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Ökologische Weihnachtsbäume – feiern mit gutem Gewissen?

PlayEin geschmückter Weihnachtsbaum.
Ökologische Weihnachtsbäume – feiern mit gutem Gewissen? | Video verfügbar bis 05.12.2019 | Bild: dpa / Bodo Marks

– Deutsche geben jährlich bis zu 700 Millionen Euro für Tannenbäume aus.
– Wegen teils hoher Schadstoffbelastungen fordern Umweltschützer Grenzwerte für Weihnachtsbäume.
– Schafe können Unkrautvernichtungsmittel ersetzen, Biobäume sind kaum teurer als konventionelle Weihnachtsbäume.

Bis zu 700 Millionen Euro geben die Deutschen insgesamt für Weihnachtsbäume aus. Der Absatz – seit Jahren stabil. 20 Euro ist der Durchschnittspreis – pro "laufendem Meter". Von künstlicher Pracht hält Familie L. nichts – wie Millionen andere. Trotz großer Auswahl: Bei den meisten muss es ein echter sein.

Markus L. erklärt: "Ein Plastikbaum ist für mich das optimale 'no go', da hört der Spaß echt auf." Und Yasmine H. meint: "Es wäre schon schön, wenn er ganz gerade ist." Aber – woher kommen diese Millionen Bäume eigentlich?

Unnötige Giftstoffe im Wald, Grundwasser und Wohnzimmer

Corinna Hölzel, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND): "Auf konventionellen Plantagen werden Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Das heißt Pestizide gegen Insekten, die man nicht haben will, gegen Unkräuter, oder auch gegen Pilzkrankheiten." Diese Stoffe schaden dem Ökosystem, führen zum Sterben vieler wichtiger Nützlinge und zerstören deren Lebensraum. Wie viel Gift schleppen wir damit nach Hause, in unsere Wohnzimmer?

Ein geschmückter Weihnachtsbaum.
Wann ist der Weihnachtsbaum ökologisch? | Bild: dpa / Bodo Marks

Wir machen eine Stichprobe und testen fünf konventionelle Bäume. Aus Baumärkten, einem Gartencenter und einem Supermarkt. Finden wir gefährliche Schadstoffe?

1000 Gramm Nadeln zupfen wir von den Ästen. In einem unabhängigen Labor werden sie untersucht – auf Pestizide, auch auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat.

Gefahr von Schädigung an Nerven- und Hormonsystem

Eine Woche später legen wir die Ergebnisse unserem Experten vor. Auf allen fünf Bäumen sind zumindest Spuren von Schadstoffen sichtbar, bei drei davon sogar in höheren Dosen. Alles zwar offiziell zulässig. Aber genau da sieht Jürgen Stellpflug ein großes Problem.

Jürgen Stellpflug von Testwatch: "Auf den Bäumen ist die gesamte Bandbreite der Pestizide. Also Insektizide, Unkrautvernichtungsmittel, Pilzmittel und auch Glyphosat. Das wundert nicht. Es ist seit Jahren das gleiche. Es wird in Tests immer wieder festgestellt, es ändert sich nichts, weil es keine Grenzwerte gibt und die Politik sieht auch keinen Grund, Grenzwerte für Weihnachtsbäume festzulegen."

Können diese Gifte potenziell auch der Gesundheit schaden? Jürgen Stellpflug erklärt: "Die können nervengiftig sein, die können das Hormonsystem schädigen, sie können wie Glyphosat eben auch unter Krebsverdacht stehen. Und sie können ausgasen, gerade durch die warme Luft, die wir im Winter im Wohnzimmer haben."

Die eingesetzten Chemikalien werden zudem in die Böden und damit ins Grundwasser geschwemmt. Corinna Hölzel, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dazu: "Die Wasserwerke haben dann jede Menge zu tun, um Nitrate und Pestizide wieder herauszufiltern und unser Wasser trinkbar zu machen. Und diese Wiedergutmachung zahlt letztendlich dann der Steuerzahler."

Mittlerweile setzt ein kleiner, aber wachsender Teil der Produzenten auf ökologische Weihnachtsbäume. Und auch bei den Verbrauchern steigt die Nachfrage.

Schafe statt Unkrautvernichter unterm Tannenbaum

In Blieskastel im Saarland wachsen ökologische Bäume. Seit Jahren produziert Sebastian Dawo Weihnachtsbäume ohne Pestizide und Kunstdünger. Aber mit vierbeinigen Assistenten. Sebastian Dawo vom Gut Lindenfels: "Also die Schafe fressen wirklich jedes einzelne Grashälmchen aus den Bäumen raus, und halten den Baum schön frei und sauber, und somit können wir eigentlich auf Unkrautvernichter verzichten."

Eine ganz besondere Schafrasse, die nur Unkraut frisst, aber keine Bäume anknabbert. Zusätzlich liefern die Tiere natürlichen Dung. Ihre Wolle streifen sie an den Bäumen ab. Der Geruch hält Läuse und anderes Ungeziefer fern. Deshalb kommen auch keine chemischen Insektenvernichter zum Einsatz. Sebastian Dawo: "Man darf sich aber auch nicht vorstellen, dass man jetzt am Heilig Abend dasitzt und das ganze Wohnzimmer nach Schafstall riecht. Das verfliegt im Laufe des Jahres wieder."

Doch wie kann man einen ökologischen von einem konventionellen Baum unterscheiden? Wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte auf diese Siegel achten. Sie garantieren echte Bioqualität.

Weihnachtsbaum mit Biosiegeln
Bäume mit diesen Siegeln garantieren Bio-Qualität

Todesgefahr für Zapfenpflücker

Nahezu alle Samen für deutsche Nordmanntannen stammen übrigens aus Georgien und dem Kaukasus. Dort müssen Zapfenpflücker sehr hoch oben in den Baumkronen arbeiten – unter lebensgefährlichen Bedingungen. Immer wieder gibt es dabei tödliche Unfälle. Die Organisation "Fair Trees" setzt sich für faire und sichere Arbeitsbedingungen in der Region ein.

Jürgen Stellpflug dazu: "Das 'Fair Trees Siegel' ist ein gutes Siegel, weil es für die Arbeiter gut ist, aber ein Fair Tree Baum kann sowohl ein Gespritzer sein wie ein Ungespritzer. Der beste Weihnachtsbaum wäre also der, der ein Fair Tree Siegel hat und ein Ökosiegel."

Bio-Baum kaum teurer als konventioneller

Weil die ökologischen Händler konkurrenzfähig bleiben müssen, kosten die Bio-Bäume kaum mehr als konventionelle. Aber wie erkennt man, ob der Baum beim Kauf richtig frisch ist?

Jonas Janker, Wiese-Höhmann Nadelholzkulturen, rät: "Am Stamm sollte er auf jeden Fall eine weiße Schnittstelle vorweisen. Wenn sie braun oder trocken ist, dann ist er schon zu lange gesägt. Und beim Aufstampfen darf er keine Nadeln verlieren, sonst ist er schon zu trocken. Und man will ja einen frischen Baum zu Weihnachten."

Wichtig: Wenn der Baum zu Hause steht, täglich bis zu zwei Liter nachgießen. Wer sich doch für die konventionelle Variante entscheidet, der sollte regelmäßig lüften. Und im Zweifel noch einmal ordentlich nachspülen.

Ein Beitrag von Nicole Würth

Stand: 06.12.2018 08:55 Uhr

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