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Ausnahme vom Ausnahmezustand

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Ausnahme vom Ausnahmezustand | Video verfügbar bis 21.03.2022 | Bild: picture alliance / Eventpress Hoensch

Die Starsopranistin Maria Bengtsson hat gerade ein Engagement an der Madrider Oper – sie probt für "Peter Grimes" von Benjamin Britten. In der spanischen Hauptstadt sind die Theaterhäuser geöffnet – welch ein Glück für Bengtsson! Auch sie hatte in Berlin monatelang keine Arbeit gehabt. Ein Desaster für eine Künstlerin, die eigentlich auf den Bühnen der Welt unterwegs ist. Die Verzweiflung muss groß gewesen sein, denn Bengtsson hatte tatsächlich überlegt, den Beruf zu wechseln, um weiter ihr Leben und das ihrer Familie finanzieren zu können. Jetzt aber singt sie wieder. Ob das Beispiel Madrid Schule machen kann und soll – das will Bengtsson nicht beurteilen. Aber sie sehnt sich, wie wir alle, nach einer Rückkehr des kulturellen Lebens, denn – so die Opernsängerin – erst unsere Kultur macht uns zu Menschen.

Endlich wieder ein Engagement

Opernsängerin Maria Bengtsson
Opernsängerin Maria Bengtsson | Bild: Das Erste

Morgens in Madrid. Sohn Max, Tochter Anna und ihr Mann Heiko sind zuhause in Berlin. Nach Monaten hat die Opernsängerin Maria Bengtsson endlich wieder ein Engagement bekommen. Familienleben via Internet. "Wir frühstücken also eigentlich jeden Tag so gegen acht Uhr und dann nach der Probe rufe ich meistens an per facetime und schaue, ob die auf dem Spielplatz sind oder so und abends versuche ich dann jeden Tag Anna vorzulesen", erzählt Maria Bengtsson.

Das Teatro Real ist seit Juli geöffnet

Proben mit Maske
Proben mit Maske  | Bild: Das Erste

"Ich finde es fantastisch wieder zu arbeiten und wieder zu proben und ich bin ja eine Sängerin, eine Schauspielerin, die sehr gerne probt. Also ich mag das fast noch lieber als Vorstellungen, dieses intensive Rollen finden, die Details, was eine Person aussagen möchte", so Bengtsson. Auf dem Weg ins Teatro Real. Benjamin Brittens "Peter Grimes" wird geprobt. Seit Juli ist die Madrider Oper geöffnet. Ein anderer Umgang mit Kunst – trotz hoher Inzidenzwerte. Das Team kommt aus ganz Europa, Deborah Warner führt Regie. "Singen mit Maske ist wirklich anstrengend, also wenn man schnell atmet, dann atmet man sie ein und es geht einem schnell die Luft aus. Aber ich meine, wir dürfen arbeiten und deswegen nehmen wir das in Kauf", erzählt Maria Bengtsson.

Vorreiter mit medizinischem Sicherheitskonzept

Sicherheitsvorkehrungen im Teatro Real
Sicherheitsvorkehrungen im Teatro Real | Bild: Das Erste

Allein die Proben – eine logistische Mammutorganisation, wann darf wer mit wem auftreten. Jeder wird ständig getestet. Die Madrider Oper ist voran gegangen. Als erste hat sie ein medizinisches Sicherheitsprotokoll mit Fachärzten erarbeitet. Alles wird regelmäßig desinfiziert. Das ganze Haus hat eine neue Klimaanlage bekommen. Fast eine Million hat die Oper investiert: Die Temperatur der Zuschauer wird gescannt. Zur Aufführung dürfen die Sänger ihre Masken abnehmen.

Joan Matabosch, künstlerischer Direktor des Teatro Reals
Joan Matabosch, künstlerischer Direktor des Teatro Reals

"Es stimmt, das ist teuer und es stimmt, wir mussten investieren, um das Teatro real zu öffnen. Aber niemand fragt, was es kosten würde, das Haus zu schließen. Das ist nämlich auch richtig teuer. Und es ist schrecklich. Du musst die Künstler bezahlen, die Fixkosten müssen auch gezahlt werden und wozu? Um eine Oper zu schließen? Ich finde es ist besser, etwas mehr zu zahlen und dafür geben wir der Gesellschaft etwas, das ist doch der Grund, warum wir existieren!", erklärt Joan Matabosch, der künstlerische Direktor des Teatro Reals.

Eine Zeit zwischen Zukunftsängsten und Familie

Heiko Ramsthaler
Heiko Ramsthaler | Bild: Das Erste

Februar in Berlin, zuhause bei Maria Bengtsson. Sie hat kaum Auftritte, probt für sich. Eine Zeit für die Familie, aber es ist auch eine Zeit, in der sie sich um ihre Zukunft sorgt, stand sie doch davor auf den Bühnen überall in der Welt. "Im Frühling und im Sommer hatte ich auch Tage, also zweimal die Woche, wo ich gedacht habe, was soll ich machen, also es geht nicht weiter. Ich war traurig, ich habe viel geweint. Ja. Es hat einen sehr belastet und ich habe auch überlegt, kann ich was anderes lernen. Aber natürlich eine Ausbildung dauert viel zu lange." Die ganze Familie liebt Musik. Sohn Max will Jazzsänger und Pianist werden. Mann Heiko ist Musiklehrer. Alle sind wütend, dass in der Pandemie Kultur auf einmal so wertlos erschien. "Es hat einem schon auch wehgetan, dass man das Gefühl hatte, das ist es jetzt nicht so wichtig. Es spielt jetzt nicht so eine große Rolle, dass Musik stattfindet", erzählt Heiko Ramsthaler.

In Madrid versucht die Oper alles, um Sängerinnen wie Maria Bengtsson und dem Publikum die Kunst zu geben, die wir alle so nötig zum Leben brauchen. Am 8. April ist Premiere.

Autorin: Nathalie Daiber

Stand: 22.03.2021 08:43 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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