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Mineralwasser – der Kampf um Marktanteile

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Mineralwasser – der Kampf um Marktanteile | Video verfügbar bis 18.08.2022 | Bild: picture alliance/dpa / Roland Weihrauch

  • Rund 200 Unternehmen füllen bundesweit Mineralwasser und Erfrischungsgetränke ab
  • Seit 2018 sank die Produktion von 14,9 auf nur noch 13,1 Milliarden Liter
  • Wasser in Einwegflaschen aus Plastik zunehmend unbeliebt
  • Umweltbewusstsein der Verbraucher klar erkennbar
  • Mittelständische Abfüllbetriebe profitieren vom Trend zur Glasflasche
  • Stiftung Warentest: Pestizidrückstände in "Biowasser" gefunden

Immer mehr Verbraucher sprudeln selbst, d.h. sie kaufen kein Mineralwasser mehr  im Handel. Und wenn doch sind vor allem Glasflaschen mit regionaler Herkunft gefragt; Einweg-Plastikgebinde dagegen kämpfen zunehmend mit einem Image-Problem.

Jahrzehntelang hat Peter U. tonnenweise Mineralwasser in die Wohnung geschleppt. Aber dann war irgendwann Schluss. Im Corona-Lockdown sind viele Familien endgültig umgestiegen und sprudeln selbst.

Peter U.: "Erstens, ich spar mir die Schlepperei, zweitens, es spart Platz, und drittens vermeidet es Plastik."

Wasser in Einwegflaschen zunehmend unbeliebt

Die Hersteller der Geräte dürften erfreut sein, doch für die Mineralbrunnen wird der Kampf um Marktanteile härter. Bundesweit füllen rund 200 Unternehmen Mineralwasser und eigene Erfrischungsgetränke ab. Noch 2018 hatte die Branche ein Allzeithoch erreicht. Seitdem geht es deutlich abwärts – von 14,9 auf nur noch 13,1 Milliarden Liter.

Allerdings: Der Rückgang betrifft nicht alle Produkte. Bei Getränken in Mehrwegflaschen sind die Zahlen stabil. Aber Einwegflaschen aus Plastik bleiben häufiger im Regal stehen.

Bei der Stiftsquelle in Dorsten steht aktuell sogar die ganze Abfüllanlage still. In der Branche spricht man von fast 25 Prozent Rückgang bei Plastikflaschen.

Verbraucher immer umweltbewusster

Das Umweltbundesamt hat die Veränderungen auf dem Markt in einer neuen Studie bestätigt.

Dr. Ines Oehme, Umweltbundesamt: "Die Studie zeigt für 2019 erstmals eine Trendwende, indem der Mehrweganteil leicht gestiegen ist, und zwar insbesondere bei Mineralwässern."

Mit dem Kampfpreis von 19 Cent für die 1,5 Liter-Einwegflasche dominieren Discounter- und Supermarktketten den Markt seit Jahren. Noch liegt der Anteil von Aldi, Lidl und Co. bei über 50%. Doch das wachsende Bewusstsein der Kunden für Umwelt und Klimawandel macht sich bemerkbar. Auch das bestätigt die Studie.

Dr. Ines Oehme, Umweltbundesamt: "Die Diskussion um Kunststoffabfälle und Mikroplastik führt dazu, dass wahrscheinlich Kunststoffe nicht mehr so gern gekauft werden."

Mittelständler profitieren vom Trend

Symbolbild: Mineralwasser
Bundesweit füllen rund 200 Unternehmen Mineralwasser und eigene Erfrischungsgetränke ab. | Bild: picture alliance/dpa / Roland Weihrauch

Kleine Mittelständler, die mit Mehrweg in Glasflaschen der Discounter-Konkurrenz getrotzt haben, freuen sich jetzt über relativ stabile Absatzzahlen. Andreas Schöttker leitet die Graf Metternich-Quellen. Der Brunnenbetrieb hat rund 40 Beschäftigte. Schöttker hat gerade in eine leistungsfähigere Abfüllanlage für Glasflaschen investiert. Angesichts zunehmender Hitzewellen musste der Betrieb im Sommer zeitweise im Dreischichtsystem arbeiten.

Andreas Schöttker, Graf Metternich-Quellen Steinheim-Vinsebeck: "Wir sind kein Dreischichtbetrieb, wir wollen Zweischichtbetrieb bleiben. Und das war eigentlich diese Motivation, dass wir sagen, wie können wir es erreichen, in der bestehenden Arbeitszeit mehr Flaschen abzufüllen?"

Mit der neuen Anlage sieht sich Schöttker gut für die Zukunft gerüstet.

Auch die Randegger Ottilienquelle am Bodensee sieht sich in ihrer bewussten Entscheidung für Glas bestätigt.

Clemens Fleischmann, Randegger Ottilienquelle, Gottmadingen: "Alle haben gesagt, der hat ja einen Vogel. Die Bank hat gesagt, um Himmelswillen, unsere Zentrale, unsere Fachleute sagen, das ist eine Fehlentscheidung. Und der Maschinenbauer hat auch gesagt, sie haben lange keine Glasanlage mehr verkauft, wir sollen uns das nochmal überlegen. Aber wir haben uns für die Glasflasche entschieden, und fahren auch ganz gut damit, mittlerweile."

Recyclingflaschen aus Plastik nicht nachhaltig

Während die Glasflasche ein Comeback erlebt, haben Firmen mit Einweg-Plastikflaschen ein Problem. Zum Beispiel die Schwarz-Gruppe mit ihren Ketten Lidl und den Kaufland-Supermärkten. Der Konzern hat viele Millionen Euro in Brunnenbetriebe und Plastikrecycling investiert. Nun kämpft man mit Imagekampagnen gegen den schlechten Ruf des Plastiks. Die Werbung erweckt den Eindruck, das Plastik sei sogar besonders umweltfreundlich. Die Deutsche Umwelthilfe sieht das ganz anders.

Thomas Fischer, DUH: "Diese Werbesloagans sind unseres Erachtens Greenwashing, durch keine Ökobilanzen belegt. Und insofern werten wir das als einen verzweifelten Versuch, mit Einwegplastikflaschen weiterzumachen, und den Verbrauchen dabei ein gutes ökologisches Gewissen mitzugeben. Wirklich nachhaltig ist es aber nicht."

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Wasser in Einwegflaschen aus Plastik wird zunehmend unbeliebt. | Bild: picture alliance/dpa / Sebastian Gollnow

Der Schwarz-Konzern argumentiert auf unsere Anfrage mit 100 Prozent Recycling, kurzen Transportwegen und verringertem Gewicht der eigenen Plastikflaschen, und verweist auf eine Untersuchung des IFEU-Instituts in Heidelberg. Tatsächlich hat das private Forschungsinstitut in einer Onlineveröffentlichung Einweg-Plastikflaschen eine bessere CO2-Bilanz bescheinigt als regionalen Mehrweg-Glasflaschen. Aber:

Thomas Fischer, DUH: "Wir können das nicht nachvollziehen. Das ist quasi ein Widerspruch zu allen bisherigen Ökobilanzergebnissen, und deshalb haben wir beim IFEU-Institut nachgefragt, ob uns Hintergrunddaten geliefert werden, ganz einfache banale Daten. Wer hat die Studie erstellt, wann, wer ist Auftraggeber, welche Transportentfernungen, Umlaufzahlen für Mehrwegflaschen, Flaschengewichte. Das muss man doch beantworten können. Wir haben keine einzige Antwort dazu bekommen."

Die Veröffentlichung wurde inzwischen vom IFEU-Institut gelöscht. Eine offizielle Stellungnahme haben wir dazu nicht erhalten.

Bio-Label für mehr Reinheit?

Andere Brunnenbetriebe setzen derweil auf andere Strategien, um Marktanteile zu bewahren, und ihr Image aufzupolieren. Zum Beispiel Bio-Label. Die versprechen eine besonders hohe Qualität und Reinheit der Produkte.

Alexander Höll, Stiftsquelle, Dorsten: "Bio-Mineralwasser hat einfach den Anspruch, noch strenger getestet zu werden, als reguläre Mineralwässer, und wenn sie 84 zusätzliche Schadstoffe untersuchen, und die Grenzwerte einfach noch strenger ansetzen, als die Mineral-und Tafelwasserverordnung es vorsieht. Dann ist es glaube ich ein guter Ansatz."

Das Unternehmen Stiftsquelle hat neben seiner traditionellen Marke ein zweites Label etabliert: "Landpark Bio". Nach Auskunft des Geschäftsführers würde das herkömmliche Wasser vermutlich auch Bio-Qualität erreichen – doch aus Marketinggründen verzichte man auf eine Bio-Zertifizierung.

Alexander Höll, Stiftsquelle, Dorsten: "Wir haben uns dazu entschieden, eine abgetrennte Marke in den Markt zu bringen, um unsere Stammverbraucher, die seit vielen, vielen Jahrzehnten Stiftsquelle trinken, nicht zu verunsichern."

Warentester finden Pestizide auch in Biowasser

Bei der Stiftung Warentest hat sich die vermeintliche Top-Qualität von Bio-Wässern nicht durchgängig bestätigt. Auch dort wurden in Einzelfällen schon Pestizid-Abbauprodukte gefunden.

Janine Schlenker, Stiftung Warentest: "Unterm Strich ist es so, das man eben für Bio-Mineralwässer meist mehr Geld bezahlt, und die vermeintlich bessere Qualität wird eigentlich nicht geliefert."

Andere Betriebe sagen: Mineralwasser muss eigentlich immer Bio sein – auch ohne Label. Und viele arbeiten daran, die Herstellung weiter zu optimieren oder CO 2-neutral zu werden – natürlich abgesehen von dem CO 2, das im Sprudel selber steckt.

Clemens Fleischmann, Randegger Ottilienquelle, Gottmadingen: "Wir haben den ganzen Wärmebedarf aus der Verbrennung von Holz, haben schon lang eine Photovoltaikanlage, und jetzt sind wir an der CO 2-Neutralität dran. Ende des Jahres wollen wir uns komplett CO 2-neutral stellen."

Das setzt auch andere Hersteller unter Druck. Der französische Danone-Konzern lässt Volvic als komplett "klimaneutral" zertifizieren. Dieses Ziel wollen die deutschen Produzenten bundesweit bis 2030 erreichen. Bis dahin dürfte der Konkurrenzkampf noch härter werden.

Ein Beitrag von Jörg Förster

Onlinebearbeitung: Ute Kunsmann

Der Beitrag wurde produziert vom Saarländischen Rundfunk (SR) für "Das Erste".

Stand: 19.08.2021 08:18 Uhr

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