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Der Architekt Bernardo Bader

PlayEine moderne Holzkapelle in den Alpen
Der Architekt Bernardo Bader | Video verfügbar bis 27.06.2022 | Bild: BR

Etwas, das steht. Fest. Die Kapelle Salgenreute im Bregenzerwald hat den Architekten Bernardo Bader weltbekannt gemacht. "Eine Kapelle, vor allem eine Marienkapelle ist etwas, das mit der Landschaft einen Dialog aufbaut und nicht nur mit dem Himmel", sagt Bader. "Mit dem Weg hier zur Kapelle startet das Ganze. Hier begibt man sich auf eine kleine besinnliche Reise."

Eine moderne Kapelle in den Alpen
Bernardo Baders Kapelle Salgenreute | Bild: BR

Die Bürger und Handwerker von Krumbach haben die Kapelle für sich selbst gebaut. Bader, der nur wenige Kilometer entfernt wohnt, hat die Form auf die Essenz, das pure Material reduziert. Statt Altarbild: ein Fenster. "Der Blick zentral bleibt frei. Der Gedanke bleibt frei. Und die Figur der Madonna, die spielt seitlich mit rein. Nicht minder wichtig. Aber einfach weniger dominant, wie das in einer klassischen liturgischen Ordnung passiert."

Finden statt Erfinden

Ganz oben auf dem Grat blickt man hinaus: in einen Baum. Die Kapelle ist gekleidet mit Schindeln, wie man sie hier seit jeher auf Fassaden und Dächern verbaut. "Wir verfolgen hier eher die Methodik des Findens anstelle des Erfindens." Bader lebt immer noch im Dorf seiner Kindheit. 1000 Einwohner. 500 Kühe. Seine Häuser baut er am liebsten maximal eine Autostunde entfernt.

Ein modernes Holzhaus mit großem Glasfenster in der Front
Das Haus am Moor  | Bild: BR

Das Haus am Moor. Seine Gebäude haben nie Anbauten. Hier ist es ein einziger langer Riegel, der die Siedlung vom Moor trennt. "Es wurde eben nicht mitten in das Grundstück hinein gebaut. Also, das weiß schon der Bauer, dass man nicht in der Mitte des besten Filets was reinstellt, sondern genau dort wo es schön ist, das wird freigehalten und man positioniert sich am Rand."

Erinnerungen an den Wald der Kindheit

Seine Architektur ist: klare Zuordnung. Vieles leitet er ab aus dem, was er schon als Kind kannte. Archetypen. "Zum Beispiel diese Tennen in den Bauernhäusern", sagt Bader. "Das sind Räume, die sind nur mit Brettern verschlagen und durch die Ritzen kommt Licht rein. Es ist ein bisschen geheimnisvoll und man kann irgendwo raufklettern. Diese Raumstimmung, das ist etwas, was mir so in Erinnerung geblieben ist."

Ein Mann im mittleren Alter gibt ein Fernsehinterview
Der Architekt Bernardo Bader | Bild: BR

Seine Variante einer Tenne ist ein Übergangsraum, von dem man von der Straße durchs Haus in den Garten übertreten kann. Echo der Kindheit. "Die zwei Monate Sommerferien, die es in Österreich gibt, die sind vom Morgen bis am Abend im Wald verbracht worden", erinnert sich Bader. "Man baut sich Hütten und man spürt natürlich diesen Naturraum." Erinnerungen. Die endlosen Entdeckungszüge durch den Wald. Die Tage bei den Großeltern in der Wirtsstube. Die Freunde der Kindheit, von denen bis heute viele im Handwerk und mit Holz arbeiten.

In seinen Häusern soll man sich bewegen

Beton. Sein Studio-Turm in Bregenz spiegelt die Umgebung in einer besseren, abstrakten Form. Innen weiß gekalktes Holz. Wärme. Die Bretter an der Wand: wie eine Partitur. Der Schall wird perfekt geschluckt. "Dieses Innenräumliche, dieses bergende Gefäß muss vorhanden sein", sagt Bader. "Und man soll sich ruhig in einem Haus bewegen, um unterschiedliche Sachen zu erleben. Ich kann nicht am Küchentisch sitzen und meinen ich sitze in der Natur. Das ist ein falsches Denken. Architektur ist erlebbar über Bewegung." 

Ein modernes Steinhaus in den Bergen
Alpin Sport Zentrum in Schruns | Bild: BR

Das Alpin Sport Zentrum in Schruns. Von oben sieht man alle Wirkungsstätten: Berge, Lifte, Schanzen. Der oberste Stock ist für alle Mitarbeiter. Wenn man die Treppe nimmt, erwartet einen die perfekte Postkarte der Kirche von Schruns.

Der erste islamische Friedhof in Voralberg

Das Haus am Stürcherwald. Bergseitig: wie eine Scheune. Innen: eine Höhle aus Holz. Ein Spiel mit Enge und Weite. Über das Tal radikal geöffnet zu Licht und Bergen. Und obwohl hoch, verschwindet es. 

Ein Friedhof aus rotem Stein
Islamischer Friedhof Altach | Bild: BR

Der islamische Friedhof in Altach. Die erste Begräbnisstätte dieser Art in Vorarlberg. Der Verabschiedungsraum und das Ensemble sind nach Mekka ausgerichtet. Der Friedhof als der Ur-Garten, der sich loslöst von der Wildnis. "Es gibt zartes Mauergeflecht. Anordnungen von fingerförmigen Grabfeldern, die sich mit der Landschaft verzahnen, integrieren. Das ist auch gesellschaftlich ein unglaublich schönes Thema." Die fünf Finger einer ausgestreckten Hand. Offen, versöhnlich. Architektur, die dem Raum Sinnhaftigkeit gibt. Und Grenzen überwindet.

Die Webseite von Bernardo Bader finden Sie hier: https://www.bernardobader.com

Autor: Andreas Krieger

Stand: 27.06.2021 19:45 Uhr

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