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Trump, die Waldbrände und das Klima

Offene Worte des Schriftstellers T.C. Boyle

T.C. Boyle
T.C. Boyle findet deutliche Wort für die Politik Donald Trumps. | Bild: Jean-FrancoisxPAGA Leemage

"So schlimm wie dieses Jahr, war es noch nie." Sagen die waldbranderfahrenen Kalifornier. Eine wahre Apokalypse. Mittendrin, im Sequoia National Forest, hat T.C. Boyle, einer der schärfsten Kritiker Amerikas, seine Ponderosa-Lodge. Hier schreibt er normalerweise seine weitsichtigen Romane. Ob seine Lodge und der Wald noch stehen, weiß er nicht.

"In Ponderosa sind alle evakuiert worden", erzählt er. "Wir warten noch auf Infos, ob das Dorf verschont geblieben ist, einschließlich meiner Lodge, wo ich viele Stunden damit verbracht habe, mit einem Drink in der Hand dem Schneefall zuzusehen. Und das will ich auch wieder tun. Ich hoffe für meine Freunde da oben, deren Hütten in Gefahr sind, dass das Feuer vorbeizieht."

T.C. Boyle hat alles vorhergesagt

Uralte Mammutbäume, Rotkiefern und geschützte Sequoias, die Tierwelt: Das alles ist in Gefahr – durch den Klimawandel, da sind sich die Forscher einig. Und durch einen der größten Klimawandel-Leugner, wie Boyle sagt. "Wir sind gerade alle unglaublich angespannt. Das Virus und diese Brände. Vor einem Jahr hätte das niemals die Bedeutung gehabt wie jetzt während dieser Präsidentschaftswahl. Alles sehr beängstigend. Ich möchte, dass das alles bald vorbei ist."

Dabei hat er alles vorhergesagt in seinen Büchern.  Der gefeierte Schriftsteller T.C. Boyle spricht den Linken und Grünen aus der Seele. Die Umweltzerstörung, das Artensterben, der Massenkonsum. Die männliche Turnschuh-Kassandra hat seinen Landsleuten schon oft das Bewusstsein unangenehm, aber unterhaltsam erweitert. "Aber Bewusstsein ist eine schwere Last. Je mehr wir wissen, desto unglücklicher sind wir. Das ist vielleicht der Grund, warum Leute Trump wählen. Wenn man nichts weiß, will man auch nichts, außer Propaganda."

Trump leugnet Klimawandel

Vor fünf Tagen steigt Trump kurz im kalifornischen Katastrophengebiet ab. Für die Brände sei freilich nicht der Klimawandel verantwortlich, meint er, sondern schlecht Forstwirtschaft: "Wenn sie ihren Wald so bewirtschaftet haben, dass das Trockenholz liegen bleibt, dann ist das explosiv. Sie lassen eine Zigarette fallen, kommen eine halbe Stunde später zurück, und sie haben einen Waldbrand."

"Wir räumen auf", erzählt Boyle. "Aber diese Wälder sind einfach riesig! Wenn jeder Mensch auf der Erde einen Rechen nehmen würde, dauerte es 20 Jahre." Der Klimawandel ist für Trump eine Erfindung. Als kalifornische Politiker im Krisenstab die Folgen des Klimawandels betonen, sagt er: "Es wird kälter. Sie werden sehen."

"Der Mann ist sowas von überflüssig", so Boyle. "Ich kann es kaum erwarten, dass er wieder in seine Reality-Show im Fernsehen zurückkehrt. Da gehört er hin, anstatt uns und die Welt zu gefährden. (…) Unsere Demokratie ist fast 250 Jahre alt. Die älteste und erfolgreichste der Welt. Aber jetzt ist sie bedroht wie nie. Es gibt zwei Möglichkeiten im Herbst: Wähle Blau für Demokratie oder Rot für Autokratie."

T.C. Boyle: "Die Natur kann sich keine zweite Amtszeit Trumps leisten."

Und die beschädigte Natur, sagt Boyle, könnte sich eine zweite Amtszeit Trumps auch nicht leisten. "Er manipuliert die Unterschicht mit seiner Propaganda, so wie es George W. Bush schon gemacht hat. Auch so ein Klimawandel-Leugner. Das sage ich nicht als hochnäsiger Intellektueller, ich komme selbst aus der Arbeiterklasse. Ich war der erste in der Familie, der eine Uni besucht hat."

Endzeitstimmung an der Westküste der USA. Auch der apokalyptische T.C. Boyle bekommt es mit der Angst zu tun. Da hilft nur noch Galgenhumor: "Als nächstes kommt dann noch ein Erdbeben und dann Trump Junior. Meine Voraussage."

TV-Beitrag: Ralf Dörwang

Stand: 20.09.2020 22:05 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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