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Ulrich Peltzer: "Das bessere Leben"

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Ulrich Peltzer: Das bessere Leben | Video verfügbar bis 28.11.2020 | Bild: BR

In "Das bessere Leben", erschienen im S.Fischer Verlag, schreibt Ulrich Peltzer über eine Zukunft, die schon vorbei ist – vom Ende des Kapitalismus. Konkret hält er uns das Leben von Jochen Brockmann, einem frustrierten Sales Manager, vor Augen.

Allein die Wertschöpfung zählt

Geld regiert die Welt, das haben wir gelernt. Aber wie geht das eigentlich genau? Wenn nicht einmal Wallstreet-Banker mehr durchschauen, mit welchen obskuren Derivaten sie gerade ihre Milliardenpleiten hinlegen? Und wenn man nicht mehr Teil einer Familie, einer Stadt, einer Gesellschaft ist, sondern nur noch einer Wertschöpfungskette? Wie lebt man also in solch völlig fremdbestimmten Verhältnissen?

Ganz einfach: Wir müssen uns das Leben von Jochen Brockmann ansehen. Der Mann haust in wechselnden Hotels, hatte mal Ideale und ist jetzt ein ziemlich frustrierter Sales Manager, was nichts anderes heißt, als dass sein Leben sich ausschließlich in finanziellen Einheiten bemisst.

Aus dem Roman:

»… tipp meinen Namen in die Suchmaske und es erscheint die Anschrift einer Aktiengesellschaft, das war es schon. Geschieden, Freundinnen, immer noch Kinogänger, dreieinhalb Sprachen, in den letzten Monaten häufig merkwürdig zerstreut, sich mit Ideen herumschlagend, die an einem Stuhl sägen, auf dem sie selber sitzen wollen (was ein Widerspruch ist, an dem sie scheitern werden, Gesindel), Mann ohne Hobbys, Garten, Ferienhaus, aber, nicht zu bestreiten, Sammler … was eine Schwäche wäre, wenn man es darauf anlegte. Leben im Schnelldurchlauf, so wahr, so falsch wie die Summe aller Einzelheiten, die man auflisten könnte, Episoden in alphabetischer Reihenfolge. H wie Hochzeit, B wie Beförderung.«

Ulrich Peltzer – Das bessere Leben
Ulrich Peltzer – Das bessere Leben | Bild: S. Fischer Verlag

Nüchtern und reduziert

Es ist die ernüchternd akribische, komplett desillusionierte Beschreibung des Lebens in der modernen westlichen Welt, die Ulrich Peltzer vornimmt. Die Akteure sind auf ihre Tätigkeiten, ihre jeweils aktuellen Funktionen reduziert.

Wozu Emotionen?

Emotionen haben da allenfalls als Erinnerung ihre Berechtigung, oder als Zahlungsmittel. Die Sprache dafür: Unruhig, kreisend, brüchig, vorläufig, tastend. Die verblüffende Stärke dieses Romans ist aber, trotz der düsteren Analyse unserer Gegenwart ein romantisches Gefühl zu erzeugen, eine Ahnung davon, wie das Leben einmal war, wie es sein könnte – oder wie es eigentlich sein sollte.

Über den Autor:

Ulrich Peltzer, geboren 1956 in Krefeld, studierte Philosophie und Psychologie. Seine Romane wurden u.a. mit dem Berliner Literaturpreis und dem Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet.

Stand: 30.11.2015 09:06 Uhr

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Mo., 30.11.15 | 00:20 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
Westdeutscher Rundfunk
Norddeutscher Rundfunk
Hessischer Rundfunk
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