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"Not Your Muse"

Soulsängerin Celeste über große Erwartungen und Selbstbehauptung

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Soulsängerin Celeste über Selbstbestimmung und Erwartungen | Video verfügbar bis 05.03.2022 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Arbeitsalltag einer der gefragtesten neuen Stimmen Großbritanniens: Wir treffen Celeste Epiphany Waite bei Dreharbeiten für ein Video in London. Mehr Bühne geht in diesen Tagen nicht. Nicht mal für die neue Heldin des Soul.

Mehr Bühne geht gerade nicht
Mehr Bühne geht gerade nicht | Bild: ttt

Gerade ist ihr gefeiertes Debüt erschienen. Der Durchbruch. Im Lockdown. Ist das nicht ein Jammer? Celeste nimmt es gelassen: "Ach, die ganze Welt befindet sich doch in einer Art Schwebezustand. Ich versuche einfach Freude an dem zu haben, was ich gerade tun kann. Erfolg und Popularität sind sowieso nicht das gewesen, worum es mir dabei ging. Kann schon sein, dass es für den einen oder anderen so wirkt, als wartete ich nur darauf, richtig loszulegen, aber so ist es gar nicht. Ich beschäftige mich und bleibe gelassen. Alles irgendwie in meinem eigenen Tempo."

"Meine Lieder sind wie Landkarten, die mir helfen, mich zurechtzufinden"

Ihr Gesang ist, zurückhaltend gesagt, umwerfend. In Songs wie "Strange" erzählt die 26-Jährige von gescheiterten Beziehungen und Verlustängsten:

Celeste im "ttt"-Interview
Celeste im "ttt"-Interview | Bild: ttt

"Meine Lieder sind für mich wie Landkarten, die mir helfen, mich in meiner Welt und in meinen Beziehungen zu anderen Menschen besser zurechtzufinden", sagt die Sängerin. "Das fing eigentlich schon in der Kindheit an. Erst schrieb ich Tagebuch und später Gedichte. Und als ich dann in das Alter kam, wo ich wirklich ein kreatives Ventil brauchte, hätte es zwar auch was anderes werden können als Musik, aber irgendwie fühlte sich das Singen immer am natürlichsten an.", erzählt sie.

Nahe der Musik-Hochburg Brighton wächst ihr Traum, Sängerin zu werden

Ihre Jugend verbringt sie im Süden Englands. Zwar wird Celeste in Kalifornien geboren, doch ihre Eltern trennen sich und sie zieht mit ihrer Mutter zurück in deren Heimat. Sie landen in Saltdean, einem Fischerdorf in der Nähe der Musiker-Hochburg Brighton.

Am Ende landet sie immer wieder bei Soul und Jazz.
Am Ende landet sie immer wieder bei Soul und Jazz. | Bild: ttt

Inspiriert ist sie da bereits von der Musik, die sie als Kind bei den Ausflügen mit ihrem Großvater hörte:

"Er hatte einen CD-Wechsler in seinem Auto mit den immer gleichen CDs: Nina Simone, Aretha Franklin und Ella Fitzgerald. Und ich kann mich noch genau erinnern, als ich das erste Mal "I Put A Spell On You" von Nina Simone hörte. Ich war wie vom Donner gerührt. Das hat mich wahnsinnig beeinflusst.“

In den Fußstapfen großer afroamerikanischer Sängerinnen

Celeste experimentiert mit Folk, mit elektronischer Musik. Und landet am Ende doch immer wieder beim Soul und Jazz. Stimmgewaltig tritt sie in die Fußstapfen großer afroamerikanischer Sängerinnen.

Celeste
"Es liegt an einem selbst" | Bild: ttt

Und sie merkt, dass deren Erbe und Geschichte nicht nur ein musikalisches sind:

"Früher habe ich meine Haare immer geflochten oder geglättet. Bis ich irgendwann ganz bewusst begann, meinen Afro zu tragen. Ein paar Mütter kamen auf mich zu und sagten. 'Meine Tochter hat auch so Haare wie Du, aber sie traut sich nicht, sie offen zu zeigen. Darf ich ein Foto machen, um ihr zu zeigen, dass Du das einfach so machst?'

"Not Your Muse" oder: "Sei Du selbst"

Sie denkt an ihren ersten Fernsehauftritt und erinnert sich, dass ihre Haare an diesem Tag "irgendwie gebändigt" wirkten. "Es war noch eine Stunde bis zum Auftritt und ich dachte nur: 'Ich muss unbedingt was tun, damit mein Afro zurückkommt. Ich fühlte die Verantwortung zu sagen: 'Hey, es ist auch für euch da draußen okay, euch so zu zeigen, wie ihr wirklich seid'."

"Sei Du selbst" – heißt die Message hinter ihrem ersten Album "Not Your Muse" – "Ich bin nicht eure Muse". Der wunderbaren Sängerin geht es um Selbstbehauptung. Selbstverständlich kennt sie die jubelnden Vergleiche, die von Amy Winehouse über Adele bis Aretha Franklin reichen. "Mit diesen Vergleichen kommt schon ein gewisser Erwartungsdruck, wer man sein soll. Ich denke, es liegt bei einem selbst, all das beiseite zu schieben und den Leuten zu zeigen, was Dich unterscheidet."

Autor: Marcus Fitsch

CD-Tip
Celeste: "Not Your Muse"
Polydor (Universal Music)

Stand: 01.03.2021 09:54 Uhr

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Produktion

Mitteldeutscher Rundfunk
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