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Ab in den Urlaub mit Google und Co.

PlayKofferraum voller Koffer
Urlaub mit der Datenkrake | Video verfügbar bis 17.07.2020 | Bild: ARD

  • Gerade zur Reisezeit lassen wir uns gern von Google und Co. steuern.
  • Gastonomen und Hotellerie müssen um Sichtbarkeit bei Google kämpfen.
  • Eine Lösung könnten offene Daten sein.

Buchung, Navigation und Reiseführer – viele Bestandteile einer Reise werden heute mit Hilfe von Google umgesetzt. Das hat Vorteile für die Urlauber – beschert Google aber auch eine riesige Menge Daten und hat weitreichende Auswirkungen.

Navigation: Umleitungen zunehmend belastet

In Echtzeit kann man sich von Google-Maps in den Urlaub leiten lassen. Verkehrsstörungen werden sofort mitberechnet und gegebenenfalls Umleitungen empfohlen. Doch Verkehrsforscher sehen neben den Vorteilen noch etwas: Mehr Staus auf Umleitungen und mehr Kosten.

"Wenn sie der Autobahn zehn Prozent wegnehmen, dann sind die Landstraßen total überfüllt", so Professor Bernhard Steinauer von der RWTH Aachen. Der Schwerverkehr verstopft die Straßen, die Belastung steigt – und führt bei den Kommunen sogar zu zusätzlichen Instandhaltungskosten.

Google bindet die Nutzer

Google indes bindet mit solchen Angeboten seine Nutzer und verdient Geld mit Werbung. Bei Google-Maps gibt’s beispielsweise auch Hinweise auf das nächste Fastfood Restaurant.

Professor Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sieht ein Problem: "Sie nutzen eine Infrastruktur, ohne dafür etwas zu entrichten", so Fratzscher. Google kontert, dass man sich an alle Steuergesetze halten würde.

Probleme für die Gastronomie

Probleme mit – oder besser gesagt ohne Google – haben auch Unternehmen, etwa in der Gastronomie. Bei einer Google-Suche findet man jede Menge Restaurants, samt Bewertungen. Ein Traditionsrestaurant in Essen taucht dabei allerdings nicht sofort auf. "Ich ärgere mich schon, dass ich nicht so auffindbar bin, wie ich mir das wünsche", sagt beispielsweise Hans-Hubert Imhoff, Inhaber des Restaurants Parkhaus Hügel in Essen.

Google verweist darauf, dass Gastronomen das "Google MyBusiness"-Profil stets aktuell halten sollten. Die Reihenfolge angezeigter Suchergebnisse richte sich nach Relevanz, Entfernung und Bedeutung.

"Diese großen Konzerne entscheiden darüber, welche Informationen wir bekommen", so Marcel Fratzscher. Der Nutzer könne daher nicht mehr frei entscheiden und Dinge abgewogen einschätzen.

Der Hotelverband Deutschland ist ebenfalls alarmiert. Denn Google lässt sich von großen Buchungsportalen für mehr Sichtbarkeit bezahlen. Die Folge: Ehe man auf die Webseite eines Hotels stößt, erhält man als Suchergebnis Links zu den Portalen.

Mehrere Milliarden Euro soll sich beispielsweise Booking.com diese Präsenz pro Jahr kosten lassen. Eine Stellungnahme lehnt das Unternehmen ab.

Nächste Stufe: Digital bezahlen

Google-Pay und die Idee von Facebook, mit "Libra" eine eigene Währung zu etablieren zeigen, dass auch die Konzerne vermehrt auch ins Geldgeschäft einsteigen. Facebook könnte mit "Libra" zu einem mächtigen Player im Finanzmarkt werden. Das macht mittlerweile auch den Notenbanken Sorgen. "Die erste Gefahr, die ich im Kopf habe, ist Geldwäsche", so Benoît Cœuré, der Direktor der Europäischen Zentralbank.

Zudem gebe es "ein Risiko, dass die globale Währungspolitik gestört wird", so Cœuré. "Es geht um sehr viel Geld, dass aus dem regulierten Finanzsystem herausgezogen wird in eine geschlossene Plattform".

Open Data als Lösung?

Muss man Digital-Riesen wie Google und Facebook bremsen? Markus Beckedahl, Gründer von Netzpolitik.org, glaubt, dass dies mit "offenen Daten" möglich sein könnte. Wenn alle Daten frei verfügbar wären, führe das zu mehr Wettbewerb und mehr Innovation. Voraussetzung: Die Unternehmen müssten beispielsweise verpflichtet werden, bestimmte Daten zu veröffentlichen.

Autoren: Michael Houben und Thomas Becker

Stand: 19.07.2019 11:35 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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