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Jeff Goldblum: Zweite Karriere als Jazz-Pianist

PlayJeff Goldblum sitzt an einem Klavier und spielt während eines Konzertes.
Zweites Album von Jeff Goldblum erscheint | Video verfügbar bis 10.11.2020 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gibt Tage, die sind so trüb, da kann einem kaum etwas die miese Stimmung nehmen. In Kingston, am Rande Londons, ist gerade so ein Tag. Doch keine Angst, Rettung naht: Jeff Goldblum und das Mildred Snitzer Orchestra. Am Piano sitzt einer, der doch eigentlich auf die große Leinwand gehört, und spielt einen Klassiker von Herbie Hancock.

"Musik war für mich schon immer wahnsinnig aufregend aus mir unerklärlichen, mysteriösen Gründen", sagt Goldblum. "Für meine Ohren sind die komplizierten Harmonien echte Leckerbissen. Und ein paar der Jungs, die da mit mir auf der Bühne sind, finden ganz neue Wege, mit ihrer Musik eine Geschichte zu erzählen." Ihm gefalle es auch sehr zu improvisieren, meint der Schauspieler. "Ich liebe die Spontaneität. Und Jazz gibt mir die Möglichkeit dazu!"

Jazz-Standards neu interpretiert

Jeff Goldblum
Mit seiner Platte | Bild: ttt

Das neue Video zum Album entstand in Frank Sinatras altem Anwesen. Goldblum selbst wirkt, als sei er völlig aus der Zeit gefallen. Mit seiner Band interpretiert der Schauspieler Jazz-Standards neu, verjazzt alte Evergreens. Und er tut es mit so viel Leichtigkeit und Verve, dass man nicht anders kann, als mitgerissen zu werden. "So lange ich denken kann, gibt es dieses Verlangen in mir, mich mit Menschen zu verbinden", erklärt Goldblum. Das habe ihm den Impuls für die Schauspielerei gegeben.

Aber mit der Musik sei es anders, sagt er: "Ich bin nie strategisch vorgegangen, hatte keine Vision, habe auch nie davon geträumt, als Musiker groß rauszukommen. Ich liebe es einfach zu spielen."

Früher Klavierunterricht, aber leider wenig Disziplin

Jeff Goldblum
Am Klavier | Bild: ttt

Die Liebe zur Musik begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Goldblum wächst in Pittsburgh auf – als eines von vier Geschwistern. Zuhause gibt es Musikunterricht, Jeff landet hinterm Klavier. "Damals hatte ich allerdings die Freuden der Disziplin noch nicht für mich entdeckt, übte so gut wie nie und fürchtete mich irgendwann vor dem Lehrer. Ich war mies und er war unglücklich", erzählt Goldblum.

"Bis er mir eines Tages ein Stück mitbrachte, das irgendwie anders war, jazzy. 'Alley Cat' hieß es. Ich dachte: 'Oh Mann, das ist toll! Egal, wie lange es dauert, ich bleib' hier sitzen und spiele, bis ich's draufhab’."

Musiker will er trotzdem nicht werden. Goldblum träumt von einer anderen Bühne. Seine Rollen, wie die in Steven Spielbergs "Jurassic Park", bescheren ihm eine treue Gefolgschaft. Bis heute.

"Ein beflügelndes Gefühl"

Goldblum spielt auf dem Glastonbury, einem der größten Musikfestivals der Welt. Das Durchschnittsalter seines Publikums ist beeindruckend niedrig, dafür dass die Songs manchmal älter als 70 Jahre sind. Kommen die Leute wegen der Musik oder wegen des Hollywood-Stars?  "Klar, viele kommen sicher auch, weil sie meine Filme gesehen haben", glaubt Goldblum. "Aber so hören sie auch diese Songs durch uns das erste Mal. Das ist eine große Verantwortung, aber vor allem ein beflügelndes Gefühl. Denn es ist wunderbare Musik und die vorstellen zu können, ist toll."

Jeff Goldblum
Selfie mit einem Fan | Bild: ttt

Zurück in Kingston, ein paar Stunden vor dem Auftritt. Dem örtlichen Plattenladen steht hoher Besuch ins Haus. Goldblum sagt allen Hallo. Er liebt solche Momente. Die Interaktion mit seinen Fans, das Umarmen gebe ihm einen Kick, sagt er. Selten erlebt man einen Hollywoodstar so unmittelbar und offen. Bevor 2018 sein erstes Album erschien, spielte er bereits 20 Jahre jeden Mittwoch in einem Jazzclub in L.A. Er weiß, mit seinem Publikum umzugehen.

Unterstützung von Miley Cyrus

Für sein neues Album hat sich Goldblum prominente Unterstützer gesucht. Dem Jazz sonst fremde Sängerinnen wie Anna Calvi oder Miley Cyrus helfen dabei, den Klassikern neues Leben einzuhauchen.  "All diese Songs wurden bereits so virtuos von den Männern und Frauen gespielt, aus deren Feder sie stammen", sagt Goldblum. "Da müssen wir doch etwas beisteuern, das anders ist und alles noch etwas weiterspinnt. Ich denke schon, dass so etwas Neues entstehen kann, das einfallsreich ist, frisch und kraftvoll."

Jeff Goldblum ist nicht nur ein Schauspieler, der ein Album aufgenommen hat. Er liebt den Jazz. Das hört man. So alt die Songs auch sein mögen, so unverbraucht klingen sie bei ihm.

Autor: Marcus Fitsch

CD-Tipp
Jeff Goldblum & The Mildred Snitzer Orchestra
"I Shouldn’t Be Telling You This"
Universal

Stand: 11.11.2019 17:46 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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