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Passat-Produktion: Kommt das neue VW-Werk in der Türkei?

PlayDas Verwaltungshochhaus des VW-Werks in Wolfsburg
Passat-Produktion: Kommt das neue VW-Werk in der Türkei? | Bild: picture alliance/dpa / Sina Schuldt

Es schien schon alles in trockenen Tüchern: Der Plan, ein neues VW-Werk in Manisa in der Türkei zu bauen. Doch dann gab der türkische Staatspräsident den Einmarschbefehl. Erdoğans Angriff am 9. Oktober 2019 auf die Kurdenmiliz in Nordsyrien schockierte Deutschland und auch die Spitze des Automobilkonzerns Volkswagen. Kurze Zeit später hieß es von dort, man wolle kein Werk neben einem Schlachtfeld. Zumindest vorerst. Die Enttäuschung in Ankara und vor allem in der etwa 50 Kilometer von der Hafenstadt Izmir entfernt gelegenen Stadt Manisa war groß. Bürgermeister und Politiker der Erdoğanpartei AKP haben sich monatelang auf die VW-Investition vorbereitet.

Murat Baybatur, Abgeordneter der AKP
Murat Baybatur, Abgeordneter der AKP | Bild: BR

Ein vier Millionen Quadratmeter großes Areal stehe bereit, sagt Murat Baybatur, Abgeordneter des türkischen Parlaments und Erdoğans Mann vor Ort. "Ich war Zeuge davon, wie unser Staatspräsident Erdoğan das alles gemacht hat. Wir wissen, dass er mit der VW-Spitze gesprochen hat. Unser Staatspräsident, will dass das Projekt in der Türkei realisiert wird. Er hat alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und Förderungen inklusive Steuererleichterungen für VW auf den Weg gebracht", schwärmt Baybatur von dem Projekt und Erdoğans Engagement.

Der türkischen Seite fehlt offenbar völlig das Verständnis dafür, dass die VW-Spitze die eigentlich bereits gefällte Entscheidung für den Standort Manisa noch einmal verschoben hat. Politiker aber auch Manager der türkischen Autoindustrie plädieren allesamt dafür, Politik und Wirtschaft zu trennen.

Das Land Niedersachsen hält große Anteile an VW

Doch vor allem dem VW-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen und SPD-Mann, dürfte es derzeit schwerfallen, seiner Klientel eine Entscheidung für den Standort Türkei zu erklären. Das Land Niedersachsen hält große Anteile am Konzern. Wenige Tage nach Beginn des Einmarschs türkischer Truppen in Nordsyrien erklärt Stephan Weil öffentlich, er könne sich persönlich nicht vorstellen, dass unter diesen Bedingungen Volkswagen in der Türkei derzeit eine Milliardeninvestition durchführen würde.

Angriff auf die Kurdenmiliz in Nordsyrien
Angriff auf die Kurdenmiliz in Nordsyrien | Bild: BR

In Hannover beobachtet man genau, wie sich die Erdoğanregierung in diesen Tagen in Sachen Menschenrechte verhält. Immer noch sind drei deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert. Kommenden Freitag will die Bundeskanzlerin in Istanbul den türkischen Staatspräsidenten treffen. Dabei könnte es auch um die VW-Investition gehen.

Vielleicht gibt Erdoğan dem niedersächsischen Ministerpräsidenten einen Grund seine Vorbehalte noch einmal zu überdenken. Bei einer Sitzung des VW-Aufsichtsrat Ende Februar soll erneut über das Thema gesprochen werden.

Bericht: Oliver Meyer-Rüth

Stand: 23.01.2020 07:46 Uhr

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