SENDETERMIN So, 28.10.18 | 23:50 Uhr

Denis Scheck empfiehlt David Foster Wallace: "Der Spaß an der Sache"

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Vor bald 20 Jahren entdeckte ich einen ganz außergewöhnlichen US-amerikanischen Autor, der sich das Oxford English Dictionary einverleibt zu haben schien und in seiner unersättlichen Sprachlust immer noch nicht genug hatte.

Radikale Gegenwärtigkeit, Beobachtungsschärfe und Witz zeichneten diesen Schriftsteller aus, der David Foster Wallace hieß und dessen erstes Buch mit Erzählungen auf Deutsch ich 2001 herausgab. Damals überlegte ich mir, ob man nicht auch einige der spektakulären Essays von David Foster Wallace in den Band aufnehmen sollte, denn seine nichtfiktionalen Texte waren für diesen Autor mindestens ebenso wichtig wie seine Prosa. "Wofür lohnt es sich zu sterben?" wollte Wallace etwa in einem Text mit der Überschrift "Ich frag ja bloß" wissen. "Gehört das Projekt Amerika dazu?" und ergänzte in einer Fußnote bei dem Wort Amerika: "tun wir jetzt mal so, als wäre uns allen klar, was der Begriff konnotiert – offene Gesellschaft, Zustimmung der Regierten (…), Pluralismus, rechtsstaatliche Verfahren, Transparenz … die ganze chaotische demokratische Chose." Augenöffnende, oft hinreißend witzige Fußnoten waren denn auch das Kennzeichen der inzwischen legendären Essays wie "Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich" oder "Am Beispiel des Hummers", die ich einige Zeit später veröffntlichte.

Ein wegweisender Autor

Cover von David Foster Wallaces Buch "Der Spaß an der Sache"
Cover von David Foster Wallaces Buch "Der Spaß an der Sache" | Bild: Kiepenheuer & Witsch

Inzwischen ist das Werk des 2008 von eigener Hand aus dem Leben geschiedenen David Foster Wallace breit rezipiert, sein Roman "Unendlicher Spaß" wurde hierzulande zum Kultbuch, und die meisten Literaturkritiker stimmen mit mir überein, dass das Werk von David Foster Wallace ein einziges großes Hinweisschild am Beginn der Literatur des 21. Jahrhunderts ist, auf dem in Riesenlettern steht: "HIER GEHT’S LANG!"

"Der Spaß an der Sache" versammelt nun auf über 1000 Seiten die mit enormem stilistischen Furor verfassten nichtfiktionalen Texte von Davod Foster Wallace. Ob Landwirtschaftsausstellung, Kreuzfahrt oder Pornomesse: nichts war vor David Foster Wallace Röntgenblick und seiner unbestechlichen moralischen Sensibilität sicher, mit denen er den American Way of Life gnadenlos sezierte. Dieser Sammelband seiner Essays und Reportagen ist eine Art Gebrauchsanweisung für das Leben in der Gegenwart. Also vertrauen Sie mir und lesen Sie "Der Spaß an der Sache" von David Foster Wallace, deutsch von Markus Ingendaay und Ulrich Blumenbach, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.

Stand: 22.11.2018 16:16 Uhr

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