SENDETERMIN So., 02.05.21 | 23:05 Uhr | Das Erste

"A Black Jesus"

Beeindruckende Dokumentation über Einwanderer in Italien

PlayEdward schaut über das Dorf Siculiana.
"A Black Jesus" - Doku über Einwanderer in Italien | Video verfügbar bis 02.05.2022 | Bild: Luca Lucchesi, Road Movies

Siculiana – eine strenggläubiges Dorf im Süden Siziliens, im Jahre des Herrn 2018. Hier gibt es seit Jahrhunderten einen sehr persönlichen Jesus – er ist schwarz. Ein Heiligtum, von allen verehrt. Und seit 2014 gibt es auch ein Flüchtlingscamp. Auch voller "schwarzer Figuren". Allerdings weit weniger verehrt. "Das Komische ist, dass die Einheimischen keine Schwarzen mögen, aber sie lieben diesen schwarzen Jesus. Sie lieben ein schwarzes Stück Holz, aber keine Schwarzen aus Fleisch und Blut," heißt es im Dokumentarfilm "A Black Jesus" von Regisseur Luca Lucchesi, dessen Vater aus Siculiana stammt.

"Ich kenne dieses Dorf als ein sehr warmherziges und immer sehr offenes und gastfreundliches Dorf," erzählt Lucchesi. "In dieser Zeit war ich einmal allein in der Kirche von Siculiana, wo diese schwarze Jesus hängt. Und ich war sehr überrascht, vier Jungs zu finden, vier Geflüchtete, die in diesem Flüchtlingszentrum wohnten, und die waren auf den Knien vor diesem schwarzen Jesus, und sie haben da gebetet. Die waren ganz friedlich, während draußen in der Straße eine riesige Demo war. Ich wollte verstehen, wie das sein kann."

Edwards Bitte spaltet das Dorf

Edward schaut in die Ferne.
Der 19-jährige Edward aus Ghana kommt 2018 als Geflüchteter nach Siculiana. | Bild: Luca Lucchesi, Road Movies

Der 19-jährige Edward aus Ghana, Bewohner des Flüchtlingszentrums, bittet darum, gemeinsam mit den Einheimischen die Jesus-Statue in der großen jährlichen Prozession durch den Ort tragen zu dürfen, die an den Leidensweg Christi erinnert. "Nächstes Jahr will ich auch den Jesus tragen. Alle meine Freunde genauso. Wir beten, dass sie uns mitmachen lassen," sagt Edward.

Einmal im Jahr den tonnenschweren Jesus zu tragen ist keine Bürde, sondern eine einzigartige Ehre, oft vom Vater auf den Sohn über-tragen – und nichts für Außenstehende, nichts für ungeliebte "Invasoren". "Sie sind Überlebende, sie haben Mut, sowieso. Aber diese Idee, ich musste erstmal überlegen. Also der will etwas, das nie passieren kann. Das war mir klar, das wird er nie schaffen," dachte Lucchesi zunächst.

Ein Plädoyer gegen Europas Flüchtlingspolitik

Das Kruzifix wird bei der jährlichen Prozession getragen.
Alljährlich am 3. Mai wird das Kruzifix in einer feierlichen Prozession durch die Straßen der Stadt getragen. | Bild: Luca Lucchesi, Road Movies

Unterstützt von seinem Sprachlehrer kämpft Edward beharrlich für seinen Traum: Er bittet den Pfarrer, an der Prozession teilzunehmen zu dürfen. "A Black Jesus" zeigt eindrucksvoll, wie vier Flüchtlinge ein kleines Wunder vollbringen – sie werden Teil dieser Gemeinschaft am Rande Europas. Der gemeinsame Glaube überwindet schließlich das Gegeneinander." Also ich glaube, diese zwei Teile von derselben Gesellschaft sollen sich zusammentun und zusammen kämpfen. Was ich in meinem Film entdeckt habe, sobald dieses Miteinander oder Zusammensein entsteht, dann kommt immer jemand von oben, der diesen Krieg wieder starten lässt," so Lucchesi.

Das Wunder der Nähe, es währt nur kurz. Zehn Tage später wird das Camp plötzlich geschlossen, die Flüchtlinge müssen weg, gerade, als sich die Gemeinschaft ihnen öffnet. Der Dokumentarfilm "A Black Jesus" ist ein Plädoyer gegen Europas Umgang mit Menschen in Not. Hier, wo so viele sterben, einfach weil sie Hoffnung suchen, und wir uns abschotten, um unseren Reichtum zu bewahren. Der Film zieht die Parallele zum Leidensweg der Asylsuchenden und zeigt die Widersprüche im Dorf, stellvertretend für die in der Gesellschaft.

(Beitrag: Thorsten Mack)

"A Black Jesus" von Luca Lucchesi, 2020
Filmstart 20. Mai 2021 in den Kinos und digital

Stand: 03.05.2021 14:24 Uhr

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