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Johny Pitts erhält Leipziger Buchpreis für "Afropäisch"

PlayJohny Pitts im Skype-Interview
Johny Pitts - Preisträger für "Europäische Verständigung" | Video verfügbar bis 30.05.2022 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie zufällig den Weg kreuzende Passanten stehen Johny Pitts Fotografien in der Leipziger Innenstadt. Dokumente einer Erkundung, einer Reise von Paris nach Lissabon und bis nach Moskau. Einer Bekanntschaft mit "seinem" Europa und einer Begegnung mit schwarzen Europäern.

"Meine Haut hatte mein Europäisch-sein verborgen", schreibt Pitts. Europäisch sei immer noch ein Synonym für "weiß". Im englischen Sheffield geboren, repräsentieren Johny Pitts und sein Buch "Afropäisch" jetzt im besten und höchst aktuellem Sinne den Leipziger Buchpreis, der sich der Europäischen Verständigung verschrieben hat.

Siham El-Mamouni: Johny, willkommen bei "ttt" und herzlichen Glückwunsch zu diesem herausragenden Preis.

Johny Pitts im ttt-Interview
Johny Pitts im ttt-Interview | Bild: ttt

Johny Pitts: Vielen Dank! Es ist großartig, dass meine Arbeit so wertgeschätzt wird, gerade in diesem besonderen Augenblick, in dem sich Deutschland mit seiner kolonialen Vergangenheit auseinanderzusetzen scheint.

Dies ist ein eindrucksvoller Moment und ich bin froh, das mitzuerleben.  

Lassen Sie uns über Ihr Buch sprechen. Dieses Buch veränderte Ihr Leben. Aber wie hat es auch Ihre Sicht auf sich selbst verändert, das Verständnis Ihrer eigenen Identität?

Johny Pitts: Ich denke, mehr als je zuvor, kann ich jetzt in den Spiegel schauen und verstehe: Auch so sieht ein Europäer aus. Am Anfang des Buches beschreibe ich meine Beziehung zu Europa als Hassliebe. Ich wollte Teil eines Europas sein, das mich an den Rand drängte, das mich in seiner Geschichte nicht vorkommen ließ.

Doch indem ich dieses Buch schrieb und dafür zum Beispiel nach Russland reiste und mehr über Alexander Puschkin erfuhr, über seine afrikanischen Wurzeln oder auch über Alexandre Dumas oder all die Soldaten aus den damaligen Kolonien, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben und über die Jahrhunderte währende Gegenwart schwarzer Communities in Europa; das war für mich eine Bestärkung.

Ich fühle mich heute mehr denn je als Europäer – gerade wegen meiner Reise, auf die mich dieses Buch "Afropäisch" geführt hat.    

Sie fühlen sich heute also "afropäischer" denn je?

Johny Pitts: Ja, absolut. Ich benutze die Bezeichnung "afropäisch" als einen Zugang zu einer Erfahrung, die, so empfinde ich es, in der Geschichte vieler europäischer Nationen ausgeklammert wurde. Aber ich laufe nicht umher und erzähle überall, ich sei "afropäisch".

Johny Pitts erhält Leipziger Buchpreis via Livestream
Johny Pitts erhält Leipziger Buchpreis via Livestream | Bild: ttt

Ich benutze diese Beschreibung, um zu zeigen, dass die Vorstellung, was ein Europäer sei, komplexer ist. Dass es sogar auch schwer sein kann zu sagen, was es bedeutet, schwarz und afrikanisch zu sein. Denn es gibt so viele Menschen in Europa, die sagen würden, wir beide, Sie und ich, wir sind weder Europäer noch Afrikaner. Es gibt auch etwas dazwischen. Und ich wollte auch diese Identität als Realität anerkennen. Und tatsächlich, der Ausdruck "afropäisch" wurde bestätigt durch meine Reise.

Am Ende von alledem sah ich so viel "schwarzes Bewusstsein", so viele schwarze Communities. Und es war großartig, sie mit meinem Buch im kulturellen Gedächtnis Europas zu verankern.

Johny, herzlichen Dank und Ihnen alles Gute!

Vielen Dank.

Stand: 31.05.2021 12:57 Uhr

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Mitteldeutscher Rundfunk
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