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Überschätzte Städte – was Arbeiten und Leben auf dem Land attraktiv macht

PlayEine Kölner Initiative protestiert gegen den "Mietenwahnsinn".
Überschätzte Städte – was Arbeiten und Leben auf dem Land attraktiv macht | Video verfügbar bis 09.10.2020 | Bild: WDR

Inhalt in Kürze:
- Wohnungsnot in der Stadt könnte durch gezielte Wirtschaftsförderung auf dem Land gemildert werden.
- Konkurrenz der Städte um Jobs und Gewerbesteuer führt zu starker Konzentration
- Leben und Arbeiten auf dem Land bietet viele Vorteile – vor allem auf dem Wohnungssektor

Die Wohnungsmärkte in den Städten stehen unter einem enormen Druck. Das liegt auch daran, dass die großen Kommunen im gegenseitigen Wettbewerb alles dransetzen, immer mehr Firmen zu sich zu holen. Das bringt Gewerbesteuer und Jobs – aber auch Pendlerprobleme und eine extreme Landflucht, was das Ausbluten der ländlichen Regionen bedeutet.

Neue Unternehmen bringen Jobs und Einnahmen

Beispiel Köln. Immer, wenn sich eine neue Firma in Köln ansiedelt oder ein neues Bürogebäude gebaut wird, bedeutet das mehr Einnahmen für die Stadt und einen Zugewinn an Jobs.

Im Jobranking der deutschen Großstädte liegt die Domstadt mittlerweile auf Platz 6. Eine Erfolgsgeschichte mit Folgen. Immer weniger bezahlbarer Wohnraum, immer mehr Firmenansiedlungen. Das Problem ist längst im Rathaus bekannt. "Wir haben im Moment eine große Flächenkonkurrenz, weil die verschiedensten Nutzungen miteinander in Konkurrenz stehen und die Flächen sind knapp", sagt Michael Josipovic Geschäftsführer der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH.

Auch in Köln ist der Wohnungsmarkt angespannt.
Auch in Köln ist der Wohnungsmarkt angespannt. | Bild: WDR

"Stopp" für Unternehmensansiedlungen in Städten ist schwer durchsetzbar

Doch was wäre, wenn man Großstädten einen Stopp für noch mehr Jobs und noch mehr Wachstum vorschreiben würde? Schwierig, meint NRW- Heimatministerin Ina Scharrenbach: "Wir haben grundgesetzlich garantiert die Kommunale Selbstverwaltung. Und deswegen entscheiden die jeweiligen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die Räte darüber, wie sich die eigenen Stadt entwickelt, in welche Zukunft sie geht."

Unterschiedliche Lebensverhältnisse

"Ich finde es nicht gut, dass sich die Lebenschancen vor allem in den Metropolen ballen", sagt Alexander Porschke, Ex-Umweltsenator in Hamburg. Er fordert zum Umdenken auf: "Wir haben ja in Deutschland eigentlich auch den verfassungsmäßigen Auftrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in unserem Land Politik zu entwickeln."

Wenn das Bildungs- und Arbeitsangebot stimmt, kann ein Wegzug aus der Großstadt eine gute Wahl sein.
Wenn das Bildungs- und Arbeitsangebot stimmt, kann ein Wegzug aus der Großstadt eine gute Wahl sein. | Bild: WDR

Lingen an der Ems wird zum "Bayern des Nordens"

Wie das gehen kann, zeigt Lingen an der Ems in Niedersachsen. "Gerade in den letzten Jahren sind 3.000 neue Einwohner dazugekommen", freut sich Oberbürgermeister Dieter Krone. "Wir erleben hier, dass wir eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit haben, aktuell 2,4 Prozent. Und manchmal sagen sie auch schon, wir sind das Bayern des Nordens hier."

Hochschule bringt junge Menschen in die Stadt

Ein Grund dafür ist der Campus Lingen, eine Dependance der Hochschule Osnabrück. Der Campus lockt junge Menschen in die Stadt. Zum Beispiel Lotte Peters aus Köln. Die Vorteile der kleinen Hochschule bringt sie auf den Punkt: "Es ist schon in Riesenunterschied, ob man in einem Riesensaal sitzt mit gefühlt 1000 Menschen und hier sind es 80 Menschen, wo man wirklich jeden Einzelnen kennt."

Der Campus Lingen, eine Dependance der Hochschule Osnabrück.
Der Campus Lingen, ein Standort der Hochschule Osnabrück. | Bild: WDR

Platzmangel kennt man in Lingen nicht. Dafür entspannte Studenten. Für Lotte Peters ein Glücksgriff: "Ich war immer der Meinung, zurück nach Köln zu gehen, aber seit 1,5 Jahren sage ich, wenn was Gutes kommt, würde ich doch hier bleiben."

Standortvorteil bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern

Ganz in der Nähe von Lingen hat die "Rosen Group" ihren Sitz. Menschen aus 25 Nationen arbeiten hier für das Unternehmen. Selbstverständlicher Teil der Firmenkultur: Eine bilinguale Schule mit Kita auf dem Firmengelände. Damit lockt man Familien in die Provinz. Wie die Geographin Maria und ihren Mann Jochen. Sie haben früher in Bonn gewohnt und gearbeitet – allerdings immer nur in befristeten Jobs.

Dann kam der Umzug nach Lingen – und jetzt arbeitet sie schon seit zehn Jahren unbefristet und die Kinder gehen in die firmeneigenen Einrichtungen. Und noch etwas hat sie überzeugt. "Für den Preis, den wir in der Bonner Altstadt für eine 60 Quadratmeter große Wohnung zahlen mussten, konnten wir uns hier eine Doppelhaushälfte als Mietshaus leisten."

Autoren: Philine und Udo Eling
Bearbeiter: Peter Schneider

Stand: 09.10.2019 22:45 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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