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AI – intelligente KI – oder: KI intelligent?

PlayEine Webseite zeigt einen rosa Kasten und die Worte: Bot or not
AI – intelligente KI – oder: KI intelligent? | Video verfügbar bis 17.01.2022 | Bild: BR

Wir sprechen mit Dingen. Und die Dinge antworten. Sie tun das nicht stumpf oder nur nach Schema, sondern immer unerwartbarer, manchmal mit Witz oder der Anmutung von Gefühl.

Ein Mann mit grauen Haaren blickt in die Kamera
Wissenschaftsjournalist Christoph Drösser | Bild: BR

"Es ist so, dass wir zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte mit Entitäten oder mit Wesen – oder wie immer Sie es nennen wollen – reden, die keine Menschen sind", sagt der Autor Christoph Drösser, der das Buch "Wenn die Dinge mit uns reden" geschrieben hat. Und diese Wesen antworten. Sind sie dabei ein Bewusstsein zu entwickeln? Wir sagen immer Künstliche Intelligenz. Aber wie intelligent ist das Künstliche? 

Alexa überführt Verbrecher

GPT-2 ist eine KI, die selbständig Texte weiterspinnt. Wir stellen ihr die Frage "Haben Maschinen ein Bewusstsein?" Ihre Antwort formuliert diese KI komplett eigenständig. "Wir sind genau so wie, was uns erwartet: Sinnvoll, aufgeregt, überzeugt von guten Sachen, ungehörig, unsicher." Mit dieser Software könnte man das Netz mit Falschmeldungen fluten. Bots beeinflussen Wahlen, betreiben Roboterjournalismus. 

Die schwarze Box Alexa von Amazon
Kriminalistin Alexa  | Bild: BR

Die Dinge hören zu, wenn sie gerufen werden. Sind quasi Zeugen. Unlängst gab es in Regensburg einen Prozess, bei dem Alexa dabei half, den Angeklagten eines Totschlags zu überführen.

Vorbild HAL 9000

Die Selbstermächtigung der Maschinen war immer eine Utopie der Science Fiction. In "2001: Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrik können wir zusehen wie die Maschine sich ihrer selbst bewusst wird, als Existenzform. HAL 9000 beginnt sich zu wehren. "Das Unternehmen ist zu wichtig, als dass ich dir erlauben dürfte, es zu gefährden", sagt HAL 9000 im Film zum Astronauten. "Ich weiß, dass ihr beide geplant habt, mich abzuschalten. Und ich glaube, dass ich das nicht zulassen darf." 

Schwarzweißbild eines Mannes vor einer riesigen Rechenmaschine aus den 1960ern
Rechenmaschine aus den 1960ern | Bild: BR

"Was an dieser Szene so faszinierend ist, glaube ich, die Stimme von HAL", sagt Drösser. "Die Tatsache, dass dieser Computer mit einer ganz weichen männlichen menschlichen Stimme spricht und damit auf eine persönliche Ebene geholt wird. Aber auf dieser, auf dieser persönlichen Ebene dann ganz brutale Dinge tut." 

Bot or not?

1950. Alan Turing entwickelt den Turing-Test. Der Mensch muss dabei herausfinden, ob er mit einer Maschine kommuniziert. Wenn der Mensch das nicht schafft, gilt die getestete Maschine als intelligent.

Ein Buccover mit der Aufschrift: "Wenn Dinge mit uns reden"
Christoph Dösser: "Wenn Dinge mit uns reden" | Bild: BR

Bot or Not. Im Internet kann man diesen Turing-artigen Test machen. Man liest ein Gedicht und rät: hat es ein Bot geschrieben oder ein Mensch? Wir haben es probiert und lagen in der Hälfte der Fälle daneben. Damit gelten die dichtenden Bots als intelligent. "Wir sind zusammen und lieben mit dem Herzen." Hat das ein Bot geschrieben? Oder ein Mensch? Es war ein Bot! Die martialisch klingenden Gedichte sind alle von den Bots, weil sie die Matrix studiert haben. "Angsttanker": "Wieder ein Abschied. Die Kraft der letzten Strahlen. Der Kampf des Lebens." Bot oder Mensch? Bot! 

Die KI sagt: "Mm-hmm"

"Die ganze Erfahrung von Realität, die dahinter steckt, die fehlt dem System völlig", sagt Drösser. "Und trotzdem ist es in der Lage, mit uns über solche Dinge in Dialog zu treten. Das ist schon ein bisschen unheimlich." 

Eine computeranimierte unförmige, rote Masse
Sprachassistent Q | Bild: BR

Google Duplex ist ein persönlicher Assistent, der zum Beispiel selbständig Friseurtermine ausmachen kann. Die KI ruft einen Menschen an. Dann der Tabu-Bruch. Die KI sagt: "Mm-hmm." Darf eine KI mit zustimmenden Geräuschen so tun, als sei sie ein Mensch? Diese Präsentation sorgte für eine ethische Diskussion. Google versprach, dass sich fortan der Assistent bei jedem Gespräch identifizieren würde. 

Sie wissen nicht, wie eine Pizza schmeckt

"Wir müssen uns überlegen, was sind das für Wesen, mit denen wir da reden oder wie wollen wir die haben", sagt Drösser. "Sollen sie die Menschen ersetzen? Sollen sie sozusagen eine ganz neue Kategorie bilden von Wesen, mit denen wir reden? Und wie sollen sie uns gegenübertreten?"  

So vielleicht. Q ist ein genderloser Sprachassistent. Elektronisch, keinem Geschlecht zugeordnet, niemanden ausschließend.  Auf welcher Stufe sind die Maschinen? Sie können sich stundenlang über Literatur, Musik, Kunst oder Pizza unterhalten. Aber sie wissen nicht wie eine Pizza schmeckt. 

BUCHTIPP
Christoph Drösser: "Wenn die Dinge mit uns reden", Dudenverlag

Autor: Andreas Krieger

Stand: 17.01.2021 18:17 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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