SENDETERMIN So., 24.04.22 | 23:50 Uhr | Das Erste

Künstlerin und Köchin Precious Okoyomon

PlayEine bunte Kunstinstallation
Künstlerin und Köchin Precious Okoyomon | Video verfügbar bis 24.04.2023 | Bild: BR

Das Beste kommt ganz hinten, in den Arsenalen, als Teil der von Cecilia Alemani kuratierten Hauptausstellung. Precious Okoyomon hat, wie nur wenige andere Künstlerinnen einen ganzen riesigen Raum für sich bekommen. Ein Raum aus lebendem, wachsendem, verrottendem und sterbendem Material. Mysteriöse Figuren ragen in den Raum, lauern auf die Besucher wie dunkle Erinnerungen. Wilde Blumen, Zuckerrohr und Weinreben, die bald alles überwuchern werden. Schmetterlinge taumeln herum, kleine Bächlein springen durch den Raum.

Themen Kolonisation und Versklavung

Eine schwarze Frau blickt hinter einer Glasscheibe Richtung Raumdecke
Künstlerin Precious Okoyomon | Bild: Frieze

Precious Okoyomon schwebt über den Dingen. Wir hätten sie gern getroffen und hatten jeden Tag das Versprechen zum Interview, eigentlich, aber unsere ganz irdischen Verabredungen blieben unerfüllt.

Natur ist für Okoyomon untrennbar verbunden mit den Einschreibungen der Kolonisation und Versklavung. Kudzu ist ein wilder Wein, ursprünglich in Asien beheimatet, der in den USA Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt wurde, um der Bodenerosion überbeanspruchter Baumwollfelder Herr zu werden. Bei Okoyomon ist Kudzu ein zäher Wanderer, ein Protagonist, der sich durchsetzt, der für Widerstand steht. In der Natur ist Kudzu eher ein Schurke, der alles überwuchert. Precious Okoyomon sympathisiert mit seiner Durchsetzungskraft, seiner Resilienz, seiner Widerständigkeit.

Dunkel und seltsam – aber auch freundlich

Eine Kunsinstallation mit Figuren aus Pflanzen
Gesichtlose Figuren | Bild: BR

Für die Okoyomon wird Kudzu zum Zeichen antikolonialen Protestes, zum Signum für die Verstrickungen von Sklaverei, Rassenbewusstsein und dem Leben in der Fremde. Kudzu kann bei Precious Okoyomon stehen für die alles dominierende Kultur der Kolonialherren und zugleich für die Resistance dagegen. Ein bipolares Zeichen und deshalb so genial geeignet um koloniale Verwerfungen zu spiegeln und zugleich die Kapazität zum Wandel und zur Überwindung von Zwängen.

So dunkel und seltsam die übermenschen-großen Figuren im Raum stehen, gesichtslos wie Geister – gemacht aus Baumwolle, Garn, Erde und Blut, so sehr sie einem ein wenig Angst einjagen können – sie sind, auch, freundlich, zumindest können wir sie uns auch so denken.

eine Blume wächst im Gras
Detail aus der Installation von Precious Okoyomon | Bild: BR

Stand: 24.04.2022 19:14 Uhr

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So., 24.04.22 | 23:50 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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