SENDETERMIN So, 17.02.19 | 23:35 Uhr | Das Erste

Livemusik: David Hebenstreit

PlayDavid Hebenstreit

Klassenkampf (Gibt es den noch?) in der Großraumdisco (Gibt es die noch?). Mit anderen Worten: "druckfrisch"-Musiker des Monats Februar 2019 werden die beiden alternden Jungs von den "Pet Shop Boys", die mit ihrer EP "Agenda" ein agitatorisches Meisterwerk hingelegt haben. "What Are We Going To Do About The Rich?" ist einerseits pure Propaganda und andererseits nichts als wahr. Die anderen Songs auf der EP handeln von Trump, der Flüchtlingskrise und den sozialen Medien. Wer hätte gedacht, dass Zeilen wie "They say democracy is simply very bad for business" einmal zum wie immer genial simplen Rhythmus der Herren Lowe & Tennant erklingen würden, die schätzungsweise 100 Millionen Tonträger verkauft haben. Ein agitatorisches Meisterwerk!

Am anderen Ende der Bekanntheitsskala befindet sich David Hebenstreit, der Wiener Multiinstrumentalist, der sich Sir Tralala nennt und der der an schrulligen Typen reichen Wiener Szene entstammt. Der studierte Harmonielehrer, Orchesterspieler, "Soap & Skin"-Begleiter und Filmmusikkomponist hat mit "Echt Gute Böse Lieder" endlich eine eigene CD vorgelegt. Zur "druckfrisch"-Session kam und fuhr er extra mit dem Nachtzug an und hatte sein morbid depressives Liebeslied "Zombie" im Gepäck. Später werden Sie sagen können, Sie haben ihn zuerst bei "druckfrisch" gesehen.

Die Sendung beginnt mit dem ältesten Song der Ausgabe: Mit "Talking Heads" 1979er Cover des Al Green 1974er Hits "Take Me To The River".  David Byrne und Produzent Brian Eno adaptierten das Stück so furios, dass das fremde Werk zu einem der Signature-Songs der Band wurde.

"Kraftwerk" gehört – gemessen an ihrer musikhistorischen Bedeutung – eher zu den seltenen Gästen auf der "druckfrisch"-Playlist. Ebenso selten kommt es vor, dass der Inhalt eines Liedes auf das Thema des folgenden Gespräches Bezug nimmt (§157a der "druckfrisch-Bibel" lautet: "Keine semantische Musik verwenden."). Aber Regeln sind dazu da, bei Bedarf zum Zwecke der Schönheit gebrochen zu werden. Wir verwenden deshalb die a-Moll Komposition "Radioactivity" in der englischen 1975er Version, die die Band 1991 überarbeitete und in die sie – um einem Missverständnis bei der Rezeption vorzubeugen – vor dem titelgebenden Wort "Radioactivity" ein eindeutiges "Stop" einfügte.

Fehlt noch das vielleicht schönste Stück der 151. Sendung: Manu Chaos Hymne an ein leichtes Mädchen "Me Llaman Calle", das, seitdem wir es auf unserer Festplatte wiederentdeckt haben, im Schneideraum in Endlosschleife lief und uns mit der entsetzten Frage konfrontierte: Wieso hat Manu Chao in den vergangenen 12 Jahren seit Erscheinen dieses Songs keine neue Platte veröffentlicht. Wir bräuchten sie gerade dringender denn je… und siehe da: Wir entdeckten, dass der Künstler seine neuen Lieder auf seiner Internetseite einfach für jeden zum kostenlosen Download bereitstellt. Das ist ja wie in der ARD-Mediathek, wo sie auch diese schöne "druckfrisch"-Sendung die nächsten Jahre stets kostenlos ansehen und -hören können.

Die Musik vom 17.02.2019
SongInterpret
Take me to the RiverTalking Heads
RadioactivityKraftwerk
ZombieSir Tralala
Me Llaman CalleManu Chao
What Are We Going To Do About The Rich?Pet Shop Boys

Stand: 17.02.2019 23:35 Uhr

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So, 17.02.19 | 23:35 Uhr
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Produktion

Norddeutscher Rundfunk
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