdruckdämpfern wie beim Vorgänger Golf 7 hält nun eine ausklappbare Stange die geöffnete Motorhaube. VW begründet diese Änderung mit dem Fußgängerschutz. Eine Stange sei leichter als die harten Dämpfer und für den menschlichen Körper bei einem Aufprall ungefährlicher. Aber auch Komfortmerkmale wie Zierleisten im Innenraum hinten, ein mit Samt ausgekleidetes Handschuhfach oder ein Ablagefach links unterhalb des Lenkrads fehlen im neuen Golf. VW teilt dazu mit: "Wir richten die Fahrzeuge nach Kundenbedürfnissen aus und fragen diese regelmäßig ab. Die Ergebnisse fließen in die Ausstattung ein."

"Golf hat fundamentale Bedeutung für den VW-Konzern"

Der Golf von Wolfgang Blaube, dem Chef der Automobilhistorischen Gesellschaft, hat keine Software-Probleme – weil in dem Wagen kaum welche steckt. Seinen Golf II von 1991 mit gut 725.000 Kilometern auf dem Tacho nennt er "ein solides Stück Technik und ein Alltagswerkzeug". Für VW habe das Modell seit seinem Start 1974 "fundamentale Bedeutung".

Der Golf versucht momentan einen Spagat zwischen zwei Rollen: einerseits als leicht bedienbares Alltagsauto für Jedermann, andererseits als Innovationsträger und Flaggschiff des VW-Konzerns. Im Juli hat der Golf den Clio wieder überholt. VW verkaufte in Europa 31.169 Exemplare, Renault vom Clio 25.054 Stück.

Bericht: Claudius Maintz
Kamera: Dieter Stypmann
Schnitt: Julia Sieger

Stand: 02.09.2020 22:32 Uhr

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