SENDETERMIN So., 17.01.21 | 23:05 Uhr | Das Erste

Ausatmen – Einatmen – 20 – 21

PlayKunstinstallation einer Wassermelone mit ausgedrückter Zigarette
Ausatmen – Einatmen – 20 – 21 | Video verfügbar bis 17.01.2022 | Bild: BR

Was war das bloß für ein Jahr? 

Maxim Biller, Schriftsteller: "Geniales Jahr, das beste Jahr meines Lebens. Eindeutig." 

Tobias Rehberger, Künstler: "Zähes Jahr, würde ich sagen, war das." 

Eine Frau Anfang fünfzig mit dunklen Haaren blickt in die Kamere
Naika Foroutan, Politikwissenschaftlerin  | Bild: BR

Jana Hensel, Autorin und Journalistin: "Ich bin am Silvesterabend zum ersten Mal in meinem Leben schon um 23 Uhr ins Bett gegangen, weil ich wollte, dass dieses Jahr endlich zu Ende ist." 

Naika Foroutan, Politikwissenschaftlerin: "Ich glaube, fast noch nie hatte es ein Jahr so leicht, besser zu sein als das Jahr davor."  

Konstantin Wecker, Musiker: "Ich habe persönlich erst 2020 gemerkt wie selbstverständlich ich es genommen habe 50 Jahre lang jedes Jahr bei über 100 Konzerten auf der Bühne zu stehen, Publikum haben zu dürfen, umarmt zu werden von meinem Publikum. Und plötzlich fiel das weg." 

Ein Mann Mitte fünfzig mit Glatze blickt in die Kamera
Maxim Biller, Schriftsteller  | Bild: BR

Maxim Biller, Schriftsteller: "Sehr viel geschwommen, sehr viele interessante Erlebnisse gehabt mit Leuten, die ich im Bolschewismus ungern getroffen hätte. Also in der Demokratie waren die mir viel lieber."  

Luise Kinseher, Kabarettistin:  "Jetzt mal ganz banal habe ich meine Nachbarschaft besser kennengelernt."  

Was müssen wir fürchten?

Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz:  "Die Befürchtung für das eben begonnene Jahr ist natürlich, dass der Lockdown noch lange anhält. Dass das Impfen sich lange hinzieht und dass ein großer Teil des Jahres eben Kultur für unsere Gesellschaft, für die Menschen in Deutschland nicht zugänglich sein wird."  

Ein Mann mitte sechtzig blickt in die Kamera
Konstantin Wecker, Musiker | Bild: BR

Konstantin Wecker: "Man hat ja von den Politikern in den letzten Monaten gelernt, dass das Unwichtigste die Kultur und die Konzerte sind." 

Philipp Demandt, Direktor Städel Museum und Schirn Kunsthalle: "Meine Befürchtungen sind die, dass es doch wahrscheinlich viele Menschen gibt, deren Verunsicherung noch lange anhalten wird."  

Christian Stückl, Intendant Münchner Volkstheater: "Im Augenblick habe ich das Gefühl, wir sind nur noch am Überleben, aber leben nicht mehr. Und ich will wieder richtig leben. Ich will wieder in die Vollen greifen." 

Ein Mann Mitte fünfzig mit weißem Bart blickt in die Kamera
Tobias Rehberger, Künstler  | Bild: BR

Tobias Rehberger, Künstler: "Wenn ich wüsste, dass es erst in fünf Jahren anders werden würde, würde ich jetzt, glaube ich, erst mal ein Jahr lang ins Bett." 

Wladimir Kaminer, Schriftsteller: "Ich bin ein optimistischer Pessimist. Also, ich glaube nicht, dass irgendwas irgendwann mal besser wird. Aber wenn es besser wird, dann freue ich mich als Erster darüber." 

Was dürfen wir hoffen?

Ulrich Khuon, Intendant Deutsches Theater Berlin: "Ohne Hoffnung geht gar nichts."

Eine Frau Anfang fünzig mit Brille blickt in die Kamera
Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein | Bild: BR

Maxim Biller: "Sonst kann man sich ja gleich hinlegen und sterben."

Franziska Nori, Direktorin Frankfurter Kunstverein: "Hoffnung ist für uns nicht nur lebensnotwendig, sondern das Ein und Alles." 

Shantel, Musiker: "Hoffnung ist nicht irgendwas, was man auf der Straße findet." 

Konstantin Wecker: "Hoffnung ist etwas anders als ein Dauerlächeln. Hoffnung ist etwas anders als ein optimistisches "wird schon alles gut werden". Hoffnung ist tief in uns selbst verankert. Und ohne Hoffnung würden wir wahrscheinlich den nächsten Atemzug gar nicht schaffen." 

Philipp Demandt: "Übrigens ist es die Definition der Krise, dass sie vorbeigeht. Das soll Hildegard Knef mal gesagt haben und die, glaube ich, musste es wissen."

Ein Mann Ende fünfzig blickt in die Kamera
Ulrich Khuon, Intendant Deutsches Theater Berlin  | Bild: BR

Wladimir Kaminer: "Naja, ich finde den Begriff Hoffnung etwas belanglos. Außerdem, glaube ich, stehen die Deutschen viel mehr auf Sicherheit. Sicherheit statt Hoffnung. Nur funktioniert natürlich Sicherheit viel schlechter. Insofern bleiben wir bei der Hoffnung." 

Charles Schumann, Barbetreiber: "Also die Japaner sagen: Es kommt der Frühling. Der Frühling ist für sie die Hoffnung. So muss man das sehen." 

Maxim Biller: "Ich kenne ja die Menschen. Also ich erwarte, dass sich ein paar Leute, die nicht zu mir gehalten haben, 2020 bei mir 2021 entschuldigen werden. Aber, ich glaube nicht. Entschuldigung, ich habe gerade gegähnt."

Jana Hensel: "Ich freue mich auf volle Räume. Ich freue mich auf große Tische. Ich freue mich auf viele Menschen." 

Eine Mann mit Hut blickt in die Kamera
Shantel, Musiker  | Bild: BR

Wladimir Kaminer: "Was passiert normalerweise in den ganzen Erzählungen oder Romanen? Da versuchen die Menschen, in einer stinklangweiligen, normalen Welt verrückt zu werden. Und jetzt haben wir die umgekehrte Situation. Die Welt spielt verrückt. Die Menschen wollen ganz normal und langweilig weiterleben, wie immer. Aber es geht nicht mehr. Sie müssen gerettet werden... von der Verwaltung."

Luise Kinseher: "Wir arbeiten dran." 

Konstantin Wecker singt: "Wenn man mein Ende nicht mehr weit ist. / Ist der Anfang schon gemacht. / Weil es dann keine Kleinigkeit ist / ob die Zeit, vertane Zeit ist / die man mit sich zugebracht. / Die man mit sich zugebracht."

Autor: Andreas Krieger

Stand: 17.01.2021 18:00 Uhr

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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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