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Gefahren im Schlafzimmer

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Gefahren im Schlafzimmer | Video verfügbar bis 21.08.2020 | Bild: Imago Images Panthermedia

– In vielen Schlafzimmern lauern Schadstoffgefahren
– Formaldehyt belastete Möbel gasen auch nach Jahrzehnten noch aus
– Gefahr für Menschen ist im Ruhezustand am größten
– Einige Pflanzen sind gute Schadstofffänger
– Besser geölte Möbelkauf kaufen als lackierte
– Auch Milbenbelastung in Matratzen wird oft unterschätzt

25 Jahre liegt jeder im Durchschnitt im Bett. Sechs bis acht Stunden jede Nacht – und die sind wichtig für unsere Gesundheit, sagen Wissenschaftler. Aber auch ein gutes Raumklima gehört dazu. Doch viele Möbel, Baumaterialien und Teppiche enthalten synthetische Stoffe, die für dicke Luft sorgen können. Auch Milben können unseren wertvollen Schlaf empfindlich stören. Mit welchen Gegenmaßnahmen liegen Sie richtig?

Erholsame Entspannung, Rückzugsort. Doch in vielen Schlafzimmern lauern Schadstoffe. Und darüber macht sich kaum einer Gedanken.   

Viele Wohngifte sind in Klebern und Lacken enthalten. Sie dünsten aus Möbeln aus, auch wenn sie für die Bewohner unsichtbar sind. 

Der Baubiologe Christian Blank macht für uns Raumluftmessungen -  bei Familie M. aus Taunusstein. Das sind Alex, Jessica, und die gerade mal drei Wochen alte Hanna.

Ihr Schlafzimmer haben sie erst vor kurzem gekauft. Christian Blank, Verband Baubiologie: "Jetzt wollen wir doch erst mal sehen, ob sich irgendwelche Schadstoffe verbergen, die wir dann auch sichtbar machen können, greifbar machen können."

Jessica M.: "Bis jetzt haben wir eigentlich immer auf die Optik geschaut. Jetzt durch die Geburt der Kleinen ist uns aber die Gesundheit wichtiger geworden. Und deswegen wollen wir jetzt auch mal kucken, dass da nichts ist."

Alexander M.: "Also ich hoffe, dass wenn da etwas sein sollte, dass es dann nicht zu teuer wird."

Formaldehyd gast Jahrzehnte lang aus

Als erstes kommt der Schnelltet auf Formaldehyd. Diese Chemikalie ist oft im Leim enthalten. Der hält die Holzschnipsel von Spanplatten zusammen. Und die werden millionenfach verwendet.

Wenn das Formaldehyd in den eigenen vier Wänden ausgast, kann es Kopfweh, Schleimhautreizungen und sogar Krebs verursachen. Selbst bei alten Möbeln verflüchtigt es sich nicht.

Christian Blank, Verband Baubiologie: "Formaldehyd gast so lange aus wie die Spanplatte besteht, die belastet ist. Das heißt, so lange, wie der Schrank da steht, so lange wird auch Formaldehyd ausgasen. Selbst nach 30 Jahren."

Körper nachts besonders anfällig für Schadstoffe

Schadstoffe im Schlafzimmerzimmer. Nicht selten sind sie für Schlafstörungen verantwortlich. Gerade in der Ruhephase nachts – ist ein gesundes Raumklima aber besonders wichtig.

Bettwäsche
Bettwäsche | Bild: picture alliance/Imagebroker/Michael Jaeger

Dr. med. Petra Bracht, Fachärztin für Allgemeinmedizin: "Der Mensch ist tatsächlich nachts viel anfälliger für irgendwelche Schadstoffe von außen her, weil er da in Ruhe ist, weil er sich eigentlich repariert, recycelt und auch heilen soll. Wohingegen er tagsüber sich bewegt und da automatisch ein Schutzschild um sich herum gebaut hat."

Preis für Möbel kein Qualitätsmerkmal

Was Möbel ausdünsten, hat oft nichts mit ihrer technischen Qualität zu tun.

Christian Blank, Baubiologe: "Man kann von dem Preis nicht auf eine Schadstoffarmut schließen. Es gibt günstige Möbel, die relativ wenig belastet sind mit Schadstoffen und es gibt teurere Möbel, die durchaus schadstoffbelastetet sind. Das kann man nicht pauschalisieren."

Kinder und Senioren besonders gefährdet

Doch gerade bei Kleinkindern und Senioren gilt höchste Vorsicht. Dr. med. Petra Bracht, Fachärztin für Allgemeinmedizin: "Das Immunsystem ist also bei den Kindern noch nicht so stark und bei den Älteren ist schon abgeschwächter. Und daher sind diese Person natürlich noch wesentlich anfälliger für Schadstoffe oder für negative Reize die dann nachts von außen auf diese Personen einwirken."

Zwei/drei Millionen Milben in jeder Matratze

Doch nicht nur chemische, auch biologische Stoffe können nachts schaden. Markus Karlisch beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Thema Hygiene. Er testet regelmäßig gebrauchte Matratzen auf Milben.

Markus Karlisch, Hygiene-Experte Potema: "Die Hausstaubmilbe liebt es erst mal dunkel und feucht. Das alles findet sie erst mal in der Matratze. Sie ernährt sich ausschließlich von Hautschuppen, die wir tatsächlich jede Nacht da hinterlassen. Eine Milbenkolonie kommt damit erst mal zurecht. Das heißt die Population ist immer gewährleistet und wächst forthin weiter."

Das Innere der Matratze auf den ersten Blick unappetitlich. Die Milben sind mit dem bloßen Auge aber nicht sichtbar. Markus Karlisch, Hygiene-Experte Potema: "Wir finden hier auf jeden Fall zwei bis drei Millionen Milben, und das ist echt eklig. Aber man muss sagen, das hat nichts mit Hygiene zu tun. Das ist in jeder Matratze, die man auffindet, der Fall."

Tränende Augen, Kopfschmerzen, Kratzen im Hals. Viele Verbraucher sind allergisch gegen ihre Bettgenossen. Das regelmäßige Reinigen mildert die Symptome und die Matratze hält länger. Das spart Kosten.

Markus Karlisch, Hygiene-Experte Potema: "Wenn man sich persönlich etwas Gutes tun will, dann sollte man die Matratze einmal im Jahr reinigen. Aber auch im Jahresverlauf sollte man die Matratze nicht vernachlässigen. Das heißt: Mal die Fenster öffnen, mal unter dem Bett Platz machen, die Matratze mal rausnehmen, mal lüften. Alles das ist gegen Milben-Wachstum förderlich, damit können sie selbst schon was tun."

Spezialband gegen Ausdünstungen

Zurück zu Familie M.. Der Formaldehydtest ist kurz vor der Auswertung. Bis dahin testet Baubiologe Blank, ob sich auch Lösungsmittel im Raum befinden.

Christian Blank, Baubiologe: "Das sind relativ typische Innenraum-Werte, die etwas erhöht sind natürlich, etwas höher als in der Außenluft. (…) Wir haben im Schrank etwas mehr, aber das hier ist einfach durch verstärktes Lüften wunderbar in den Griff zu bekommen."

Das Ergebnis des Formaldehydtests sieht da schon etwas besorgniserregender aus. Christian Blank, Baubiologe: "Wir sehen also anhand der Verfärbung, dass wir es hier mit einer deutlichen Auffälligkeit im Schrank zu tun haben. Das heißt, die Formaldehydkonzentration im Schrank ist tatsächlich deutlich erhöht."

Eine Belastung, gegen die man aber etwas tun kann. Mit einem Spezialband für gerade mal 20,00 Euro kann man die Schnittkanten abkleben. So kann nichts mehr ausgasen.

Jessica M.: "Ich bin total froh, dass wir wissen, was wir machen müssen und dass es auch nicht so teuer geworden ist, das ist jetzt das Wichtigste für uns gewesen, und dann können wir jetzt gut was dran ändern."

Pflanzen als Schadstofffänger

Und es gibt noch eine andere günstige Möglichkeit, die Raumluft spürbar zu verbessern: Luftreinigende Pflanzen, die auch im Schlafzimmer stehen können. Die Efeutute neutralisiert das krebserregende Formaldehyd. Genau wie die Aloe Vera und der Bogenhanf, der nachts sogar Sauerstoff abgibt.

Die Birkenfeige neutralisiert das ebenfalls krebserregende Benzol, genauso wie Scheidenblatt. Und die Grünlilie baut Kohlendioxid ab.

Wichtig: Bei allen Pflanzen sollte die Erde nicht zu feucht sein, damit kein Schimmel entsteht.  

Tipps für Kauf von Schlafzimmermöbeln

Bett
Bett | Bild: SR

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte am besten schon schadstofffrei und ökologisch einkaufen. Die Betten möglichst metallfrei, lieber gesteckt als verschraubt, und die Schränke mit Glasfronten statt lackiert.

Günter Glas, Böhm Natur: "Die Oberfläche sollte also nicht lackiert sein sondern geölt. Und vor allem der Leim, der Klebstoff, der sollte ein wasserlöslicher Weissleim sein und nichts was Lösemittel enthält, dann ist man auf der sicheren Seite und mit der Natur im Einklang."     

Egal ob Spezialgeschäft oder klassisches Möbelhaus: Beratung ist das A und O.

Günter Glas, Böhm Natur: "Wenn der Verkäufer kompetent ist, dann kann er Ihnen gut Antwort geben und wenn nicht, dann merkt man das recht schnell, wenn man da auf dünnes Eis kommt."

Und einen Tipp sollte man immer beherzigen. Rund 80 Prozent der Schadstoffe lassen sich durch regelmäßiges Lüften neutralisieren. Dann kann man mit einem guten Gefühl auch mal ein Stündchen länger im Schlafzimmer verweilen.

Ein Beitrag von Nicole Würth

Stand: 21.08.2019 22:55 Uhr

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Saarländischer Rundfunk
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