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Teures Holz – Warum ein Überangebot nicht zu fallenden Preisen führt

PlayBaumstämme werden verladen.
Teures Holz – Warum ein Überangebot nicht zu fallenden Preisen führt | Video verfügbar bis 24.03.2022 | Bild: IMAGO / Countrypixel

• Seit Jahren wütet der Borkenkäfer in vielen Wäldern.
• Forstwirte haben dadurch viel Schadholz und Einnahmeeinbußen zu beklagen.
• Verbraucher müssen dennoch mehr für Holz bezahlen.
• Denn der Verkauf von Fertigteilen aus Holz boomt.
• Holz ist zunehmend auch als Baumaterial gefragt.

Familie Friedrich aus der Nähe von Leipzig will ein altes Bauernhaus sanieren. Zuvor holen sie von Zimmermann Ralf Peukert einen Kostenvoranschlag ein. Und der Fachmann muss ihnen dabei erklären, dass der Holzpreis ein wiederholtes Mal in kurzer Zeit gestiegen ist: "Die erste Preisrunde hatten wir schon im letzten Sommer. Da hatten wir sieben bis acht Prozent Preiserhöhung. Jetzt sind es bis zu zehn Prozent. Die Preise sind  ab Oktober nochmal nach oben gegangen."

Ein Mann mit Mundschutz steht in einem Dachgeschoss.
Zimmermann Ralf Peukert kann von mehreren Preissteigerungen bei Holz im letzten Jahr berichten.  | Bild: MDR

Statt 6.600 Euro nun 8.000 Euro

Das Dachgeschoss soll ausgebaut werden. Und auch ein Holz-Anbau ist geplant. 8.000 Euro würden die Kosten für den eingeplanten Holzanteil betragen. Unterm Strich müssen sie dafür nun 1.400 Euro mehr zahlen als noch vor einem Jahr. "Dann müssen wir jetzt in den sauren Apfel beißen", sagt Bauherr Friedrich.

Überangebot an Holz durch Borkenkäfer-Befall

Am fehlenden Nachschub aus den Wäldern kann der Preisschub nicht liegen. Forstwirt Jörg Göring aus der Nähe von Gotha musste große Mengen einschlagen, weil der Borkenkäfer wieder dort gewütet hatte. Das dritte Jahr in Folge ist der ungewollte Besucher nun schon im Thüringer Wald zugange, vermehrt sich und hinterlässt immer mehr Schäden am Baumbestand. Forstwirte sprechen hier von Kalamität. Einen Borkenkäferbefall einzudämmen ist eine besondere Herausforderung, erklärt Waldbesitzer Jörg Göring: "Die Bäume werden meist relativ hoch angeflogen, meistens im Kronenbereich, sodass Sie eigentlich mit einem Fernglas durchlaufen müssen".

Ein Mann steht hinter einem Stapel Holzstämmen.
Forstwirt Jörg Göring musste viel Schadholz aus seinem Wald schaffen. | Bild: MDR

Schadholz drückt die Preise der Waldbesitzer

Sachsen erlebt die schlimmsten Schäden seit Beginn der Wald-Bewirtschaftung vor 200 Jahren. Doch der Borkenkäfer verbreitet sich überall in den Mittelgebirgen, vor allem im Sauerland, Pfälzer Wald, Frankenwald, Thüringer Wald und im Erzgebirge. "Wir haben hier Bestände, die sind 148 Jahre alt. Das ist die Arbeit mehrerer Generationen. Die werden gerade für einen Apfel und für ein Ei verkauft", so Waldbesitzer Göring.

Kranke Bäume in der Vogelperspektive.
Ganze Waldflächen sind von kranken Baumbeständen gezeichnet. | Bild: MDR

Im Moment ist dadurch viel Schadholz auf dem Markt. Das drückt die Preise. Im thüringischen Saalburg befindet sich eines der größten Sägewerke der Welt. Bei Mercer fahren Lkws im Akkord ein. Noch nie wurden solche Massen verarbeitet wie derzeit. Das derzeit gelieferte Holz stellt die Produktion aber auch vor Probleme. "Je länger die Kalamität dauert, desto weiter nimmt die Qualität ab", erklärt Holz-Chefeinkäufer Wolfgang Beck. Das Holz sei dunkler und von Rissen und Pilzbefall gezeichnet.

Markt für fertige Holzprodukte boomt

Das schlechte Holz macht die Produktion zwar aufwändiger und teurer. Morsche Stämme können sich zudem in den Maschinen verfangen. Dennoch profitieren die Sägewerke vom Überangebot, denn der Markt für fertige Holz-Produkte boomt. Auch in Amerika gäbe es eine große Nachfrage, betont Carsten Merforth, Geschäftsführer des weltweit agierenden Unternehmens Mercer Timber. "Aber auch coronabedingt gibt es auf den lokalen und regionalen Märkten einen extremen Bedarf an Holz. Offensichtlich wird in der Pandemie sehr viel zu Hause gearbeitet und viel renoviert", erklärt Merforth.

Ein Mann steht in einem Holzlager.
Rene Kucznierz hat einen Holzhandel in Schönebeck. Der Holz-Boom hat auch seine Waren teurer gemacht. | Bild: MDR

Verbraucher muss tiefer in die Tasche greifen

Diesen Holz-Boom spürt auch Rene Kucznierz, Geschäftsführer des Nesseler & Co. Holzhandels in Schönebeck bei Magdeburg. Er beliefert Tischlereien und Baufirmen. Seine Preise musste er in den letzten Monaten deutlich erhöhen, je nach Produkt um bis zu 20 Prozent. Die Verbraucher müssten jetzt generell für Holz mehr bezahlen. "Da es nicht nur unseren Betrieb betrifft, sondern eine Entwicklung ist, die sich auf dem ganzen Markt widerspiegelt, nehmen es die Kunden zähneknirschend hin", so Kucznierz. Gleichzeitig werden die Lieferzeiten immer länger. Gerade Holz von sehr guter Qualität ist immer schwieriger zu bekommen.

Auch Bauholz wird immer teurer

Holz wird auch als Baustoff immer beliebter. In Hamburg entsteht gerade ein Holz-Hochhaus. In München wird eine ganze Muster-Siedlung in Holzbauweise fertiggestellt. Und in Berlin-Tegel wird die weltgrößte Holzhaus-Siedlung geplant, mit 5.000 Wohnungen.

So ist der Preis für Fichten-Stamm-Holz ab Wald zwar um 40 Prozent gesunken, der für Fichten-Schnitt-Holz ab Sägewerk hat aber nicht nachgezogen. Für Bauholz wird sogar ein Anstieg von 15 Prozent geschätzt.

Auf einem Grundstück liegen viele gestapelte Holzstämme.
So voll war das Lager bei Mercers noch nie. | Bild: MDR

Borkenkäfer wird für Waldbesitzer zur Existenzfrage

Bei den Waldbesitzern, die mit dem Borkenkäfer zu kämpfen haben, kommt der Geldsegen vom Holz-Boom nicht an. Sie müssen ihr Holz zu Schleuderpreisen abgeben. Und der Borkenkäfer ist zäh. Weder Gifte noch Fallen können ihn stoppen. Damit wird das morsche Holz zunehmend auch noch zur Gefahr.

In Dresden betritt Forstbezirksleiter Markus Biernath manche Abschnitte im Sachsenforst nur noch mit Helm: "Diese Gefahr wird in den nächsten ein bis fünf Jahren deutlich ansteigen, indem die Bäume weiter braunfaul werden und dann sehr schnell und urplötzlich zusammenbrechen können. Sie sehen hinten schon erste Ansätze, dass Bäume schon umfallen", sagt Biernath.

Ein Mann steht mit Helm in einem Wald.
Markus Biernath ist Forstbezirksleiter im Sachsenforst. Die Schäden durch den Borkenkäfer sind enorm. | Bild: MDR

Ein Umbau der Wälder könnte ein Ausweg aus dem Dilemma sein. Die Fichte, der Brotbaum der Deutschen, könnte durch klimawandel-resistente Laubhölzer ersetzt werden. Das wäre aber ein teures und langwieriges Vorhaben, das einen Zeitrahmen von 80 bis 100 Jahren beanspruchen könnte, so Biernath. Doch das Holz, das wegen des Borkenkäfers jetzt vorzeitig geschlagen wurde, wird in den nächsten Jahrzehnten auf dem Markt fehlen. Für die Holzpreise lässt das nichts Gutes erahnen.

AutorInnen: Deborah Zocher, Johannes Beese, Matthias Weidner
Bearbeitung: Carmen Brehme

Stand: 25.03.2021 10:40 Uhr

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