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Vorsicht Pfando: Unternehmen bietet fragwürdigen und teuren Deal

Bildmontage: Pfando-Ladengeschäft und Autoschlüssel
Geld fürs Auto: Pfando steht in der Kritik | Bild: dpa / WDR

- Auto verkaufen und dann mieten – Pfando verspricht so das schnelle Geld
- Doch es gibt kein Rückkaufsrecht, dafür eine hohe monatliche Belastung
- Experten kritisieren schlechte Beratung und eine fragwürdige Geschäftspraktik

Vor vier Jahren ging bei ihm nichts mehr: Julian Maier (Name von der Redaktion geändert) brauchte vorübergehend dringend Geld. Auf der Suche nach Hilfe lockte ihn ein Werbevideo von Pfando’s Cash and Drive. Pfando warb damals wie heute mit schnellem Geld fürs eigene Auto, das man nach dem Deal sogar weiterfahren dürfe – gegen eine Miete. Eigentlich ganz simpel, dachte Julian: Alles was er dazu brauchte, war sein Auto.   

Versprechen auf schnelle finanzielle Hilfe

Er lässt sich drauf ein, obwohl er für seinen Seat Ibiza statt der erhofften 8.000 nur gut 3.400 Euro bekommt. Damit er seinen Wagen weiterfahren darf, zahlt er viel Geld an Pfando. Jeden Monat rund 340 Euro. Ungünstig für ihn, aber er schluckt es. Er hofft, den Wagen bald wieder auslösen zu können.

"Mir wurde der Eindruck vermittelt. Ich kann mir Geld leihen. Bezahle jeden Monat meine Rate, ich zahle am Ende zurück. Und dann ist die Sache erledigt", sagt er gegenüber Plusminus.

Doch heute fühlt sich Julian getäuscht. Zwei Jahre hing er in dem Vertrag, kriegte Probleme mit den Mieten. Von einem Auslösen war da keine Rede mehr.

Kunde verkauft sein Auto und mietet es zurück

Er zeigt Plusminus die Verträge. Danach funktioniert das Geschäfts-Modell so: Kunden unterschreiben bei Pfando zwei Verträge. Der erste ist ein Kaufvertrag. Der Kunde verkauft also sein Auto an Pfando – und zwar in den uns bekannten Fällen für maximal die Hälfte des Wertes. Heißt: Für ein Auto mit dem Wert von 8000 Euro bekommt der Kunde höchstens 4.000 Euro. Im Gegenzug übergibt er seinen KfZ-Brief und den Zweitschlüssel. Pfando ist nun Eigentümer.

Auto wechselt den Eigentümer

Auch Julian unterschrieb einen Kaufvertrag. Und einen Mietvertrag. Für den Wagen, der jetzt ja Pfando gehört. Und dieser Mietvertrag wird teuer. Zuerst wird eine Gebühr fällig. Dann die monatliche Miete: In den uns bekannten Fällen 9,9 Prozent des Kaufpreises, in diesem Beispiel knapp 400 Euro.

Die Folge: In sechs Monaten zahlt der Kunde faktisch mindestens die Hälfte des Geldes an Pfando zurück. Und weil das alles nur Miete ist, gehört der Wagen weiter Pfando. Bei Vertragsende darf Pfando den Wagen abholen, so steht es im Vertrag. Ein Rückkaufsrecht hat der Kunde nicht.

Zielgruppe: Menschen in Finanznot

Julian beschwört: Der Pfando-Mitarbeiter habe es ganz anders erklärt, als es im Vertrag steht. "Ist ein Fehler von mir gewesen. Hab’ ich mir die Vertragssituation nicht so genau angeguckt, wie ich es besser gemacht hätte", sagt Julian heute. Wir schauen uns Pfando genauer an. Die Firma hat eine klare Zielgruppe: Menschen in Finanznot. Und verspricht ihnen derzeit auf der aktuellen Homepage "Schnelle und unkomplizierte Corona-Hilfe".

Mit Menschen in Finanznot macht Pfando 22 Millionen Euro Jahresumsatz. Bereits jetzt in 25 Filialen, bundesweit. Und will mit breitgestreuter TV-Werbung weiter wachsen. Kann das sein? Mit dem Geschäftsmodell, das uns Julian beschrieben hat? Tatsächlich ist er kein Einzelfall.

Zweitschlüssel bleibt bei Pfando

Wir treffen einen weiteren Ex-Pfando-Kunden. Er möchte nicht erkannt werden. Er sagt: In seiner Beratung habe der Pfando-Mitarbeiter klar gemacht, dass er sein Auto jederzeit auslösen könne. "Es war einfach nur ein Darlehen, das mit monatlichen Kosten verbunden ist. Und zum Schluss, oder wann ich will, zur Gänze getilgt werden kann."

Also, Darlehen, nicht Verkauf, so seine Vorstellung. Und von einem Auslösen sei dann auch keine Rede mehr gewesen, als er Probleme mit der Mietzahlung bekam. Seitdem hat er Angst, dass Pfando das Auto einfach abholt – mit dem Zweitschlüssel. Deshalb versteckt er den Wagen seit Monaten.

Beratung in der Kritik

Berät Pfando unkorrekt? Das wollen wir in Köln mit einem Lockvogel mit versteckter Kamera prüfen. Er soll herausfinden: Erklärt der Mitarbeiter, dass der Kunde laut Vertrag den Wagen nicht zurückkaufen darf? Unser Lockvogel geht in die Filiale.

Dort wird er freundlich empfangen. Der Berater beteuert, man wolle dem Kunden in einer schwierigen Lage aus der Patsche helfen. Er erklärt das Geschäftsmodell 30 Minuten lang nachvollziehbar. Nur leider falsch.

"Der Ausgangsvertrag ist ein Kaufvertrag, hat er gesagt. Und die monatlichen Zahlungen sind ein Mietvertrag. Und am Ende kann ich aber das Auto zurückkaufen", so der Lockvogel. Eindeutig eine Falschinformation. Denn in den Verträgen ist der Rückkauf ausdrücklich ausgeschlossen. Sie liegen Plusminus vor.

Vertrag in Ruhe lesen? Fehlanzeige!

Und einen Blanko-Vertrag in Ruhe lesen? Fehlanzeige. "Ich habe gefragt, ob ich mir den über das Wochenende mitnehmen könnte. Oder ob ich ihn mir jetzt eben zumindest kurz durchlesen könnte. Das ginge aber nicht." Fazit unserer Stichprobe: Der Pfando-Mitarbeiter zeigt die Verträge nicht und erklärt das Geschäftsmodell am entscheidenden Punkt falsch: beim Rückkaufsrecht.

Am Ende steht die "vertraglich geregelte Verwertung"

Wie kann das sein? Wollten wir von Pfando-Geschäftsführer Tobias Renkel wissen. In diesem Firmenvideo präsentiert er sich als seriöser Geschäftsmann einer familiären Firma, voller Teamgefühl und Erfolgsgeschichten. Ein Interview aber lehnt er ab.

Stattdessen: Schriftliche Antwort einer Medien-Kanzlei. Der Kunde könne durchaus sein Auto zurückbekommen. "Durch die vertraglich geregelte Verwertung hat der Kunde eine Option, das Fahrzeug wieder zu erwerben, jedoch kein einseitiges Recht.“ (Quelle: Pfando´s Cash and Drive). "Vertraglich geregelte Verwertung" – gemeint ist eine Versteigerung. Und die bewirbt Pfando mit einer ziemlich kleinen Anzeige.

Versteigerung mit kleinem Publikum

Berlin, Dienstag, halb neun. Wir schicken wieder einen Lockvogel hin, erneut mit versteckter Kamera. Unser Lockvogel ist der einzige Besucher. Vor Ort sonst: Nur ein Pfando-Mitarbeiter und der Auktionator. Die beiden stellen zur Auktion sechs Autos vor – ein paar Fotos, eine Liste mit wenigen Details. Sonst nichts.

Eine Versteigerung mit nur einem einzigen Besucher. Und den haben wir geschickt. Unserem Lockvogel fällt dann etwas Ungewöhnliches auf: "Ja, also es lief so ab, dass der Pfando-Mitarbeiter, sein Bieter-Kärtchen, Angebot für Angebot in die Luft gereckt hat. Und damit zu erkennen gegeben hat: Ich möchte bieten. Und das lief dann bei jedem Fahrzeug so ab."

Der Pfando-Mitarbeiter ersteigert also jedes Auto. Unser Lockvogel war bei mehreren Terminen. Jedes Mal das gleiche Spiel. Doch was ist mit dem Mehrerlös, der Kunden laut Vertrag zusteht? Ersteigert Pfando tatsächlich seine eigenen Autos? Und was ist das überhaupt für eine Art von Versteigerung?

Experte hat Zweifel an Zweck der Auktion

Wir zeigen die Bilder Dr. Ulf Lorenz vom Bundesverband deutscher Auktionatoren. Auch ihm ist diese Form der Versteigerung ein großes Rätsel. "Was ist das Ziel dieser Versteigerung, weil man ja immer auf einen Bieterwettbewerb aus ist. Wenn es aber dauerhaft so bleibt, dann müsste man vielleicht mal genauer nachgraben, was der eigentliche Zweck dieser Auktion ist.

Auch zur Versteigerung bitten wir Pfando um Stellungnahme: "Sollte ein Fahrzeug ohne Gebote bleiben, so erfolgt der Zuschlag durch einen Mitarbeiter unseres Unternehmens 'aufs Haus'. Im Anschluss bieten wir das Fahrzeug in der Regel nochmal dem Kunden zum Erwerb an, andernfalls wird es durch uns veräußert."

Kurzfristige Einladung ohne Uhrzeit

Nochmalige Kaufangebote? Gab es bei Julian nicht. Auf Mails, ob seine Familie das Auto rückkaufen könne – keine Antworten, sagt er. Pfando holte das Auto einfach ab. Er war geschockt. "Ja was ist jetzt passiert? Wieso ist das Auto nicht mehr da? Zumal das auf meinem eigenen Grund und Boden stand."

Und die Versteigerung? Die war in Berlin. Pfando lädt ihn eine Woche vorher ohne Angabe der Uhrzeit ein. Viel schlimmer: Er hat kein Geld mehr. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon etwa 11.000 Euro Miete gezahlt. Was mit seinem Seat Ibiza passierte – weiß er nicht.

Fazit: Pfando ist für den Kunden ein teurer Deal. Ist es legal?

Unser Fazit nach zwei Jahren Recherche: Pfando ist für den Kunden ein teurer Deal, immer wieder falsche Beratungen und fragwürdige Auktionen. Ist das Pfando-Modell überhaupt legal? Juristen zweifeln seit Längerem. Etwa Rechtsanwalt Kay Koeppen. Er meint: Pfando biete eine besondere Art von Darlehen an. "Das Geld geht mal in die eine und wieder in die andere Richtung, zwischendurch wird eine Miete gezahlt. Wirtschaftlich nichts anderes als ein Zins", so Koeppen.

Er glaubt, Pfando mache mit der Rückkaufmöglichkeit und den Versteigerungen einen (sogenannten) Rückkaufhandel. Und der ist verboten – um Verbraucher vor Wucherzinsen zu schützen. Die Verträge seien rechtswidrig und damit unwirksam. So sehen es auch einige Gerichte. Manche Behörden ermitteln auch: Bisher aber ohne das Pfando-Modell zu verbieten. Pfando hält es für rechtlich zulässig und macht weiter.

Kunden gehen vor Gericht

Landgericht Köln. Hier treffen wir Julian wieder. Er hat gegen Pfando Klage erhoben. Mit einem Anwalt. Dr. Holger Schilling. Der vertritt noch 50 weitere Pfando-Kunden. Auch er meint: Die Verträge von Julian seien unwirksam. "Wenn die Verträge unwirksam wären, dann gelte das, als wären die Verträge nie abgeschlossen worden."

Hieße: Julian würde fast 17.500 Euro von Pfando wiederbekommen. Ein Hoffnungsschimmer. Aber: Das würde nur ihm helfen. Neue Pfando-Kunden bleiben schutzlos, bis die Behörden tätig werden.

Autoren: Wolfgang Landmesser und Philip Raillon (WDR)

Stand: 29.10.2020 13:14 Uhr

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