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Dokfilm über die wirkliche Zeitenwende: "Into the Ice"

Unter Grönlands Eispanzer entscheidet sich die Zukunft der Welt

PlayTitel Thesen Temperamente: ICE /„Into the Ice" - unter Grönlands Eispanzer entscheidet sich die Zukunft der Welt
"Into the Ice" - unter Grönlands Eispanzer entscheidet sich die Zukunft der Welt | Video verfügbar bis 04.09.2023 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Eis schmilzt, der Meeresspiegel steigt. Dürre und Hitzesommer sind Indikator des globalen Klimawandels, den die Eisschmelze an den Polen entscheidend vorantreibt. Das wissen wir alles.

Die drängendste Frage

Dokfilm-Regisseur Lars Ostenfeld
Dokfilm-Regisseur Lars Ostenfeld | Bild: ttt

Aber wie schnell das passiert, weiß niemand. Obwohl das vielleicht die drängendste Frage ist, auf die wir eine Antwort finden müssen. Computersimulationen, Satellitenbilder klären hier nichts. Man muss rein ins Eis, seinen schmelzenden Kern.

"Into the Ice" nennt der dänische Filmemacher Lars Ostenfeld, bekannt für spektakuläre Wissenschaftsdokus, seine Feldforschung mit der Kamera.

"Into the Ice" zeigt Forschung als sinnliches Abenteuer

Eine kleine Gruppe internationaler Wissenschaftler, Glaziologen nennen sie sich, bereitet sich vor auf eine, wie sich herausstellen wird, lebensgefährliche Mission.

Der Film liefert faszinierende Fakten über das Eis, zugleich wird Forschung hier als hochemotionales, sinnliches Abenteuer inszeniert: Auf den Grund dieser "Gletschermühle" müssen die Glaziologen, um dem Eis sein Geheimnis zu entreißen: Wie schnell geht es mit der Schmelze, was kommt da an Wassermassen auf uns zu?

Im Herzen einer dem Untergang geweihten Schönheit

Dokfilm: "Into the Ice"
Dokfilm: "Into the Ice" | Bild: Rise and Shine Cinema / Lars Henrik Ostenfeld

Was genau die weiter steigenden Temperaturen mit dem arktischen Eis machen, ist eine der entscheidenden Unbekannten des Klimawandels. 180 Meter tief, auf dem Grund dieses Kraters finden die Forscher Beweise für ihre Befürchtungen: Große Eismassen schmelzen unsichtbar im Innern des Schilds. So heißt es im Film: "Unsere Vorhersagen über den Anstieg des Meeresspiegels könnten ganz schön daneben liegen. Das wäre eine totale Katastrophe für alle Küstenregionen der Erde."

Lars Ostenfelds Regiearbeit ist eine Auseinandersetzung mit einer in seiner Tragweite noch immer unterschätzen Thematik.

Kassandra-Komplex: Erkenntnisse der Forschung werden ignoriert

Eigentlich geht es um ein Drama – erzählt von Campino: "Das Eis schmilzt immer schneller. Für die Forscher ist diese Erkenntnis wie eine Last, ich nenne es: die Bürde des Wissens. Der Kassandra-Komplex: Du weißt, die Welt steuert Richtung Katastrophe – und hast gleichzeitig das Gefühl: Niemand hört dir zu. Genau das erleben jetzt die Wissenschaftler."

Campino gibt seine Stimme und fragt: Wo setzen wir Prioritäten?

Campino spricht die deutsche Fassung des Dokfilms "Into the Ice"
Campino hat die deutsche Fassung eingesprochen. | Bild: ttt

Der Frontmann der Toten Hosen kam vor ein paar Tagen auch zur Premiere des Films in Berlin. Nicht jeder Campino-Fan, der hier auf ihn wartet, sieht mit dem Autogramm in der Tasche dann auch den Film. Doch die PR-Strategie dient der Sache des Klimas, am Ende der Rettung der Welt: Das kann man ja auch mal so sehen. "Ich brauchte wirklich überhaupt nicht darüber nachdenken, ob ich da mitmache oder nicht, sondern das war mir klar, dass dieser Film in irgendeiner Weise natürlich auch eine Ohrfeige ist – zum Aufwachen: Und wenn ich mit meinem Namen ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf diesen Film lenken kann, dann tu ich das gern."

Unausgesprochen fragt der Film: Warum steht der Mensch – nicht nur als Politiker – den drohenden Konsequenzen des Klimawandels tatenlos gegenüber? Warum ignorieren wir, was die Wissenschaft uns vorhersagt?

"Weder der Film hat das vor – noch würde ich empfehlen – der Welt entgegen zu rufen: 'Ihr müsst jetzt über Nacht alle Heilige werden.' Ich denke, es ist völlig klar, dass jeder von uns ohne Inkonsequenz überhaupt nicht leben kann. Die Frage ist doch nur: Wo setzen wir Prioritäten? Und ich glaube, dass schon eine immense Wirksamkeit entstehen würde, wenn jeder nur das in seinem Leben ändert, was ihm noch nicht mal weh tut – einfach nur über Bewusstsein?"

Regisseur Ostenfeld: Auf die Forscher hören und sich den Fakten stellen

Campino und Regisseur Lars Ostenfeld bei der Premiere in Berlin
Campino und Regisseur Lars Ostenfeld bei der Premiere in Berlin | Bild: ttt

Der Film mit seinen melancholischen Impressionen des zerbrechenden, sich auflösenden Eisschilds zeigt eine verloren gehende Welt – unsere Welt. In scheinbar auswegloser Situation könnten wir uns wenigstens den Fakten stellen, erklärt der Regisseur Jan H. Ostenfeld: "Am dringlichsten ist es jetzt, dass wir den Forschern endlich zuhören. Wir müssen hören, was sie uns sagen: Das ist die Botschaft dieses Films. Und ich hoffe, dass wir das in unser Herz kriegen – und etwas tun."

Denn: "Die Temperatur und der Meeresspiegel werden noch zu Lebzeiten unserer Kinder immer schneller ansteigen, bis die Welt möglicherweise nicht mehr wieder zu erkennen ist. Was einst als Weltuntergangs-Szenario, als Science-Fiction erschien, wird Realität."

Autor: Andreas Lueg

Stand: 05.09.2022 15:05 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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