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Warten auf den "größten Crash aller Zeiten"

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Warten auf den großen Crash | Video verfügbar bis 08.12.2020 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kein Land der Welt erwirtschaftet so viel Exportüberschuss wie Deutschland. Wir sind Weltspitze bei Innovationen, die Arbeitslosenzahlen sinken. Eigentlich könnte es kaum besser laufen.

Mit düsteren Prognosen hoch im Kurs

Warten auf den größten Crash aller Zeiten
Marc Friedrich und Matthias Weik | Bild: ttt

Doch damit ist es bald vorbei, prognostizieren die beiden schwäbischen Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich in ihrem jüngsten Buch.Das von der Europäischen Zentralbank ständig nachgeschobene Geld sei bald nichts mehr wert, der Euro kurz vor seinem Ende. Dann komme er, der größte Crash aller Zeiten. Friedrich und Weik sind tatsächlich echte YouTube-Stars. Ihre düsteren Prognosen zu politischen Entwicklungen, Zinswachstum und Börsenpreisen stehen hoch im Kurs:

"Unsere Trefferquote ist ziemlich hoch und wir befürchten auch, dass sie in Zukunft weiterhin hoch bleibt, weil sich eben in Politik und Finanzwirtschaft verdammt wenig bis gar nichts ändert und wir sagen's knallhart: Die fahren den Karren mit voller Wucht an die Wand, wir sitzen in der ersten Reihe, müssen zuschauen und bezahlen", erklärt Matthias Weik.

Publikumsandrang
Publikumsandrang | Bild: ttt

Wie Popstars reisen die beiden mit finanzpolitischen Vorträgen und düsteren Prophezeiungen  umjubelt von Bühne zu Bühne und bieten Antworten. Denn die politischen Parteien haben bei den drängenden Fragen der Zukunft seit längerem Sendepause: "Dass unser Buch von Null auf Platz Eins hochgeschnellt ist, in Zeiten, wo eigentlich alles super läuft – wir haben ja keine Krise offiziell – ist schon ein deutlicher Indikator, dass die Menschen verunsichert sind, weil wir diesen historischen Vertrauensverlust erleben – seit 2008", sagt Marc Friedrich.

Die Bankenpleite von 2008 sei nur ein zartes Vorspiel gewesen, die Ursachen seien nie wirklich beseitigt worden. Nun sei der Lack ab – der erneute und richtige Zusammenbruch unvermeidlich – und der werde härter als in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts.

"Nie wieder Zinsen! Das ist der Preis für den Euro"

Kritik an EZB und Euro
Kritik an EZB und Euro | Bild: ttt

Noch wirkt das Szenario beinahe absurd. Doch beide sind gefragte Redner. In Berlin trennen sie sich kurz, der eine geht zu einer TV-Show, der andere in einen Buchladen zur Publikumsbefragung. Wann es wieder aufwärts gehe, wann es wieder Zinsen aufs Sparbuch gebe? "Ganz klar: nie, nie wieder!", verkündet Matthias Weik, "Die Zinsen in der Euro-Zone werden nie wieder steigen, das ist der Preis, den wir für den Euro bezahlen."

Eine Woche später im badischen Pforzheim. Die einstige Goldstadt hat einen schmerzhaften Strukturwandel hinter sich. Noch kann man auf dem Mittelaltermarkt mit Euro bezahlen, auch wenn man das Geld hier, beinahe prophetisch, Taler nennt. Aber auch hier scheint die Inflation ordentlich zugeschlagen zu haben. Die Karten für die Lesung bei der Regionalzeitung sind seit Wochen ausverkauft. Die Menschen fürchten um ihr Erspartes und hoffen auf Antworten. Und die bekommen sie.

"Bürgerkriegsähnliche Zustände durchaus möglich"

Ein Bestseller
Ein Bestseller | Bild: ttt

Marc Friedrich teilt dem Publikum mit: "Es muss erstmal schlimmer werden, bevor es besser wird, das heißt, wir werden eine Rezession sehen, wir werden viele Arbeitslose sehen, wir werden ungemütlichere Zeiten erleben. Wir haben im Buch ja auch davor gewarnt, dass soziale Unruhen oder bürgerkriegsähnliche Zustände durchaus möglich sind. Und die letzten Monate geben uns ja leider Recht. Wenn Sie schauen, weltweit: Noch nie gab es so viele Protestherde in unterschiedlichsten Ländern. Auch in stabilen Demokratien, wie zum Beispiel jetzt in Chile oder in Hongkong, aber wir haben auch den Libanon, wir haben den Iran, wir haben in Holland den Bauernaufstand, in Berlin waren es auch zehntausende Traktoren, weil die Menschen einfach merken, dass dieses System, in dem wir leben, ungerecht ist."

Wie bei vielen Propheten bleibt manches im Dunklen

Jede einzelne Beobachtung der beiden ist durchaus richtig: das Notendrucken der EZB, eklatante Versäumnisse der Politik, internationale Krisenherde. Mit großem Vergnügen werfen sie allerdings alles in einen Topf, rühren um, schlagen drauf und nennen es: das System, das dem Untergang geweiht ist.

Marc Friedrich mahnt zur Eile: "Unserer Ansicht nach war es noch nie wichtiger, sich aktiv um sein Vermögen, um seine Versicherung zu kümmern. Noch ist Zeit, das Zeitfenster wird unserer Ansicht nach nicht größer." Das Geld auf dem Konto würde nicht nur Dank drohender Minus-Zinsen weniger, sondern bei einem Bankcrash möglicherweise ganz und gar einbehalten und das ganz legal. Friedrich und Weik empfehlen eher Investitionen in Sachwerte, in Edelmetalle, Immobilien, die lokale Wirtschaft oder ihren eigenen Fond!

Signierstunde
Signierstunde | Bild: ttt

Dass sie durchaus Einfluss haben, beweist die "kurze, kleine, lustige Nachricht", die Marc Friedrich noch lachend zum Besten gibt: "Als wir in Göttingen waren, vor 1.100 Leuten, da haben wir halt auch erzählt, dass das Geld auf dem Konto nicht den Bürgern gehört, sondern der Bank. Am nächsten Tag waren alle Bankautomaten leer."

Friedrich und Weik spielen gewitzt die Retter in der dräuenden Not, die vor dem Platzen der vielen Blasen warnen. Das Publikum ist dankbar und gibt auch was zurück, ein Zuschauer schenkt ein Blasenpflaster! Grund ihres Erfolgs ist neben einer verständlichen Finanzmarktanalyse sicher auch die populistische Übertreibung. Unter einer kommenden Weltrevolution machen es Friedrich und Weik nicht. Und wie bei allen Propheten bleibt manches im Dunklen:

"Spätestens 2023!"

"Was der Auslöser ist, das weiß niemand, das ist so komplex, wir leben in einer globalisierten Welt, das muss nicht mal in Europa losgehen, das kann auch in China losgehen, wenn das Schattenbank-System zusammenbricht oder wenn der Herr Trump einen neuen Krieg anzettelt, dessen Konsequenzen für Europa vielleicht unvorstellbar groß sind. Also keiner weiß, was da kommt, wir sitzen alle in einem Boot. Wer genau sagt, was der Auslöser ist, hat eine gute Glaskugel.“

Spätestens 2023, wollen sie ausgerechnet haben, gehen überall die Lichter aus. Wahrscheinlich auch für die, die ihr Buch gekauft und gelesen haben. "Der größte Crash aller Zeiten" macht vermutlich keine Ausnahmen.

Autor: Dennis Wagner

Buchtipp
Marc Friedrich / Matthias Weik
Der größte Crash aller Zeiten
Eichborn, 400 Seiten
ISBN: 978-3-8479-0669-8

Stand: 09.12.2019 12:19 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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