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"Home": Franka Potentes erster Spielfilm kommt ins Kino

Eine berührende Mutter-Sohn-Geschichte aus der amerikanischen Provinz

PlaySzene aus 'Home'
"Home" - Franka Potente feiert Regiedebüt | Video verfügbar bis 25.07.2022 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Los Angeles – hier lebt die Schauspielerin und Regisseurin Franka Potente mit ihrer Familie. Wir treffen sie im Griffith Park, Hollywood ist gleich um die Ecke, aber das nur am Rande. Ist Los Angeles für Franka Potente zu ihrem neuen zu Hause geworden, gar zur Heimat? Für die Regisseurin sind Heimat und Zuhause nicht dasselbe, wie sie sagt: "Also mein Zuhause ist jetzt hier. Meine Kinder sind hier geboren. Und ich glaube, Zuhause ist ja auch der Raum, wo man sich sicher fühlt, wo man auch mal scheiße sein kann. Und Heimat hat für mich oft was Nostalgisches. Das meine ich gar nicht negativ. Dort wohnen die Kindheitserinnerungen und solche Sachen, die einen so als Erwachsenen noch prägen. Und das ist natürlich Deutschland."

Ein Zuhause, in dem man nicht willkommen ist

Ein Zuhause haben. Darum geht es auch in ihrem ersten großen Spielfilm "Home", einer amerikanisch-deutschen Produktion. Marvin kommt nach siebzehn Jahren zurück nach Hause, nach Newhall, einer Gegend wie aussortiert vom Leben. Hier hat niemand auf Marvin Hacks gewartet. Hier wartet überhaupt niemand mehr auf etwas.

Die Atmosphäre einer Kleinstadt kennt Franka Potente aus ihrer eigenen Jugend. Sie ist in Dülmen, Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen. Sie selbst habe in ihrer Jugend dort solche Außenseiter "immer auf dem Schirm gehabt": "Marvin Hacks ist ja eigentlich ein totaler Außenseiter. Als ich Jugendliche war, gab's auch den, wir haben ihn nur den Rothaarigen genannt. Das war so ein Typ, der uns Mädchen immer auf dem Fahrrad hinterhergefahren ist. Keine Ahnung warum. Aber wir fanden es total gruselig. Und ich war immer jemand, glaub ich von klein auf, der diese Leute beobachtet hat, der die so auf dem Schirm hatte."

 "Vergebung ist nichts, was nach dem Gefängnis auf ihn wartet"

Franka Potente
Regisseurin Franka Potente | Bild: ttt

Bald wird klar: Auf Marvin wartet Ärger. Er war siebzehn Jahre im Gefängnis, weil er in seiner Heimatstadt einen Mord begangen hat. Jetzt kehrt er in den Ort seiner Tat zurück. "Home" steht für ein Verbrechen, für das Marvin gebüßt hat, aber auch für das Zuhause seiner Jugend und das Zuhause seiner Mutter, die ihm fremd geworden ist und die an Lungenkrebs leidet. Für Franka Potente ist all dies Teil des Vergebungsprozesses: "Der Deal ist ja nicht: Jemand kommt nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis und ist geheilt, alles ist wieder gut und er kann so weitermachen wie vorher. Das ist auch für Marvin nicht so. Vergebung ist nichts, was da auf ihn wartet nach dem Gefängnis."

Gemeinschaftssinn als etwas Brüchiges

Wie viel Platz hat eine Gemeinschaft für einen wie Marvin? Wie viel Anstrengung ist die Gemeinde bereit für Vergebung aufzubringen?  Und welche Chance hat Marvin in einem Milieu, das mit sich selber ringt und wo die Verhältnisse niemanden unbeschadet davonkommen lassen?In "Home" führt uns Franka Potente den "Sense of community", den Gemeinschaftssinn, als etwas sehr Brüchiges vor und dennoch als Möglichkeit. Ausgerechnet dem Rückkehrer M arvin gelingt es, die seelische Bewegungsstarre seiner gespaltenen Hometown zu erschüttern.      

Amerikanische Story, amerikanische Stars, deutsches Filmteam

Für ihre erste lange Regie arbeitete Franka Potente einerseits mit einem deutschen Team, wie Kameramann Frank Griebe, und auf der anderen Seite mit amerikanischen Starschauspielern: Jake McLaughlin als Marvin und als seine Mutter die Oscar-Preisträgerin Kathy Bates: "Sie hat mich sofort die Regisseurin sein lassen", schwärmt Potente, "sie hat mir immer signalisiert: 'Du bist der Boss'. Also total nett. Weil jemand wie sie natürlich auch weiß, dass man sich anfangs ein bisschen ins Hemd macht."

"Home" ist zurückhaltend erzählt, mit dem Gespür für die seelischen Verwerfungen seiner Figuren. Ein rauer und warmherziger Film.

Autorinnen: Sabine Jainski, Melanie Hillmann

"Home", R: Franka Potente, Kinostart: 29. Juli

Stand: 26.07.2021 11:17 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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