SENDETERMIN So., 16.08.20 | 23:35 Uhr | Das Erste

Così fan tutte

PlaySchauspieler in Kostümen  singen auf einer Opernbühne
Così fan tutte | Video verfügbar bis 16.08.2021 | Bild: BR

Die Dirigentin Joana Mallwitz ist da und strahlt. Dabei ist es schon ein kleines Risiko ein Debüt zu geben, wenn die Probenzeit verkürzt ist. Die Sänger in nie vorher gesungenen Rollen. Das erste Mal die Wiener Philharmoniker. Und alles live übertragen. Egal. Endlich wieder Musik machen.

Eine blonde Frau in den Dreißigern dirigiert ein Orchester
Joana Mallwitz auf der Bühne | Bild: BR

Bei den Sängerinnen und Sängern das Gleiche. Sie leuchten. Nur durch den Lockdown waren diese Gesangs-Stars, normalerweise über alle Kontinente verstreut, frei. Und haben sich hier wirklich gefunden, in diesem sehr speziellen Sommer-Camp, mit wenig Außenkontakt, aber vielen Mozart-Fragen: Was bewegt da Menschen so unsichtbar zueinander hin? Erotik, wahre Liebe, Wunschvorstellungen?

Wahre Liebe kennt keine Schwäche

 "Es ist unmenschlich, was Fiordiligi da anfangs fordert", sagt die Sopranistin Elsa Dreisig. "Sie denkt: 'Ja, ich bin nicht verführbar.' Das ist das Komische an ihr. Später merkt sie, sie hat doch keine Kontrolle über ihre Gefühle. Wir glauben ja, wir haben alles unter Kontrolle, aber das stimmt eben nicht."

Eine blonde Frau lacht
Sopranistin Elsa Dreisig  | Bild: BR

Das ist: Amore. Wahre Liebe kennt keine Schwäche, wetten Guglielmo und Ferrando. Und probieren es in Verkleidung an ihren Frauen aus. Hinter der albernen Oberfläche der Verwandlung warten die echten Fragen. Denn wider Erwarten klappt die Verführung und plötzlich sind alle vier sehr verliebt und sehr verwirrt. Wie kann das sein? Darf das sein? "Es gibt hier kein erotisches Rascheln", sagt die Mezzosopranistin Lea Desandre. "Es geht hier gleich zum Kern. Alle Figuren suchen das ganz große Glück, die ganz großen Gefühle."

Kein Außenkontakt während der Proben

Große Gefühle sind schön, aber nicht zu halten. Darin steckt auch Mozarts Melancholie. "Der eine hat gerade Leid und der andere freut sich, im selben Moment", sagt Bariton Johannes Martin Kränzle. "Und das wird übereinander geschichtet. Und diese Plastizität dieser Ensembles macht diese Oper für mich zu einer meiner Lieblingsopern."
 
Lange wurde nur um ein Klavier herum geübt. Alle teilten die gleiche Isolierung, seit Wochen. Wenig Außenkontakt, um die Gefährdung der Produktion gering zu halten. Teamgeist! Keiner arbeitet für sich allein.

Eine junge blonde Frau blick lachend in die Kamera
Dirigentin Joana Mallwitz | Bild: BR

"Ich kann nicht plötzlich anders arbeiten, weil es so ein wichtiges Debüt ist oder weil um Himmels willen jetzt alle sagen: 'Oh, jetzt bist du die erste Frau'", sagt die Dirigentin Joana Mallwitz. "Dann wäre irgendetwas falsch. Dann wäre ich Fake. Nein, das war ein schönes Arbeiten, intensiv, viel zu tun und natürlich: was für eine Freude, eine Kleinigkeit zu verbessern und der Effekt ist dann enorm, wenn die Wiener das mit ihrem Klang füllen."

Ohne Verzeihen keine Liebe

Es gibt ungewöhnlich leise, bezaubernde Momente. Die schnelle Handlung bricht plötzlich ab, die Sänger sitzen im Halbdunkel. "Das ist der Moment, in dem man spürt, die Jugend kehrt so nicht wieder", sagt Regisseur Christof Loy. "Das ist genau das, worüber die drei singen, aber bei den beiden Frauen ist das noch vollkommen unbewusst. Mozart will auch erzählen, dass, wenn wir nicht gespürt hätten oder diesen Glauben gehabt hätten, dass alles einfach ist oder dass alles viel stabiler ist, dann wäre es auch um uns Menschen schlecht bestellt."

Eine blonde und eine schwarzhaarige Schauspielerin singen auf der Bühne
Fiordiligi und Dorabella | Bild: BR

Ob am Ende Selbstbetrug oder Verzeihung überwiegt? Ob die Paare sich einfach jenseits großer Gefühle wieder verbinden oder demütiger lieben? Mozart lässt das offen. Sicher ist am Ende der fatalen Wette nur: ohne Großmut und Verzeihen ist Liebe dauerhaft nicht zu haben.

Stand: 16.08.2020 17:47 Uhr

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So., 16.08.20 | 23:35 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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