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Klaus Modick

Klaus Modick: "Konzert ohne Dichter"

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Denis Scheck empfiehlt Klaus Modick | Video verfügbar bis 08.02.2020 | Bild: HR

Wie weit trägt die Formel: "Ich bin Künstler, ich darf das!"?

Das fragt das Buch, das ich Ihnen heute als allererstes vorstellen möchte: Klaus Modicks "Konzert ohne Dichter". Im Mittelpunkt verhandelt dieser Künstlerroman die Frage, inwieweit die Produktion von Kunst moralische Defizite im Alltagsleben rechtfertigt, entschuldigt, ja womöglich sogar ausgleicht. Dieser Roman will also wissen:  Um welchen Preis darf Kunst entstehen? Und woraus resultiert ihre Relevanz? Wahrlich aktuelle Fragen, darf man mit Blick auf den Terror von Paris sagen.

Buchcover "Konzert ohne Dichter"
Buchcover "Konzert ohne Dichter" | Bild: Kiepenheuer & Witsch

Klaus Modick hat sich auf seine ganz unspektakuläre Art längst als einer der großen Erzähler der Bundesrepublik erwiesen. Mit "Konzert ohne Dichter" ist ihm nun aber sein Meisterstück gelungen. In diesem geistsprühenden Buch verhandelt er Fragen von Kunst und Ethik, Schöpfertum und Verantwortung. Sein Handlungspersonal: Paula Modersohn und Clara Westhoff, "die Malweiber", wie der chauvinistische Kunstbetrieb der Zeit sie nannte, vor allem aber das Universalgenie Heinrich Vogeler, prägende Kraft des Jugendstils, und Rainer Maria Rilke, wortgewaltiger Dichter mit Adelstick, dessen Ambition zum Aufstieg gleichermaßen ausgeprägt ist wie seine Bereitschaft, alles, wirklich alles seinem Werk unterzuordnen – inklusive seiner Frau und seiner Tochter Ruth, die er bei den Schwiegereltern parkt und gerade mal zu Weihnachten besucht, wenn nichts Wichtigeres ansteht.

Rainer Maria Rilke weiß: "König wird man aus Einsamkeit".  Heinrich Vogeler ist dagegen der Darling des Kunstbetriebs der Jahrhundertwende, der Erfolg fliegt ihm zu und macht ihn reich – und doch ahnt Vogeler, dass seine Kunst Talmi ist. "Das alles", schreibt Modick, "flieht vor der Gegenwart und ihren Konflikten, und gerade deshalb hat es Erfolg, liefert Trost- und Schönheitspflästerchen gegenüber einer Zeit, deren Industrielärm, Tempo und Rhythmus im Maschinentakt man nicht mehr folgen kann."

Das niedersächsische Worpswerde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Schauplatz von Vogeleres und Rilkes Zusammentreffen, der Künstlerort wird zur Bühne ihrer Freundschaft und zum Richtplatz ihrer Auseinandersetzung. Dieser Roman lässt seine Leser ungeschaute Bilder sehen, unerhörte Musik hören, ja er öffnet seinen Lesern die Augen und Ohren für die Wahrheiten von Kunst und Leben selbst. Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Klaus Modicks Roman "Konzert ohne Dichter", erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.

Stand: 09.04.2015 14:28 Uhr

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