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Queerness im Metal

Wie das harte Musikgenre diverser wurde

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Queerness im Metal | Video verfügbar bis 20.11.2023 | Bild: Polyvinyl Record Co. 2021

Der norwegische Black Metal Sänger Gaahl. Sein Outing brachte Schlagzeilen. Es solle nicht zu wichtig genommen werden, sagt er. "Niemand denkt von sich, er sei anders. Der Rest der Welt ist vielleicht anders", so Gaahl. "Ich denke nicht, dass Sexualität wichtig ist. Sie beherrscht die Welt nicht. Auch wenn die Leute das denken. Für mich sicher nicht."

In Metal-Songs ging es oft um Hetero-Sex und männliche Überlegenheit. Nicht bei Faith No More. Keyboarder Roddy Bottum schrieb einen Song über schwule Blowjobs. Und das Video zu "Easy" feierte 1992 queere Selbstverständlichkeit. "Bei uns sang der Sänger halt in einen Song darüber Sperma zu schlucken. Und die Leute so: Oh, die Band ist anders." "Be aggressive", es gerade raus singen, offensiv, provokativ. Roddy Botton hat sich zwei Jahre nach diesem Song geoutet.

Outing und Abgrenzung

Die Galerie von Gaahl. In der Altstadt von Bergen. Gaahl, ist auch als Maler und Kunsthändler tätig und eine respektierte Persönlichkeit der Stadt. Das war früher anders, er galt als bösester Black Metal Sänger, war vor Jahren zweimal im Gefängnis, weil er Menschen – ausgehend von Notwehr – gefoltert hat.

Roddy Bottum outete sich ganz bewusst als Faith No More mit Guns N’ Roses auf Welttournee waren. Eine Reaktion auf deren frauenfeindliches Verhalten auf und hinter der Bühne. "Es drehte sich nur um Frauen und Sex. Es war wie eine Rückkehr in die 70er Jahre und es ging um nichts anderes", sagt Bottum. "Es hatte diesen üblen Geschmack und war sicherlich nicht das, um was es bei Faith No More ging."

Im Guns N’ Roses Song "One in a million" beleidigt Axl Rose People of Color und Homosexuelle. Bis heute ist das Lied verfügbar, gilt als Fan-Klassiker. "Es war also, wenn man an Guns N Roses dachte, für mich genau der richtige Moment, um in einem Interview zu sagen, dass ich schwul bin. So konnten wir uns absetzen von solchen Bands wie Guns N’ Roses", erklärt Roddy Bottum.

Schwulen-Ikone Rob Halford von Judas Priest outete sich fünf Jahre nach Roddy Bottum: 1998. "Die meisten wissen doch, dass ich immer schon schwul war", sagt Halford.

In den 70ern ist er mit seinem Outfit direkt vom Schwulenclub auf die Bühne gegangen und hat damit Lack und Leder zum Metal-Dresscode erhoben. "Jeder sollte seiner eigenen Menschlichkeit folgen und einfach sein, wer er sein möchte. Und dann ist es doch gut."

Roddy Bottum feiert heute in viralen Videos die schwule Liebe. Ein Video wurde von YouTube gesperrt. Wegen küssender Männer. Mit seinem Freund tourt Roddy Bottum durch die Clubs. Empowerment ist ihm heute wichtiger als die Stadien zu füllen: "Zu meiner Zeit hatte ich nicht das Gefühl viele Vorbilder zu haben. Und deshalb war es mir irgendwie wichtig, ein Statement zu meiner Sexualität abzugeben."

Pionierarbeit in der Metal-Szene

Gaahl lebt mit Galerist Robin – fernab des Rampenlichts. "Wir sind nun ein Paar seit 14 Jahren, zwei Monaten und nun fast zwei Tagen." Gaahls Outing in der Black Metal Szene wurde kontrovers aufgenommen und hat auch seinen Freund Robin mitgerissen, ihm Spott und Gewaltandrohungen gebracht.

Doch das Paar trotzt dem Hass: "Er ist wahrscheinlich der einzige Mensch, mit dem ich wirklich entspannen kann. Zu jeder Zeit und jeder Stunde. Mit dem ich im gleichen Raum still sein kann. Ich habe eine entscheidende Regel im Leben und das ist: das Gute sammeln. Gute Menschen sammeln."

Es ist beklemmend, wie lange es dauerte, bis sich Metal-Musiker an ihr Outing wagten und wie viel sie dafür riskierten. Roddy Bottum und Gaahl haben Pionierarbeit geleistet.


Beitrag: Andreas Krieger

Eine Auskopplung aus der Doku der "ttt"-Redaktion: "Heavy Metal saved my life"
https://1.ard.de/heavy_metal_saved_my_life

Stand: 20.11.2022 23:05 Uhr

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Hessischer Rundfunk
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