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Eincremen mit System

Eincremen mit System

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Eincremen mit System | Video verfügbar bis 30.05.2019 | Bild: dpa / Caroline Seidel

– Sonnencremes werden oft zu wenig aufgetragen und zu niedrig dosiert
– Nicht alle Cremes für Kinder und Schwangere geeignet
– Enorme Preisspannen – auch günstige Cremes schneiden im Test gut ab

Sommer, Sonne, sorgenfrei. Alle zieht es nach draußen. Was nicht fehlen darf: der richtige Sonnenschutz. Über 40 Millionen Tuben Cremes und Lotionen kaufen deutsche Verbraucher im Jahr. Vom speziellen Lippenstift bis zur Naturkosmetik.  

Früher ganz normal: Lichtschutzfaktoren von 2, 4 oder 6. Heute üblich: 20, 30, 50 und noch mehr. Aber was drückt der Lichtschutzfaktor eigentlich aus? Zum Beispiel so ein 30er?

Wer sich ohne Creme zum Beispiel 10 Minuten sonnen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, der kann mit Lichtschutzfaktor 30 tatsächlich 30 mal länger in der Sonne bleiben, also volle 300 Minuten am Tag. Theoretisch.

Meistens zu wenig Sonnencreme aufgetragen

Das Bundesamt für Strahlenschutz rät trotzdem zur Zurückhaltung.

Dr. Cornelia Baldermann, Bundesamt für Strahlenschutz : "Der Lichtschutzfaktor ist unter Laborbestimmungen bestimmt. Das heißt in Realität tragen wir eigentlich viel zu wenig Sonnencreme auf. Wir haben den Lichtschutzfaktor auf der Sonnenmilch gar nicht auf unserer Haut letztendlich. Dann können wir ihn abschwitzen, wir können ihn abreiben, nachdem Baden ist er sowieso im Wasser. Das bedeutet im Endeffekt, dass wir den LSF grundsätzlich nicht zu 100 Prozent ausreizen sollen, sondern maximal zu zwei Dritteln."

Sonnencreme
Viele benutzen zu wenig Sonnencreme. | Bild: dpa / Stephanie Pilick

Doch wieviel Sonnenmilch braucht man, um gut geschützt zu sein? Rund 40 Milliliter für Erwachsene, in etwa 4 gehäufte Esslöffel, sagen Experten. Das muss man erst mal schaffen! Der Lichtschutzfaktor bezieht sich auf die UV-B Strahlen. Den hinreichenden UV-A Schutz erkennt man am umkreisten "UV-A"- Label.

Prof. Dr. med. Carola Berking, Dermatologin, Universitätshautklinik München: "UV- Amacht die Altershaut, UV-B macht den Brand, so kann man sich das ein bisschen merken. Allerdings beides zusammen genommen ist mitverantwortlich für den Hautkrebs."   

Hautkrebs nimmt drastisch zu

Schwere Sonnenbrände und vor allen Dingen Hautkrebs: im Gesicht und am Kopf, an Armen und Beinen. Die Anzahl der Erkrankungen steigt rapide. Intensives Sonnenbaden ist ein Grund dafür.

Prof. Dr. med. Carola Berking, Dermatologin Universitätshautklinik München:

"Man ahnt gar nicht, dass so ein schwarzer Fleck, der an irgendeiner Körperstelle sitzt, und so langsam wächst, das der schon Metastasen setzen kann, dass der schon fähig ist, Tochtergeschwülste in Lymphknoten und Organe des Körpers zu setzen, die dann tödlich sein können."

Die Firma Emil Kiessling in der Nähe von Nürnberg. Viele Handelsketten lassen hier ihre Sonnencremes herstellen, auch der Discounter Aldi. Immer mehr neue Rezepturen werden erforscht und getestet. Der Markt verlangt das so.

Günther Conrad, Emil Kiessling GmbH: "Der Verbrauch von Sonnenschutzmittel ist in den letzten Jahren gestiegen. Das hängt damit zusammen, dass die Konsumenten mehr verstehen, sich zu schützen, und heute sind höhere Sonnenschutzfaktoren erforderlich, weil die Bestrahlung durch die Sonne auch intensiver ist."

Das Angebot ist vielfältiger als früher. Der Handel ist gefordert. Die Konsumenten haben zunehmend individuelle Ansprüche.

Anamaria Preuss, Pressesprecherin ALDI SÜD: "Also früher war das ja so, dass es ein Produkt für alle gab. Das ist heute nicht mehr der Fall. Es gibt ganz viele individuelle Produkte. Der eine hat sensible Haut, der andere hat schon eine reife Haut, es gibt Babys, es gibt Kleinkinder, und natürlich auch welche, die gerne Wassersport machen, und das sind so viele unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir natürlich entsprechend eingehen müssen."

Testergebnisse von Sonnenschutzmitteln durchwachsen

Ökotest hat 27 Sonnenschutzmittel von verschiedenen Handelsmarken getestet. Das Ergebnis:

Christine Throl, Ökotest: "Von den 27 Produkten haben viele sehr gut und auch gut abgeschnitten. Da ist sowohl Naturkosmetik dabei als auch Produkte aus dem konventionellen Bereich. Es gibt allerdings auch Produkte, die eben nur ausreichend waren, und ein Produkt ist durch den Test gefallen."

Bedenkliche Cremes für Schwangere und Kinder

Sonnencremes mit mineralischen Filtern legen sich auf die Haut. Erkennbar am dicken weißen Film. Chemische Filter hingegen ziehen gut in die Haut ein. Von einigen wenigen rät Ökotest ab.

Christine Throl, Ökotest: "Wegen dem Verdacht, dass einige der chemischen Filter hormonell wirken, raten wir für Stillende, Schwangere und auch für Kinder zu Produkten mit mineralischen UV-Filtern."  

Die Preisspanne der getesteten Produkte ist enorm: Zwischen 1,83 und über 35 Euro, und das für die identische Menge. Der Test zeigt: Teuer heißt nicht immer gleich besser. Viele günstige Produkte haben mit sehr gut und gut abgeschlossen.

Wasserratten besonders vor UV schützen

Sonnenschutz außerhalb, aber auch im Wasser. Dort ist die Haut durch die Reflektion der Strahlung besonders gefährdet. Wasserbegeisterte sollten deshalb UV-Schutz-Kleidung tragen oder Cremes mit dem Zusatz "wasserfest" benutzen. Während des Badens ist man so besser geschützt. Aber:

Dr. Cornelia Baldermann, Bundesamt für Strahlenschutz: "Wasserfest bedeutet, dass nach 2x 20 Minuten Baden, 50 Prozent der Sonnencreme noch auf der Haut sein sollten. 50 Prozent von etwas, das man eh schon zu wenig aufgetragen hat, geht langsam Richtung null."   

Wichtig deshalb: Nach dem Baden und Trocken nachcremen. Und Sonnenbrille nicht vergessen. Denn der graue Star passt weder zu heller noch zu brauner Haut.

Autoren:  Sigrid Born und Nicole Würth

Stand: 07.06.2018 13:39 Uhr

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