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Amerika hat gewählt – was die US-Wahl für die Wirtschaft bedeutet

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Was die US-Wahl für die Wirtschaft bedeutet | Video verfügbar bis 04.11.2021 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

• Donald Trump hat auf immer mehr Produkte aus Deutschland Strafzölle verhängt.
• Viele betroffene Unternehmen hoffen auf eine Änderung.
• Sollte Joe Biden die US-Wahl gewinnen, wird auch er den heimischen Markt stützen.
• Außenhandelsexperte Josef Braml erklärt, auch die Uneinigkeit in der EU-Politik erhöhe den wirtschaftlichen Druck, den die USA so ausüben kann.

Die USA sind der wichtigste Markt für deutsche Waren weltweit. In den letzten drei Jahren haben die Exporte deutscher Unternehmen in die Vereinigten Staaten um sechs Prozent zugenommen. Und das, obwohl Donald Trump auf immer mehr Produkte "Made in Germany" Strafzölle verhängt hat – um die amerikanische Wirtschaft zu schützen, wie er sagt.

Umsatzeinbrüche durch Strafzölle bei Süßwaren

Die deutsche Süßwarenbranche etwa hat in den USA im zurückliegenden Jahr 30 Prozent ihres Umsatzes verloren. Donald Trump hatte allein 2019 Strafzölle auf EU-Waren im Volumen von 7,5 Milliarden Dollar erhoben. Davon betroffen waren auch deutsche Weine, Marmeladen und Kekse.

Keine Hoffnung auf Änderung bei Trump-Gewinn

Ein Mann steht in einem Raum.
Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker ist sich sicher: "Wenn Trump gewinnt, wird sich nicht viel ändern."  | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Auch die Süßwarengruppe Lambertz aus Aachen schaut gespannt auf den Wahlausgang, der sich noch Wochen hinziehen kann. Doch Hoffnung auf eine Verbesserung der Handelsbeziehungen hat Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker nicht: "Wenn Trump gewinnt, wird sich nicht viel ändern. Ich gehe davon aus, dass wir uns weiterhin sehr schwer tun werden mit Handelsvereinbarungen mit Amerika". Für ihn ist klar, "dass die Amerikaner kein Interesse haben, dass wir so viel nach Amerika liefern." Jeder Container, der nach Amerika gehe, müsse mit 25 Prozent verzollt werden. Das verteure die Produkte. "Es wird sehr schwer, das dem amerikanischen Verbraucher zu vermitteln", sagt Bühlbecker.

Hoffnungen liegen auf Joe Biden

Verschiedene Sorten Kekse
Die deutsche Süßwarenbranche hat in den USA im zurückliegenden Jahr 30 Prozent ihres Umsatzes verloren.  | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Viele Unternehmen, die mit Strafzöllen zu kämpfen haben, wünschen sich einen Wahlsieg von Joe Biden. Mit ihm als Präsident, so die Hoffnung, würden die Zölle, die Donald Trump erhoben hat, um eigene wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, wieder ein Stück abgebaut werden.

Josef Braml von der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" dämpft diese Erwartungen: "Amerika hat damit angefangen, seine Wirtschaft als Waffe einzusetzen. Freihandel ist nicht mehr das Ziel." Wer auf den amerikanischen Markt oder über den Dollar abrechnen wolle, müsse sich den wirtschaftlichen Bedingungen der USA unterwerfen.

Biden ist gesprächsbereit

Ein Mann gibt ein Interview.
Gabriel Felbermayr, der Präsident des Institutes für Weltwirtschaft, erklärt, Amerika werde weiter versuchen, aus wirtschaftlichen Abhängigkeiten Kapital zu schlagen. | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Auch Joe Biden ist kein Befürworter des Freihandels, sondern will ebenfalls die heimische Industrie stärken. Doch nicht um jeden Preis, weiß Gabriel Felbermayr, der Präsident des Institutes für Weltwirtschaft: "Biden  möchte auch die 'Buy-American-Politik' schärfen. Er wird auch auf die Außenhandelsdefizite der USA blicken. Aber mit ihm kann man diskutieren, kooperieren. Man kann nach Lösungen suchen."

Experte: USA schlägt weiter aus Abhängigkeiten Kapital

Dass es einen Neustart für die transatlantischen Beziehungen geben wird, bezweifelt Josef Braml. "Amerika hat massive soziale, wirtschaftliche und vor allem Schuldenprobleme, die auf andere abgewälzt werden – und das sind Alliierte, die wirtschaftlich und vor allem militärisch von den USA abhängen. Und Amerika wird versuchen, aus dieser Abhängigkeit Kapital zu schlagen", erklärt der Experte der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik".

Auch Deutschland wird weiterhin abhängig von den USA sein. Bezogen auf die Exporte bleiben die Vereinigten Staaten der wichtigste Handelspartner der Bundesrepublik. Produkte "Made in Germany" sind nach wie vor beliebt bei den Amerikanern. Im vergangenen Jahr erzielte Deutschland den größten Handelsüberschuss mit den USA.

Wirtschaftliche Verschränkungen seit Jahrzehnten

Sich von den USA unabhängig zu machen, sei sehr schwer, betont Felbermayr. Die Wirtschaftsbeziehungen seien über Jahrzehnte geprägt worden. "Wir haben massive Verschränkungen im Forschungsbereich, bei den Universitäten und im Dienstleistungssektor", erklärt Felbermayer. Daraus sei unweigerlich ein gemeinsamer Markt erwachsen, der sich nur schwer wieder trennen ließe.  

Experte sieht Fehler auch in EU-Politik

Ein Mann gibt ein Interview.
Josef Braml von der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" sieht auch die EU-Politik gefordert, um die Wirtschaftsbeziehung von Deutschland zu den USA zu verbessern. | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Deutschland ist wirtschaftlich nicht nur abhängig von den USA, sondern auch von China und Russland. Beide Länder tragen auch massive Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten aus. Langfristig sei das ein großes Problem für Europa und Deutschland, egal, wer die USA künftig regieren wird, beurteilt Josef Braml die Lage.

Amerika werde auch weiter Druck auf Europa ausüben, sagt der Experte für Außenpolitik. Druck käme auch weiterhin aus China und Russland. "Und wenn die Europäer nicht endlich zu einer Mehrheitsentscheidung finden, die sie entscheidungs- und handlungsfähig macht, werden unsere Unternehmen zum Kollateralschaden dieser größeren geoökonomischen Rivalität zwischen den USA und China, die sich nach den Wahlen umso schärfer zuspitzen wird", prognostiziert er.

Autorin: Nadine Scheer
Bearbeitung: Carmen Brehme

Stand: 05.11.2020 10:09 Uhr

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