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Sparer zwischen Strafzinsen und Inflation

PlayEine Kasse mit Bargeld
Sparer zwischen Strafzinsen und Inflation | Video verfügbar bis 15.12.2022 | Bild: picture alliance/dpa / Daniel Karmann

  • Immer mehr Banken erheben „Verwahrentgelt“
  • Negativzins betrifft Neu- wie Bestandskunden
  • Vom Verwahrentgelt profitiert vor allem die Bank
  • Die hohe Inflation kostet Sparer zusätzlich viel Geld
  • Die EZB wird das so schnell nicht ändern
  • Geld anzulegen bleibt schwierig
  • wer Rendite will, muss Risiken eingehen

Der Trend, dass Bank-Kunden für ihre Einlagen Strafzinsen zahlen
müssen, setzt sich ungebremst fort. Auch zur Jahreswende ist keine
Änderung in Sicht. Gleichzeitig ist die Inflationsrate massiv angestiegen.
Die Sparer sitzen in der Falle, ihre Rücklagen werden von zwei Seiten
angeknabbert.

Sparer zwischen Strafzinsen und Inflation


Immer mehr Banken brummen Sparern Negativzinsen auf. Und nennen
das fast zynisch „Verwahrentgelt“. Laut dem Verbraucherportal biallo.de
hatten 2020 schon 259 Institute ihre Kunden damit zur Kasse gebeten.
Bis zum Ende dieses Jahres hat sich die Zahl auf 550 mehr als
verdoppelt.

Immer häufiger müssen auch langjährige Kunden bezahlen, so Thomas
Beutler von der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Erst seien nur Neukunden an der Reihe gewesen, plötzlich auch Bestandskunden,
wenn auch mit höherem Freibetrag. Der wird dann oft nach und nach
nach unten angepasst, so Thomas Beutler. „Der Widerstand ist dann
nicht ganz so hoch, weil viele erstmal sagen: das betrifft mich gar nicht.“

Meistens sind es 0,5 Prozent Strafzinsen. Wer zum Beispiel 100 000
Euro über dem jeweiligen Freibetrag anlegt, muss dann 500 Euro
Negativzinsen berappen. Für viele ein Alptraum.

Kopfkissen oder Schließfach?


Das Geld unter dem Kopfkissen zu verstecken – keine gute Idee. Zwar
werden dann keine Negativzinsen fällig. Aber man müsste das Geld
auch selbst bewachen.
Oder ein Schließfach mieten? Auch das wäre in den meisten Fällen
tatsächlich billiger als die Strafzinsen auf dem Konto. Allerdings kostet
ein Schließfach auch Gebühren, so Thomas Beutler. Und nicht nur das.
Das Schließfach muss, darauf sollte man achten, entsprechend
versichert sein. Denn die Standardversicherung sei oft nicht für hohe Geldsummen ausgelegt. Für höhere Versicherungssummen aber fallen
natürlich auch höhere Kosten an.

Verwahrentgelt – ein gutes Geschäft für die Bank


Die Begründung der Banken für das Verwahrentgelt: Sie müssten den
Negativzins der Europäischen Zentralbank an ihre Kunden weitergeben.
Allerdings haben sie hohe Freibeträge von der EZB (Europäische
Zentralbank) – müssen also nicht auf alle Einlagen Strafzinsen zahlen.

„Wir gehen davon aus, dass die eine oder andere Bank wirklich ein
gutes Geschäft mit dem Verwahrentgelt macht. Sie macht natürlich auch
mit den Kundeneinlagen ein Kreditgeschäft. Wenn man schaut: die
Dispozinsen sind zum Teil noch zweistellig“, sagt Sebastian Schick, vom
Verbraucherportal biallo.de.
Viele Banken haben gleichzeitig die Kontogebühren deutlich erhöht. In
den vergangenen fünf Jahren laut Statistischem Bundesamt oft um über
30 Prozent.
Zusätzliche Geldentwertung durch hohe Inflation
Richtig dramatisch wird es, sobald man die Inflation – also den Anstieg
der Preise – dazurechnet.

Bei der von der EZB angepeilten Inflationsrate von 2 Prozent plus 0,5
Prozent Strafzinsen haben 100.000 Euro nach einem Jahr nur noch eine
Kaufkraft von 97.500 €.
Nach fünf Jahren sind es nur noch rund 88.000 € Kaufkraft. Ein
Wertverlust von 12.000 €!
Tatsächlich liegt die Inflation aktuell aber noch viel höher: In Deutschland
sogar bei über 5 Prozent!

Besserung ist für Sparer kaum in Sicht.

Ein Sparbuch mit Geldscheinen.
Für Geld auf dem Sparbuch wird es wohl noch lange keine Zinsen mehr geben.  | Bild: picture alliance/dpa / Daniel Karmann


Sebastian Schick vom Verbraucherportal biallo.de geht davon aus, dass
klassisches Zinssparen wie Festgeld, Tagesgeld wohl Jahrzehnte die
Inflation nicht mehr schlagen kann. Der Grund:
Sebastian Schick, biallo.de „Die EZB wird natürlich immer schauen, dass die Inflationsrate immer über dem aktuellen Zinsniveau liegt. Alles andere wäre Gift für die hochverschuldeten Peripheriestaaten. Wenn da die Zinsen zu deutlich steigen würden, dann würden dies Länder Probleme bekommen bei der
Refinanzierung und das will die EZB auf jeden Fall vermeiden.“

Alle Generationen sind betroffen. Den Jungen fehlt der Zins, um bei
niedrigem Risiko Vermögen aufzubauen. Den SeniorInnen schmilzt die
über Jahrzehnte aufgebaute Altersvorsorge unter den Fingern weg.
Alternativen sind rar gesät
Immobilien? Die Preise sind in vielen Städten geradezu explodiert.
Keiner weiß, ob es noch weiter nach oben geht oder ob die Blase platzt.

Oder sich vielleicht doch mal was Schönes gönnen statt auf später zu
warten?
Um Negativzinsen zu umgehen, kann man sein Geld auf mehrere
Banken verteilen.

Oder vielleicht auch sein Erbe vorziehen und einen Teil des Gesparten in
der Familie verteilen. So genannte Schenkungen sind auch zu Lebzeiten
in bestimmten Grenzen steuerfrei.

Ohne Risiko keine Rendite


Wer allerdings Rendite will, muss an den Kapitalmarkt – also ins Risiko
gehen. Viel mehr kann man auch im neuen Jahr nicht tun, um sein
Erspartes zu retten.
Der Rat von Thomas Beutler, Verbraucherzentrale des Saarlandes:
„Jeder muss für sich feststellen: wieviel Kapital brauche ich jederzeit
verfügbar, wieviel kann ich vielleicht für zwei bis fünf Jahre anlegen und
dann, wieviel für eine Zeit ab fünf Jahre? Und dann kommt natürlich die Anlageklasse Aktie hinzu und das Instrument Fonds ist hier sehr
geeignet. Insbesondere ETFs (ETF : engl. Exchange Traded Fund) also
sogenannte Indexfonds. Da sie nicht aktiv gemanaged werden, sind sie
sehr günstig.
Immerhin: Die Geldinstitute sind gut über die Runden gekommen. Sie
bauen zwar Personal ab und schließen Filialen. Aber sie machen aktuell
die höchsten Gewinne seit der Finanzkrise. Die Bank gewinnt eben fast
immer.

Ein Beitrag von: Peter Sauer
Onlinebearbeitung: Annette Bak
Ein Beitrag des Saarländischen Rundfunks für Das Erste

Stand: 15.12.2021 22:39 Uhr

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