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Corona: Wer zahlt mein Gehalt?

PlayCorona – wer zahlt für die Kinderbetreuung?
Corona – wer zahlt für die Kinderbetreuung? | Video verfügbar bis 18.03.2021 | Bild: ARD

- Alleinerziehende hoffen auf Lohnfortzahlung
- Home-Office ist nicht die ideale Lösung für alle
- Freiberufler stehen schnell vor leeren Auftragsbüchern

Die allermeisten Kitas und Schulen in Deutschland machen bis weit in den April hinein dicht – und viele Eltern haben ein Problem: Sie können nicht mehr zur Arbeit fahren. Aber woher kommt dann das Geld fürs Leben? Die bisherigen Regelungen für Lohnfortzahlungen im Betreuungsfall reichen bei weitem nicht aus, um die drohenden finanziellen Probleme der Menschen zu lösen. Was kann getan werden? Wer steht in der Verantwortung, wenn Menschen nicht mehr wie geplant Ihrer Arbeit nachkommen können, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen oder keine Aufträge mehr bekommen?

Plusminus hat mit zwei Betroffenen gesprochen. Zum einen mit Nanette. Sie Angestelle, alleinerziehend und mit ihren drei, fünf und acht Jahre alten Kids längst am Limit. Die andere ist Karo Fruhner - freiberufliche Musikerin.  

Nanette: Angestellte Beraterin

Nanette erzählt: "Ich bin gleichzeitig Kindergärtnerin, Erzieherin für zwei Kindergartenkinder. Ich übernehme die Funktion der Lehrerin für meine große Tochter. Ich übernehme das Catering, weil ich kochen muss, eingekauft werden muss auch noch. Die Unterstützung, die ich sonst hatte, fällt weg, weil sie nicht mehr kommen darf."

Dabei hat sie sogar Glück im Unglück. Denn ihr Chef erlaubt ihr, die Arbeit per Home-Office zu erledigen. Sie berät Ministerien in Forschungsfragen rund ums Klima. Ein Job, bei dem Konzentration gefordert ist.

Unzufrieden mit Job und Kinderbetreuung

"Home-Office ist schön, wenn man ein großes Schulkind hat, was sich dann mit einem Buch in die Ecke setzt und dann vielleicht drei Mal am Tag etwas braucht. Aber nicht, wenn der Dreijährige alle fünf Minuten da steht und fragt: 'Mama, spielst du jetzt Polizei mit mir?' und ich jedes Mal sagen muss: 'Nein, ich muss noch ein bisschen arbeiten.' Meine Arbeit ist so, dass ich wirklich konzeptionell arbeiten muss. Ich muss mich reindenken und verschiedenste Aspekte berücksichtigen. Und die Bedenken dann zu Papier bringen. Wenn ich alle fünf Minuten abgelenkt werde, kann ich nur oberflächlich arbeiten."

Ihr ist nach kurzer Zeit schon jetzt klar: Lange durchhalten können wird sie das nicht.  

Hoffnung auf Lohnfortzahlung für Alleinerziehende

"Ich schaffe die Kinderbetreuung nicht so, wie es mein Anspruch ist. Ich schaffe meine Arbeit nicht so, wie es mein Anspruch ist. Kochen kann ich an sich schon besser, als ich das jetzt im Home-Office hinkriege. Die Kinder sind nur am Nörgeln. Die Lucia kommt mit ihren Schularbeiten nicht hinterher. Es ist schwierig."  

Einfach Urlaub zu nehmen geht nicht, denn den braucht sie für die langen Schulferien, damit sie ihre Kinder zu Hause betreuen kann. Und unbezahlt frei machen kann sie sich finanziell nicht leisten. 30 Stunden Home Office sind für Nanette also keine gute Lösung. Aber was dann?

Karo Fruhner: Freiberufliche Musikerin

Nicht nur Angestellte mit Kindern, sondern auch Freiberufler wie Karo Fruhner durchleben aktuell schwere Zeiten. Dabei war die Musikerin bis vor wenigen Tagen noch voll ausgelastet. Als Sängerin und Pianistin war sie gut gebucht, gibt zudem noch Unterricht. Davon konnte sie bisher richtig gut leben. Aber jetzt geht es steil nach unten:         

"Die Absagen werden von Tag zu Tag mehr. Zum einen die Veranstaltungen, die liegen natürlich sowieso alle platt. Aber auch der Privatunterricht, den ich die letzte Woche noch ein bisschen halten konnte, bricht halt langsam weg."

Nicht mehr lange, und sie steht finanziell bei Null.  

Verdienstausfall wird nicht getragen

"Darum versuche ich den Unterricht noch zu halten, indem ich jetzt über Skype unterrichte oder auch über Whats-App-Video. Aber das möchte auch nicht jeder. Alleine dieser Monat ist natürlich ein so hoher Ausfall für mich, als Selbständiger hat man viel höhere Ausgaben. Das heißt, ich muss die Ausgaben trotzdem alle stemmen."

Auf der Suche nach Hilfen hat sie herausgefunden, dass sie weniger Sozialversicherungsbeiträge zahlen kann. Zwar weniger Ausgaben, aber keinen Cent mehr Einnahmen. Und was ist mit ihrem Verdienstausfall? Den bekommen Freiberufler wie sie nur erstattet, wenn sie unter Quarantäne gestellt wurden. Retten, so die Kleinunternehmerin, könne sie sich nur selbst.

Livestreams zur Überbrückung    

"Über die Runden komme ich jetzt gerade dadurch, dass ich meine Finanzamtszahlungen gestoppt habe. Von meinen Reserven lebe, die eigentlich dem Finanzamt gehören. Und gegebenenfalls muss ich Kredit beantragen, um die Zeit zu überbrücken. Und ansonsten habe ich überlegt, ob ich kleine Konzerte in meinem Wohnzimmer mache, und die live streame gegen Spenden."  

Stand: 20.03.2020 14:05 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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