SENDETERMIN So., 16.08.20 | 23:35 Uhr | Das Erste

Elektra

PlayEine Frau im weißen Kleid lauert auf der Opernbühne
Elektra | Video verfügbar bis 16.08.2021 | Bild: BR

Ich will dich tot. Ich erschlag dich. Das ist der Sound der Elektra. Mord-Lust. Im Abgrund immer noch ein Mensch. So zeigt uns Aušrinė Stundytė Elektra. Ihre Erbarmungslosigkeit ist auch leise und verführerisch. Man muss auf seine Beute warten können.

Eine mittelalte Frau im blauen Kleid gibt ein Fernsehinterview
Sopranistin Aušrinė Stundytė | Bild: BR

"Ihr ganzes Leben, ihr ganzes Wesen, ihr ganzes Sein ist fokussiert auf diese eine Sache: dass Vaters Tod gerächt werden soll", sagt die Sopranistin Aušrinė Stundytė. "Und das ist die Antwort auf alles, was sie macht. Egal mit wem sie sich unterhält, man entdeckt auch komplett andere Seiten, andere Farben an der Elektra, man entdeckt ihre Zärtlichkeit, ihre manipulative Seite, ihre Hinterfotzigkeit. Sie hat sehr viele Seiten. Der Charakter ist sehr reich. Aber der Fokus ist immer eines: die Tat muss getan werden." 

Die Schuld liegt in uns selbst

Der Mythos: der Fluch der Atriden. Blutrache. Generation um Generation rächen sich die Kinder an ihren Eltern. Täter werden zu Opfern, ein ewiger Kreislauf. Jetzt soll Orest, Elektras Bruder die Mutter Klytämnestra erschlagen. Vaterliebe, so nennt Elektra den Hass, der sie zerfrisst.

Bühnenszene
"Elektra" in Salzburg | Bild: BR

"Sie sagt an einer Stelle: Liebe tötet", sagt Regisseur Krzysztof Warlikowski. "Aber niemand verlässt die Welt und hat die Liebe nicht gekannt. Alles ist ausweglos, festgelegt. Wir wissen natürlich durch die Psychoanalyse: alles, was wir sind, hat mit unserer Vergangenheit, unserer Kindheit zu tun. Um verflucht zu sein, brauchen wir keine Götter. Die Schuld liegt in uns selbst."

Wie klingt Hass?

Harter Stoff, kein Trostprogramm für pandemische Zeiten. Ein zweistündiger musikalischer Rausch. Hundert Musiker bietet Richard Strauss dafür auf, um die Lust an der Vernichtung hörbar zu machen. Wie klingt das, wenn stiller Hass, dieses ätzende Gefühl, explodiert?

Ein mittelalter Mann mit Brille gibt ein Fernsehinterview
Elektra-Dirigent Franz Welser-Möst | Bild: BR

"Strauss kreiert mit seiner Musik oft etwas, zum Beispiel wenn Sie das hernehmen, kurz bevor Ägisth erschlagen wird: Ägisth verlässt die Bühne und dann hört man Musik, wie sie später die Filmmusik in jedem Krimi, in jedem Thriller übernommen hat, bevor ein Mord geschieht", sagt Dirigent Franz Welser-Möst.

Keine Erlösung, kein Entkommen

Elektra hasst und sie liebt. Als ihr Bruder endlich kommt, glüht sie einen Augenblick vor Zärtlichkeit. Die Musik macht Elektra in diesem Augenblick schön. Aber sie liebt in Orest nur die Axt, die den Tod bringt. "Die Schönheit, die Strauss da schreibt, ist eigentlich etwas unglaublich Entsetzliches", sagt Dirigent Franz Welser-Möst.

Fliegen fressen die ewige Blutspur. Keine Erlösung im Tod. Kein Entkommen.

Frau im Brautkleid auf Theaterbühne
Aušrinė Stundytė als Elektra | Bild: BR

Stand: 16.08.2020 17:52 Uhr

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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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