SENDETERMIN Mi, 12.06.19 | 21:45 Uhr

Preiskampf um Bananen

Warum sich das faire Obst nicht durchsetzen kann

PlayPreiskampf um die Banane: Wie weit wollen die Discounter gehen?
Preiskampf um Bananen | Video verfügbar bis 12.06.2020 | Bild: SWR

  • In deutschen Supermärkten tobt ein Preiskampf um billige Bananen.
  • Bananen sind mit Pestiziden belastet, die in Europa nicht verwendet werden dürfen.
  • Pestizide werden in den Anbauländern per Flugzeug ausgebracht, während sich die Arbeiter darunter befinden.

Wie kann es sein, dass Bananen, die bis zu 11.000 Kilometer weit transportiert werden müssen, nicht mal halb so viel kosten wie Äpfel aus Deutschland? Seit Monaten liefern sich Supermärkte und Discounter einen Wettstreit um das günstigste Angebot.

Frank Braßel von der Hilfsorganisation Oxfam beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Bananenmarkt. Er besucht jährlich Plantagen in Südamerika. "Sie können davon ausgehen, dass dieser niedrige Preis bei uns gravierende Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen in den Plantagen in Lateinamerika hat. Das heißt, die Leute müssen länger arbeiten und werden schlechter bezahlt."

Dabei sah es vor einiger Zeit so aus als würde die Preisspirale gestoppt. Im September 2018 hatte der Discounter Lidl entschieden, als erster Lebensmittelhändler ausschließlich Fair-Trade-Bananen zu verkaufen. Die Konkurrenz reagiert – aber mit Bananen zum Schnäppchenpreis. 

Lidl bietet wieder konventionelle Bananen an

Vor wenigen Wochen rudert Lidl schließlich zurück. Statt hundert Prozent Fairtrade gibt es nun auch wieder günstigere konventionelle Bananen zu kaufen. Dieter Overath von Fairtrade hatte die Initiative von Lidl damals noch als Meilenstein bezeichnet. Nun Ernüchterung: "Der Lebensmitteleinzelhandel hat noch eine Schippe drauf gelegt in diesen Preiskämpfen und genau das falsche Zeichen gesetzt, dass nachhaltiger Konsum und vor allem nachhaltiger Anbau im globalen Süden damit behindert wird. Das ist keine gute Entwicklung."

Bananen werden auf großen Plantagen in Südamerika angebaut.
Bananen werden auf großen Plantagen in Südamerika angebaut. | Bild: SWR

Wir sind in Ecuador. Von hier stammen die meisten Bananen, die bei uns verkauft werden. In Santo Domingo betreibt Byron Paredes Monteros eine Bananenplantage. Seit vergangenem Jahr setzt er auf Fairtrade und Bio-Bananen.

Schon lange ist er im Bananen-Business, hat schon schwierige Zeiten durchgestanden. Doch der Preisdruck jetzt, auch durch die deutschen Lebensmittelhändler, habe eine neue Dimension. "Die Mindestpreise werden nicht eingehalten. Die Folgen davon sind, dass die Anbauer die Felder verlassen und ihre Plantagen aufgeben. Sie ziehen in die Städte, werden arbeitslos, vielleicht sogar kriminell..."

In Ecuador gibt es eigentlich Mindestpreise für Bananen

Dabei sind die Mindestpreise für Bananen in Ecuador eigentlich staatlich geregelt. Doch die vielen kleinen Bananenproduzenten sind den Einkäufern der Konzerne und den Zwischenhändlern ausgeliefert. Und vor wenigen Monaten soll der deutsche Discounter Aldi dort angekündigt haben, dass er künftig noch weniger zahlen will.

"Wir haben einen offenen Brief an Aldi geschickt, dass dies ein Fehler ist. Dass man so etwas nicht machen kann. Dass ein Kunde zehn Cent mehr für Bananen bezahlt, das schädigt ihn nicht, das macht für ihn keinen Unterschied", sagt Byron Paredes Monteros, der auch die Vereinigung der ecuadorianischen Bananenerzeuger vertritt.

Auf Anfrage antwortet Aldi Süd, man nehme die Briefe sehr ernst, habe extra Verantwortliche nach Südamerika geschickt. Aldi Süd schreibt uns: "Der offene Austausch hat zu einem gegenseitigen besseren Verständnis der bestehenden Herausforderungen entlang der Bananen-Wertschöpfungskette beigetragen."

Der Präsident der ecuadorianischen Bananenerzeuger hat davon noch nichts mitbekommen.

Plantagenarbeiter sind Spritzmitteln ausgesetzt

Die Pestizide werden per Flugzeug versprüht.
Die Pestizide werden per Flugzeug versprüht. | Bild: Oxfam/SWR

Umso günstiger die Bananen, desto günstiger muss der Anbau sein. Das bedeute, "dass mehr Chemie eingesetzt wird. Weil je mehr Chemie desto weniger Schäden an der Banane nimmt man an. Aber leider sind die Menschen in der Plantage, wenn gespritzt wird, weil das sonst ein Verdienstausfall wäre", sagt Frank Braßel von Oxfam. In den Anbauländern werden die Pestizide per Flugzeug versprüht. Trotz Anwesenheit der Arbeiter.

Wie stark sind Bananen mit Pestiziden belastet? Das wollen wir herausfinden. Wir kaufen konventionelle Bananen bei Lidl, Aldi, Edeka, Rewe und Penny. Außerdem auch Bio-Bananen von Lidl, Aldi und Edeka. In einem Labor lassen wir die Bananen untersuchen. Samt Schale werden sie zunächst zerkleinert – genau nach den gesetzlichen Vorgaben. Auf über 600 verschiedene Pestizide sollen sie nun getestet werden.

Zurück ins Labor. Das Ergebnis unserer Stichprobe: Bei allen unseren konventionellen Bananen finden wir Pestizid-Rückstände. Am stärksten belastet sind die Bananen von Edeka und Penny. Hier finden wir gleich mehrere Pestizide. Darunter auch Bifenthrin, das im Verdacht steht, Krebs auszulösen und in Europa nicht verwendet werden darf. 

"Die sind auf der Schale und es werden auch keine Höchstmengen überschritten. Aber die Menschen, die damit arbeiten müssen und die dem Nebel beim Sprühen ausgesetzt sind, für die ist es ein ganz anderes Problem“, sagt Marike Kolossa, Toxikologin am Umweltbundesamt.

Die untersuchten Bio-Bananen waren übrigens frei von Pestiziden. Den Kampf Billig gegen Fair werden am Ende wohl die Verbraucher entscheiden – mit ihrem Einkauf.

Stand: 16.06.2019 13:04 Uhr

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