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Liebe und Verzweiflung – der neue Almodóvar

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"Wenn die Schmerzen am Schlimmsten sind, nachts, bete ich zu Gott. Wenn die Medikamente wirken, tagsüber, bin ich Atheist." Das sagt das Alter Ego von Star-Regisseur Pedro Almodóvar in seinem Meisterfilm "Leid und Herrlichkeit". Wenn ein älter gewordener Regisseur sich selbst reflektiert und das auf die Leinwand projiziert, kann es sein, dass es peinlich wird. Das ist hier nicht so, nicht zuletzt wegen der herausragenden schauspielerischen Leistung von Antonio Banderas.

"Dolor y Gloria" erzählt die Lebensgeschichte eines Filmregisseurs.
"Dolor y Gloria" erzählt die Lebensgeschichte eines Filmregisseurs.

Schmerz ist eine Lähmung. Jede Bewegung eine Überwindung. An wirkliches Leben, Arbeit gar – nicht zu denken. Salvador Mallo, einst gefeierter Filmregisseur, wildes Wunderkind, kann nicht mehr. Dieser Salvador – natürlich ist das niemand Anderes als Pedro Almodóvar selbst. "Wenn Du permanent Schmerzen hast, gibt es keine Hilfe, um ein normales Leben zu führen", sagt Antonio Banderas. "Es lähmt dein Hirn, isoliert dich, und die Folge ist unweigerlich Einsamkeit. Deshalb war Pedro panisch. Dass er nie mehr einen Film würde machen können. Panisch, dass er nie mehr das würde machen können, was für ihn sein Leben ist. Ohne Filmemachen ist er wie ein Fisch auf dem Trockenen."

Bei der Präsentation von "Leid und Herzlichkeit" merkt man die große Vertrautheit, Zärtlichkeit, zwischen Regisseur und Hauptdarsteller Antonio Banderas. Die beiden kennen sich seit beinahe 40 Jahren. Der große Menschenfinder Almodóvar hatte Banderas entdeckt und zum Star gemacht. Dann folgte die Weltkarriere. "Ich bin mittlerweile beinahe 60", sagt Banderas.

Antonio Banderas im Interview
Antonio Banderas im Interview | Bild: BR

"Ich bin durch einiges durch und ich muss das annehmen und kann damit auch ganz natürlich umgehen. Letzten Endes hat mir vieles von dem geholfen, was mir in meinem Leben widerfahren ist. Ich hatte zum Beispiel vor zweieinhalb Jahren einen Herzinfarkt. Das hat mir geholfen, diesen Charakter darzustellen. Ich habe durchs Altern andere Facetten des Lebens kennengelernt. So sind wir Künstler nun mal: Wir nutzen unser Leid, um dadurch Ruhm zu erlangen."

Penélope Cruz und Antonio Banderas – die Almodóvar-Schauspieler

Pedro Almodóvar und Antonio Banderas
Pedro Almodóvar und Antonio Banderas

Die Schauspieler lieben ihn. Egal wie groß sie werden: Es sind Almodóvar-Schauspieler. Penélope Cruz etwa. Das mag an seinem Wesen liegen – und an seinen Geschichten: Immer geht es um Liebe, aber auch um die Brüche, das Scheitern, die Traumata der Kindheit. "Alle Themen, die in dem Film vorkommen, sind wichtige Themen meines Lebens und des Lebens an sich: die Familie, die Mutter, das Begehren, die Arbeit, die Kreativität; die Kindheit – das sind natürlich alles wesentliche Teile des Lebens", sagt Pedro Almodóvar. "Und sie stehen für mich."

Pedro Almodóvar und Penélope Cruz in Cannes
Pedro Almodóvar und Penélope Cruz in Cannes | Bild: BR

Noch nie war Almodóvar so zart wie in diesem Film. Doch bei aller Melancholie – immer wieder schimmert auch leise Ironie durch. Das kann nur er: auf große Gefühle folgt Albernheit. War schon immer so. "Ich denke, Almodóvar betrachtet das Leben als Tragikomödie", sagt Antonio Banderas. "Es gibt da einen Augenblick im Film. Salvador steht unmittelbar vor einer Operation – und er sagt zum Arzt: ‚Ich schreibe wieder.’ So als wollte er sagen: ‚Bitte töte mich nicht bei der Operation! Ich hab noch was zu tun!’ Und der Arzt antwortet: ‚Ah, toll! Ist es eine Komödie oder eine Tragödie?' Und er sagt: ‚Es geht ums Leben.' Das ist es: So sieht Pedro das – es ist eine Tragikomödie."

Almodóvar hat über die Jahrzehnte einen autonomen Kosmos geschaffen. Ab und an gewährt er uns Einlass und wir staunen, wie schön Pathos sein kann. Es gibt keinen Kitsch bei ihm, weil alles so selbstverständlich ist. Trauer, Liebe und selbst: die Erlösung.

Stand: 26.05.2019 21:37 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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