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42 Grad – Ein Thriller über die große Dürre

PlayEin trockener Acker
42 Grad – Ein Thriller über die große Dürre | Video verfügbar bis 24.05.2021 | Bild: BR

Kein Wasser. Kein einziger Tropfen. Deutschland trocknet aus. Was, wenn es so weitergeht? Die Ernte kaputt. Wald und Felder tot. Unsere Kulturlandschaft zerstört. "Wir haben in Deutschland und Europa noch etwa zehn Jahre, um diese Wasserkrise und diese Dürre bewältigen zu können", sagt Wolf Harlander, der einen Thriller über das Thema geschrieben hat. "Wenn wir es bis dahin nicht schaffen, kommen wir schnell an einen Punkt, an dem alles kippt und wir dann dauerhaft in bestimmten Regionen zu wenig Wasser haben. Dann hilft es nur noch, Menschen mit Tankwagen zu versorgen oder sie müssen umziehen in andere Gebiete. Und das wird dann das reine Chaos." 

Höchsttemperatur: 42,6 Grad Celsius

Ein weißer Mann mittleren Alters blickt in die Kamera
Schriftsteller Wolf Harlander | Bild: BR

Wasserflüchtlinge. Ausgetrocknete Flüsse. Waldbrände außer Kontrolle. Kraftwerke im Katastrophenzustand. Dieses Szenario beschreibt Wolf Harlander in seinem Roman "42 Grad". Eine Dystopie, nah an der Realität, genau recherchiert. Im letzten Jahr gab es die höchste Temperatur in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen: 42,6 Grad Celsius. Neun der zehn wärmsten Jahre haben sich seit dem Jahr 2000 ereignet. 

Die trockenen Böden können das Wasser nicht aufnehmen

"Die letzten 24 Monate: vier zu nass, vier durchschnittlich, 16 zu trocken", sagt Sven Plöger, Autor des Sachbuches "Zieht euch warm an, es wird heiß!" und bekannt als TV-Meteorologe. "Die Schicht der Böden in 1,80 Metern Tiefe ist vollkommen vertrocknet. Das Wasser muss da von oben erst mal hin. Und wenn dann ein Monat wie der Februar richtig nass ist, zweieinhalbmal so viel ist gefallen wie normal in einem Februar fällt, dann nutzt das gar nicht so viel. Weil das nicht die Vegetationszeit ist und viel vom Wasser einfach wieder weggeht. Die Böden waren so trocken, dass sie das Wasser nicht richtig aufnehmen konnten.“ 

Ein Holzschild im Wald mit der Aufschrift "Waldklimastationen Freising"
Waldklimastation in Freising | Bild: BR

Ein Buchenwald bei Freising, nördlich von München. Eine von 68 Waldklimastationen in Deutschland. Hier werden auch die Luftfeuchtigkeit und der Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. "Mit der Stammabfluss-Kippwaage wird der Niederschlag aufgefangen", erklärt Lothar Zimmermann von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. "Wenn die dann voll ist, schlägt sie einfach um. Damit wissen wir, wie viel Menge an so einer Buche heruntergeflossen ist. Im April war es natürlich auch hier in Freising sehr wenig." Es war nicht einmal die Hälfte des normalen Niederschlags. In einer Woche nur drei Liter pro Quadratmeter. Die Buche aber braucht drei Liter pro Tag. Zimmermann zeigt die Werte von der Waldklimastation Würzburg in Nordbayern. "Da verharrt in allen drei Trockenjahren die Bodenfeuchte im Trockenstressbereich. " 

Eine schleichende Naturkatastrophe

Symbolbild Hitze
Ein Hitzesommer jagt den nächsten | Bild: BR

In Baudenbach in Mittelfranken hat es die Kiefern erwischt. Sie sind verdurstet. "Dürre und Wasserkrise lösen das neue Waldsterben aus", sagt Wolf Harlander. "Der deutsche Wald, wie wir ihn kennen, auf den wir so stolz sind, wird bald nur noch eine romantische Erinnerung sein." 

Die Dürre ist eine Naturkatastrophe, die schleichend passiert. Und deshalb nicht angemessen wahrgenommen wird. In Sachsen oder Brandenburg gibt es Landstriche, in denen es seit Monaten nicht mehr richtig geregnet hat. In den letzten 11.000 Jahren, seit der letzten Eiszeit, hat sich die Temperatur weltweit um vier Grad erhöht. In den kommenden 80 Jahren könnten es noch einmal vier Grad mehr sein. 

"Vier Grad wärmer bedeuten eine andere Welt."

Ein weißer Mann mittleren Alters mit Brille gibt ein Interview
Diplom-Meteorologe Sven Plöger | Bild: BR

"Vier Grad wärmer am Ende des Jahrhunderts. Das klingt schon nach gar nicht so wenig", sagt Diplom-Meteorologe Sven Plöger. "Aber ist das viel? Zur Einordnung: Am Ende der letzten Eiszeit, vor 11.000 Jahren, war es global vier Grad kälter als heute. Gerade mal vier Grad. Aber die Eiszeit war eine ganz andere Welt als die heutige Welt. Die Alpentäler waren allesamt mit Eis aufgefüllt. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern standen 500 Meter unter Eis. Wenn man weiter nach Norden ging, nach Skandinavien, dann lag da zwei, drei Kilometer dickes Eis auf der Landmasse. Vier Grad kälter heißt also eine ganz andere Welt. Und vor dem Hintergrund bedeutet vier Grad wärmer genauso eine ganz andere Welt als die heutige. " 

Ein vertrockneter Wald
Der Wald leidet | Bild: BR

Sieht so unsere Zukunft aus? Wenn es kein Wasser mehr gibt, könnte es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen bei der Verteilung der letzten Reserven. "Was einen wirklich nervös macht, ist die Tatsache, dass die Regierung im Prinzip auf solche Dürre und solche Wassermangel-Szenarien keineswegs vorbereitet ist", sagt Wolf Harlander. "Wenn es wirklich mal Ernstfall wird, so wie jetzt bei Corona, dann gute Nacht, denn es gibt keine funktionierenden Katastrophenpläne. Es gibt keine Ausrüstung. Es gibt kein Konzept, wie man Menschen – 80.000 Millionen Bürger – über Wochen oder Monate mit Trinkwasser versorgen kann." 

Ohne Wasser überlebt ein Mensch keine vier Tage. Es gibt kein Essen mehr und keinen Schutz gegen Brände. Eine ernsthafte Wasserkrise wäre ein Kampf auf Leben und Tod. 

BUCH-TIPPS
Wolf Harlander: "42 Grad", Rowohlt Polaris
Sven Plöger: "Zieht euch warm an, es wird heiß!", Westend Verlag

Autor: Andreas Krieger

Stand: 24.05.2020 20:32 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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