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Neues Abum von The Who

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Neues Album von "The Who" | Video verfügbar bis 08.12.2020 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das neue Album von The Who, das erste seit 13 Jahren, ist voller Selbstironie. Und wie aus einem Guss. Obwohl sich die beiden Herren im Studio aus dem Weg gegangen sind. Roger Daltrey stellt klar: "Wir sind eine Rockband. Wir sind keine Rock’n’Roll-Band. Rock’n’Roll ist Musik zum Vögeln. Unsere Musik ist zum Fighten." Wie die Hymne der Jugend von 1965 "My Generation". Lieber sterben als alt werden, so der Slogan gewordene Text.

Weg von der Straße, raus aus dem Trauma: "Tommy"

Roger Daltrey auf der Bühne
Roger Daltrey in jungen Jahren | Bild: IMAGO

Im Stadtteil Acton, im Westen Londons, lernen sich die Bandmitglieder an der Schule kennen. Täglich Selbstbehauptungen und Schlägereien. Roger Daltrey erinnert sich: "Ich hatte Glück, weil mich die Musik von dem Ärger auf der Straße wegbrachte. Viele meiner Freunde gerieten in krumme Dinger. Viele haben Banken überfallen. Sie haben teuer dafür bezahlt. Die meisten sind heute tot."

Optisch: eine Beatkapelle wie viele. Musikalisch aber von Beginn an außergewöhnlich: Hübsche Melodien versinken in wütenden Gitarren.

Die meisten Songs schreibt Pete Townshend, ein genialer Junge mit traumatischer Vergangenheit: "Ich hatte Visionen, als ich Kind war. Die ersten vier Jahre meines Lebens waren wunderbar. Meine Mutter und mein Vater spielten in einer Band. Aber als ich in die Vorschule kam, musste ich bei meiner Großmutter bleiben, weil meine Mutter immer noch als Sängerin arbeitete. Und das war schrecklich. Ich wurde nicht direkt missbraucht, aber ich sah furchtbare sexuelle Aktivitäten. Meine Großmutter war psychisch krank. Und sie war umgeben von sehr seltsamen Männern. Ich musste nach Hause gebracht werden. Ich war zwei Jahre lang bei ihr. Als ich wieder nach Hause kam, war ich beschädigt." Die Erlebnisse verarbeitet Townshend in der Rockoper "Tommy".

Spektakuläre Spieltechnik: Windmühlen und zerstörte Gitarren

Als Gitarrist entwickelt er eine spektakuläre Spieltechnik, genannt die Windmühle.

"Es war 1963, als wir mit den Rolling Stones spielten. Als Keith Richards auf die Bühne kam, zog er den Vorhang zur Seite. Er machte so, um seinen Arm zu strecken. Ich sah das und dachte: 'Das ist cool!' Als ich dann auf die Bühne ging, fing ich damit an. Unser Publikum waren Mods, viele Jungs. Ich sah, dass einige von ihnen genauso tanzten. Sie ahmten mich nach. Und ich hatte Keith nachgeahmt. Als wir also wieder mit den Stones spielten, zwei Wochen später, sagte ich zu Keith Richards: 'Ich weiß nicht, ob du das gesehen hast, aber ich habe deine Windmühle gemacht.' – Und er: 'Was?' – Und ich sagte: 'Die Windmühle!' – 'Ach, verpiss dich.' (…) Heute kann ich ein Stadion mit 80.000 Menschen zum Durchdrehen bringen. Ich muss nur die Windmühle machen. Nicht schwer."

The Who ist wieder da!
Pete Townshend im ttt-Gespräch | Bild: ttt

Und Townshend zerstört seine Instrumente. Die Idee war ihm nach einem Vortrag über autodestruktive Kunst gekommen. 1964 ging ihm zunächst unabsichtlich eine Gitarre kaputt. Dann wurde es Methode. "Eines Tages hatten wir einen Auftritt und da schien mir, dass das Instrument, das ich spiele, eine Waffe ist, ein Werkzeug, dass es bourgeois ist. Ich hatte sehr viel Geld für diese Rickenbacker gezahlt und jeder hat mich gefragt: 'Wie viel viel hast du dafür gezahlt?' Es war etwas zum Angeben. (…) Und dann hab' ich sie geknallt."  

Roger Daltrey konnte es damals nicht fassen: "Als ich sah, wie die erste Rickenbacker in Teile zerbarst, dachte ich mir: 'Was hätte ich gegeben für diese Gitarre!'" (Lachen) "Ich stand da mit offenem Mund. Und heulte."

Pete Townshend erklärt: "Ich habe die Gitarre nicht als Musikinstrument benutzt, sondern als Werkzeug, um die Zerstörung der Welt widerzuspiegeln." So kam es, dass er keine Gitarre hatte, die ihn ein Leben lang begleitete: "Ich hatte tausende Gitarren. Tausende! Ich habe wohl so 2.000 Gitarren zerstört. Meine Kollegen in der Band sagten: 'Das ist nur Spielerei.' Das war nie Spielerei für mich. Ich meinte das sehr ernst."

Immer noch eine Wahnsinns-Liveband

Kaum zu glauben, dass sich die beiden Herren angeblich seit Jahren nur auf der Bühne treffen und sich sonst aus dem Weg gehen. Denn sie sind immer noch eine Wahnsinns-Liveband.

Roger Daltrey und Pete Townshend
Auf der Bühne, 2010 | Bild: IMAGO / ZUMA Press

Pete Townshend beschreibt das The Who-Gefühl: "Es ist wie Jazz und Blues. Es entsteht im Moment. Wir waren eine Maschine, die in enger Taktung stampfte. Nur einer stand immer verloren herum: Roger, der das gleiche tun musste wie Robert Plant bei Led Zeppelin …"

Als Townshend neulich ein Dutzend Songs fertig hatte, schickte er sie Daltrey. Der konnte wenig damit anfangen, spintisierte sich aber rein. "Ich ruiniere alles", lacht Daltrey. Townshend würde es so beschreiben: "Sein Vorgehen ist das eines Method Actors. 'Oh, ich muss in den Song reinkommen..." Und ich haue es einfach raus!"

Starkes Album

Ihr neues Album "Who" ist gelungen. Politische Texte. Präzises Songwriting. Viril musiziert. Daltrey singt immer noch kraftvoll. Und Townshend macht Gitarren fertig, ohne sie zu zerhauen. Die beiden sind eine großartige Seilschaft. "Who" wäre ein starkes letztes Album. Aber eigentlich haben wir gerade jetzt Lust auf noch mehr.

Autor: Andreas Krieger

CD-Tipp
The Who: Who
Polydor, 2019

Stand: 09.12.2019 11:43 Uhr

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So., 08.12.19 | 23:05 Uhr
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Produktion

Mitteldeutscher Rundfunk
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DasErste