SENDETERMIN So., 16.08.20 | 23:35 Uhr | Das Erste

Jedermann

PlayEin Mann und eine Frau auf der Opernbühne, sie legt den Kopf auf seinen Schoß
Jedermann | Video verfügbar bis 16.08.2021 | Bild: BR

"Jedermann". Herrlicher Grusel! Doch er ist Show. Weit weg. Und überzeichnet. So war das bisher. Verstärkt noch von der Location: dem Domplatz. "Der hat irgendwie etwas Magisches und gleichzeitig auch etwas sehr Profanes", sagt Caroline Peters, die Darstellerin der Buhlschaft. "Weil man auch immer auf der anderen Seite auf diesen Platz da guckt, diesen Residenzplatz. Und da laufen immer Touristen herum und essen Eis und stellen sich so hin und sind so: ‚Ah, es passiert ja gar nichts da'. Also es ist auch so eine komische Mischung von Erhabenheit und totaler Profanität."

Bühnenszene aus dem Jedermann
Tobias Moretti in der Titelrolle | Bild: BR

Das Mysterienspiel "Vom Sterben des reichen Mannes" gehört zum Gründungsmythos von Salzburg. Wurde fast ohne Unterbrechung seit 100 Jahren gespielt. Und verrutschte über die Jahrzehnte zum Star-Kasperltheater für Erwachsene. Doch nun – 2020 – ist alles anders.

Mitten auf der Party schaut der Tod vorbei

"Das Stück handelt von der Verfügbarkeit von allem: von Ressourcen, von Macht,  auch von Mobilität", sagt Tobias Moretti. "Und das ist gerade in der heurigen Saison, im heurigen Jahr ein Punkt gewesen, wo wir alle ausgehebelt wurden. Und deshalb ist dieses Stück so aktuell."

Ein am ganzen Körper tätowierter Mann räkelt sich im schwarzen Abendkleid auf einer Opernbühne
Peter Lohmeyer spielt den Tod | Bild: BR

Mitten auf der Party, im prassenden Leben, schaut der Tod vorbei und sagt: Jetzt! Du! Das könnte ich sein. Derart wesentlich war der "Jedermann" vielleicht noch nie. Innerhalb weniger Monate hat sich vieles ins Gegenteil verkehrt: Nähe, die wir so sehr brauchen, ist ein Problem geworden. 

Der Tod, der große Gleichmacher

"Mir macht es gerade wahnsinnig Spaß zu spielen", sagt Caroline Peters. "Weil ich so froh bin, dass irgendwie mal was passiert und dass dann mal 20 Minuten Ruhe ist, von alledem. Und dann fährt man in einer kleinen Holzbox auf die Unterbühne, die Tür geht auf und man kriegt so eine Maske ins Gesicht gedrückt und denkt so: ‚Ah, ja stimmt – ist ja alles ganz anders, ah ja – logisch.’ Und dann ist man auch total deprimiert, weil man denkt: Der Sinn meines Berufes ist nicht wie der Drummer in der Muppet Show, irgendwie im Keller angekettet und dann ab und zu rauskommen: Trommeln! Und dann zurück in meinen Keller. Das ist ja ein soziales Ding, das wir alle machen. Und auch die Zuschauer gehen ins Theater, weil sie sozial sein wollen und nicht asozial."

Bühnenszene aus dem Jedermann
Bühnenszene aus dem "Jedermann" | Bild: BR

Der große Gleichmacher. Er dominiert unser aller Leben, wie seit langem nicht mehr. Und der "Jedermann", dieses Spektakel, hält uns den Spiegel vor. Pass mal auf, Mensch! Ein Menetekel.   

Stand: 16.08.2020 18:59 Uhr

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So., 16.08.20 | 23:35 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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