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Stromverbrauch: Warum sich das Sparen nicht mehr lohnt

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Stromverbrauch: Warum sich das Sparen nicht mehr lohnt | Video verfügbar bis 07.03.2019 | Bild: dpa

– Bei den Netzentgelten, die meist ungefähr ein Viertel des Strompreises von Haushalten ausmachen, ist eine Tendenz sichtbar: Die fixen Grundpreise sind in den letzten Jahren wesentlich stärker gestiegen, als die verbrauchsabhängigen Arbeitspreise.
– Die Folge: Geringverbraucher werden dadurch stärker belastet.
– Als Grund nennen die Netzbetreiber: Die erhöhte Photovoltaiknutzung soll so ausgeglichen werden.
– Experten kritisieren, dass das Entstehen der Strompreise äußerst intransparent ist.
– Eine Umverteilung der Kosten zulasten der Geringverbraucher sehen viele Experten sehr kritisch und fordern ein Eingreifen der Politik.

Stromsparen lohnt sich derzeit nicht. Woran liegt das?
Stromsparen lohnt sich derzeit nicht. Woran liegt das? | Bild: dpa



Die Netzentgelte sind ein wesentlicher Teil der Stromkosten. Sie machen bei den meisten Haushalten etwa ein Viertel des Strompreises aus. Die Strom-Netzbetreiber stellen die Netzentgelte den Stromversorgern in Rechnung. Die arbeiten diese Netzentgelte dann ihrerseits in die Stromtarife für die Verbraucher ein. Viele Netzbetreiber erhöhten in den vergangenen Jahren ihre fixen Grundpreise pro Anschluss deutlich stärker als die verbrauchsabhängigen Arbeitspreise.

Steigende Grundpreise bei den Netzentgelten

Geringverbraucher zahlen in Deutschland deutlich mehr als Großabnehmer.
Geringverbraucher zahlen in Deutschland deutlich mehr als Großabnehmer.  | Bild: Das Erste

Diese Entwicklung bei Netzentgelten lässt sich in ganz Deutschland beobachten: Der Preis, der abhängig vom Verbrauch verlangt wird, der sogenannte Arbeitspreis, stieg seit 2012 bis heute um 8 Prozent an, der fixe Grundpreis samt sogenannter Messkosten dagegen im selben Zeitraum um sage und schreibe 66 Prozent. Das macht sich letztlich in den Strompreisen bemerkbar. Bei diesen ist laut Bundesnetzagentur die Spreizung bereits enorm. 2017 zahlten Geringverbraucher (1000 kWh/Jahr) im Grundversorgungstarif durchschnittlich 45,5 Cent/kWh; Haushaltskunden mit wesentlich höherer Abnahmemenge (zwischen 2500 und 5000 kWh/Jahr) zahlten dagegen nur 30,9 Cent/kWh.

Geringverbraucher werden belastet

Ist eine Energiesparlampe sinnvoll?
Geringverbraucher haben durch sparsames Verhalten nur geringen Einfluss auf die Stromkosten.  | Bild: Das Erste

Das Ergebnis ist paradox: Wer wenig Strom verbraucht, wird umgelegt auf die verbrauchte Kilowattstunde – stärker belastet, als der, der viel in Anspruch nimmt. Da lohnt es sich für Geringverbraucher kaum noch, Strom zu sparen. Vielverbraucher werden dagegen bevorzugt.

Netzbetreiber nennen als Grund für ihre Preispolitik: Viele Verbraucher, vor allem im ländlichen Raum, machen selbst Strom, etwa mit einer Photovoltaikanlage. Sie nehmen folglich wenig Strom ab, brauchen aber trotzdem einen Stromanschluss. Den sollen sie dann über den Grundpreis zahlen. Netzbetreiber in Großstädten hätten dieses Problem weniger.

Regionale Unterschiede

Tatsächlich haben nicht alle Netzbetreiber die Fixkosten erhöht. Regional zeigen sich bei den Netzentgelten große Unterschiede. Manche Anbieter verlangen sogar überhaupt keinen Grundpreis, sondern legen ihre Kosten entsprechend auf den Verbrauch um.

Intransparente Preisbildung

Die Netzbetreiber haben in ihrer jeweiligen Region ein Monopol. Deshalb müssen sie ihre Erlöse von der staatlichen Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Aber ob die Entgelte eher als Fixpreis oder verbrauchsabhängig erhoben werden, da sind sie relativ frei.

Wie die Strompreise zustande kommen, bleibt intransparent.
Wie die Strompreise zustande kommen, bleibt intransparent.  | Bild: Das Erste

Der Ökostrom-Versorger LichtBlick bietet seinen Kunden einen einheitlichen Tarif für ganz Deutschland. Er leitet seinen Strom durch die Netze der jeweiligen Netzbetreiber, muss dafür also die verschieden hohen Netzentgelte ausgleichen. Das ärgert die Manager. Deshalb wollen sie wissen, wie diese Preise jeweils zustande kommen.

Angaben geschwärzt

Ralph Kampwirth von LichtBlick schildert seine Erfahrungen: "Wir haben die Möglichkeit, Netzentgelte überprüfen zu lassen, weil wir ja unseren Strom an unsere Kunden durch die Netze liefern müssen, und die Bundesnetzagentur schickt uns dann auch tatsächlich die Bescheide, nur alle wesentlichen Angaben sind geschwärzt, sodass wir überhaupt nicht nachvollziehen können, ob die Netzentgelte zu hoch sind, oder angemessen.

Ralph Kampwirt LichtBlick SE
Ralph Kampwirt von LichtBlick SE. | Bild: Das Erste

Die Bundesnetzagentur argumentiert, sie müsse die Seiten schwärzen um die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Netzbetreiber zu schützen.

Die Politik ist gefordert

Die Denkfabrik Agora Energiewende in Berlin sucht im Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen realistische Wege zur Energiewende. Ihre Experten sehen in den steigenden Grundpreisen bei den Netzentgelten eine problematische Umverteilung zu Lasten von Haushalten mit geringem Stromverbrauch – seien sie sparsam oder arm. Sie fordern, auch Geringverbraucher müssen einen Anreiz zum Stromsparen haben und kritisieren, dass die Netzentgelte so undurchsichtig zustande kommen.

Patrick Graichen von Agora Energiewende.
Patrick Graichen von Agora Energiewende. | Bild: Das Erste

Patrick Graichen von Agora Energiewende erläutert: "Die Politik hält sich aus diesem Thema raus, was dazu führt, dass die Netzbetreiber machen können, was sie wollen. Und deswegen gibt es manche Netzbetreiber, die haben einen sehr hohen Grundpreis, andere, wie jetzt Stuttgart, ist nach wie vor bei einem Grundpreis von Null. Und so verteilt sich das über die Republik, und das kann eigentlich nicht im Sinne der Energiewende sein, hier brauchen wir ein klares Konzept."

(Bericht: Katharina Adami/Josef Streule)
(Stand: Anfang März 2018

Stand: 08.03.2018 12:52 Uhr

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