SENDETERMIN So., 20.11.22 | 23:05 Uhr | Das Erste

"Healing"

Kunstwerke, die die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen wollen

PlayAusstellung "Healing" im Frankfurter Weltkulturen Museum
Healing | Video verfügbar bis 20.11.2023 | Bild: HR

Plastikmüll aus einem Naturschutzgebiet an der Küste von Mexico. Alejandro Duran betreibt Spurensicherung, an einem Ort, der UNESCO Weltkulturerbe ist und offensichtlich auf ein krankes Ökosystem hinweist: "Ich habe Müll aus 60 verschiedenen Ländern archiviert, aus Kanada, China, aus Jamaika." Auch Teile aus Deutschland sind dabei. "Diese beiden Teile wurden in Deutschland hergestellt. Das hier kommt aus einer Stadt, die nur 20 Minuten von Frankfurt entfernt ist, Bad Homburg. Es hat also eine Rundreise gemacht und ist zurück gekommen an seinen Geburtsort."

Unser Müll: Er kam übers Meer nach Mexico, wie einst europäische Kolonialisten. Und für Alejandro Durán ist der Konsum des Westens auch Kolonialismus. Unsere Wohlstandsabfälle okkupieren den ganzen Planeten. "Da war dieser Moment des Erwachens: Wie klein die Erde ist. Du wirfst etwas an einem Ort der Welt weg, und es landet an einem anderen Ort der Welt. Offensichtlich sind wir alle verbunden. Wir alle sind eins."

Für ein Leben im Gleichgewicht

Nur zusammen kann es uns gelingen, das Ökosystem der Erde zu heilen. Für ein Leben im Gleichgewicht.

Healing heißt die Ausstellung im Weltkulturen Museum Frankfurt. Künstler suchen Antworten darauf, wie wir im globalen Miteinander den Krisen unserer Zeit begegnen können. Etwa der Abholzung des Regenwaldes.   

Wir sehen uns immer als getrennt von "der Natur". Die brasilianische Künstlerin Roberta Carvalho vereint die Ureinwohner mit dem Regenwald. "Diese Menschen sind es, die den Wald am Leben erhalten. Sie sind die wahren Wächter des Waldes." Carvalhos Arbeiten sind eine Wertschätzung der Indigenen und ihrer pflegenden Beziehung zum Wald. Aber nicht sie müssen jetzt agieren, sondern wir, wir müssen unsere Einstellung ändern.

"Ich glaube, diese Krise ist das Ergebnis eines fehlenden Respekts und unserer mangelnden Verbundenheit zu dem, was wir eigentlich sind: Natur", sagt Carvalhos.

Ayahuasca als heilige Pflanze

Die Shipibo aus Peru zum Beispiel glauben daran, dass Bäume heilende Kräfte und eine Seele besitzen. Wenn ein Baum brennt, ist es, als würde ein Mensch getötet. "Wenn wir im Dschungel sind, haben Bäume und Pflanzen einen großen Wert", sagt Harry Pineod. "Denn da es gibt keine Apotheken, keine chemischen Produkte, keine Technologie, die eine Wunde heilen können. Deswegen schützen wir unseren Lebensraum, weil er für uns Leben bedeutet."

Eine dieser Pflanzen ist Ayahuasca. Bei den Shipibo wird sie nur für schamanische Rituale eingesetzt. Eine Pflanze, auf die man sich vorbereiten muss. "Wir nehmen Ayahuasca und damit heilen wir uns selbst. andere nennen es eine Droge. Aber für uns ist es keine Droge, kein Halluzinogen. Ayahuasca ist etwas Heiliges."

Doch was passiert, wenn Menschen aus dem Westen Ayahuasca einnehmen? Marina Abramović, die schon immer Grenzbereiche des Körpers auslotete, wagte den Versuch. "Sie wollte nicht, dass ich filme", sagt Marco Del Fiol. "Ich sagte okay. Denn sie hatte viel zu viel Ayahuasca genommen. Ich war wirklich besorgt um sie. Ich dachte, dass sie und ihr Fotograf sterben. Aber der Schamane sagte: So läuft das ab. Mach dir keine Sorgen. Da war ich sauer und dachte mir:  Ist mir egal, jetzt filme ich das auch."

Del Fiol begleitete Marina Abramović auf ihrer Suche nach spiritueller Inspiration durch Brasilien. Sein Film und eine Installation von Abramović sind in der Ausstellung zu sehen. 

Yoga: Gleichgewicht für Körper, Seele und Geist

Um persönliche Heilung geht es auch beim Yoga: Körper, Seele und Geist im Gleichgewicht.

Star-Fotograf Michael O´Neill hat Yoga eine Hommage-Serie gewidmet. Er ist inzwischen selbst ein Yogi. "Du bist verändert, verwandelt. Du ruhst in dir", sagt O´Neill.

Diese Ruhe hat er von den großen Meistern gelernt. Lernen müssen. Nach einer missglückten Operation war sein Arm gelähmt, die Karriere vor dem Aus. Yoga habe ihn geheilt und zu einem anderen Menschen gemacht. "Ich war früher wütend, ziemlich aggressiv und fordernd. Ich habe 50 Jahre lang ein Fotostudio geleitet, war dort der Boss. Heute lasse ich los."

Heilung bedeutet auch, Fehler der Geschichte anerkennen

Das Lederhemd des Urgroßvaters von Chief Duane Hollow Horn Bear ist nur noch als Hologramm im Museum zu sehen. Es wurde jahrelang gesucht. Eines Tages führte ihn seine Suche ins hessische Museum. Er konnte belegen, dass es das Hemd ist und bekam es zurück.

"Als würde ich seine Hand halten", sagt Chief Duane Hollow Horn Bear, während er das Oringalhemd betrachtet. "Ich halte seine Hand. Großvater komm nach Hause!"

Repatriierung nach 113 Jahren – auch so kann Heilung aussehen.


Beitrag: Agata Pietrzik

Weltkulturen Museum Frankfurt: "Healing – Leben im Gleichgewicht"
Bis 3. September 2023

Stand: 20.11.2022 23:05 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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