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Heinz Strunk: "Der goldene Handschuh"

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Heinz Strunk: Der goldene Handschuh | Video verfügbar bis 03.04.2021 | Bild: BR

Alkohol, Sex und Verbrechen: Heinz Strunk erzählt in seinem Roman "Der goldene Handschuh" die Geschichte des Frauenmörders Fritz Honka. Diesen gab es wirklich. Der Autor hat genauestens recherchiert und so ist ein äußerst realistisches und verstörendes Buch entstanden.

Eine wahre Geschichte

Dies ist nun wirklich kein lustiges Buch. Es ist die Geschichte eines Frauenmörders, eines geprügelten, alkoholkranken, verwahrlosten Mannes, der seine Nächte in einer Hamburger Säuferkneipe zubringt, in Gesellschaft von Luden, Kleinkriminellen und Gelegenheitsprostituierten, und der in den Winkeln einer stinkenden Wohnung die Reste seiner Opfer aufbewahrt. Es ist die Geschichte von Fritz Honka. Und diese Geschichte ist wahr. Fritz Honka gab es wirklich, er brachte Anfang der 70er-Jahre in Hamburg-Altona vier Frauen um. Heinz Strunk hat sein trauriges Leben aufgeschrieben.

Heinz Strunk: "Der goldene Handschuh"
Heinz Strunk: "Der goldene Handschuh" | Bild: Das Erste/Rowohlt

"Die Frau, die reinkommt, zittert vor Kälte und ist ziemlich klein. Wie dreckiger Rasierschaum ergießt sich graues, dünnes Haar über die Rückseite ihres eulenartigen Schädels. Die Kopfhaut ist an mehreren Stellen kahl. Sie steht da wie abgeschaltet, den Blick ins Leere gerichtet, vereist und ausdruckslos. Sie könnte fünfzig sein oder siebzig. Wie Soldaten-Norbert hat sie auch diesen eigentümlichen Gesichtsausdruck der Kriegsgeneration: uralt. Ein unbestimmbares, vorsintflutliches Alter. (…) Man vermag sich schon nicht mehr vorzustellen, wie die früher mal ausgesehen hat, als Frau." (aus dem Roman)

Realistisch und verstörend

Heinz Strunk hat Honkas Leben gründlich recherchiert, hat bisher unter Verschluss befindliche Prozessakten eingesehen, im "Goldenen Handschuh", Honkas Lieblingskneipe, die es immer noch gibt, mit den Pennern Fako gesoffen (Fanta mit Korn). Deshalb ist sein Buch so bestürzend realistisch. Strunk zeichnet Honka, den Täter, und seine Opfer, die Frauen, illusionslos genau, als vergessene Gespenster der Bundesrepublik, die am Rand des Todes durch schimmlige Kammern torkeln. Das so großartige wie wirklich verstörende an diesem Buch aber ist, dass wir beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl nicht los werden, das alles hätte doch auch etwas mit uns und unserem Leben heute zu tun.

Heinz Strunk, 1962 in Hamburg geboren, heißt eigentlich Mathias Halfpape und wurde zuerst als Musiker und Schauspieler bekannt. 2004 erlangte er mit dem Titel "Fleisch ist mein Gemüse" auch als Autor große Resonanz. "Der goldene Handschuh" ist im Rowohlt Verlag erschienen.

Stand: 04.04.2016 08:42 Uhr

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