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Amos Oz: "Judas"

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Amos Oz: "Judas" | Video verfügbar bis 12.04.2020 | Bild: BR

Wenn man hierzulande jemanden einen Judas nennt, ist das eine grobe Beleidigung. Judas, das ist der Lügner und Verräter, der, der Jesus Christus ans Kreuz geliefert hat. Der große Amos Oz hat nun einen Roman über genau diese Figur geschrieben. Judas, das heißt auf hebräisch Yehuda. Und Oz sagt:

»Mein Vater hieß Yehuda Aryeh. Mein Sohn Daniel Yehuda Aryeh ist nach ihm benannt. Yehuda ist ein häufiger, alltäglicher Name, er ist positiv konnotiert; aber wenn du jemanden in anderen Sprachen Judas nennst, kannst du ihm auch ins Gesicht spucken. Im christlichen Sprachgebrauch ist Judas der Inbegriff für Verrat und Demütigung, der Ausbund von Judentum, Falschheit und Unterwürfigkeit.«

Das hat Amos Oz beschäftigt. Aber er will natürlich nicht die Bibel umschreiben. Oz erzählt eine Geschichte von heute, die trotzdem weit in die Vergangenheit reicht. Es ist die Geschichte von Schmuel Asch, einem jungen Mann von 25 Jahren, der in Jerusalem lebt, gerade seine Magisterarbeit über ‚Jesus in den Augen der Juden‘ abgebrochen hat und auf eine etwas seltsame Stellenanzeige antwortet.

Oz ist in seiner Erzählweise wuchtig und gerade

»Manchmal geht das Leben nur langsam voran, es plätschert vor sich hin wie Wasser, das aus einer Regenrinne tropft und sich eine schmale Furche in den Garten gräbt. Dieses Rinnsal bleibt an jedem Erdklumpen hängen, wird gebremst, bildet eine kleine Pfütze, zögert, fräst sich durch den Erdklumpen, der ihm den Weg versperrt, oder gräbt sich unter ihm hindurch.«

»Wegen der Hindernisse verteilt sich das Wasser und fließt in drei oder vier Rinnsalen weiter. Oder es gibt auf und versickert im Garten. Schmuel Asch, dessen Eltern auf einen Schlag ihre Ersparnisse verloren hatten, dessen Forschungen aufgehört hatten, dessen Universitätsstudium zu Ende war, dessen Freundin ihn verlassen hatte, um ihren früheren Freund zu heiraten, beschloss also, die angebotene Arbeit anzunehmen…«

Das Buchcover von "Judas"
Amos Oz: "Judas"

So erzählt Oz. Ruhig, wuchtig, gerade. Und genau so kann er auch über die großen Themen reden, über Jesus von Nazareth, über dessen Jünger Judas und die Frage, ob einer, der sich nach Jesus Tod erhängt, überhaupt ein Verräter sein kann, und über Israel, über die Frage, ob es einen gemeinsamen Staat für Juden und Palästinenser geben könnte oder ob diese Option schon 1948 durch Ben Gurion und die israelische Unabhängigkeitserklärung vergeben worden ist.

Roman über alle Höhen und Tiefen des Lebens

Eine große politische Erzählung also, ein Nachdenken über Religion, über Moral, über Verantwortung und Verrat, und doch auch eine Liebesgeschichte voller Geheimnis und Licht: Ein Roman somit, der alle Höhen und Tiefen menschlichen Lebens und Glaubens und Liebens auslotet.

Stand: 13.04.2015 09:07 Uhr

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