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Tops und Flops in Venedig

PlayFilmszene: eine Frau sitzt am Tisch und blickt intensiv
Tops und Flops in Venedig | Bild: Wild Bunch

"L’évènement" von Audrey Diwan

Eine junge Frau, die Anfang der Sechziger ungewollt schwanger wird. Der Film "L’évènement" ("Das Ereignis") von Audrey Diwan erzählt das konsequent aus der Sicht der Frau. Der Goldene Löwe geht nicht an den besten Film. Aber an einen guten, intensiven und wichtigen.

Zwei Frauen in Abendgarderobe lassen sich auf dem roten Teppich fotografieren
Anamaria Vartolomei und Regisseurin Audrey Diwan | Bild: BR

"Abtreibung ist in Frankreich seit 1975 legal, also schon eine ganze Weile", sagt die Regisseurin Audrey Diwan. "Und dennoch – das gilt übrigens auch für Italien – gibt es einen Unterschied zwischen Gesetz und Praxis. In der Praxis sind die Frauen auf die Beratung von Ärzten angewiesen. Manche unterstützen sie in ihrem Wunsch nach Abtreibung, andere nicht. Es besteht also immer noch ein Risiko."

"Madres paralelas" von Pedro Almodóvar

"Madres paralelas": Zwei Frauen – die erfolgreiche Fotografin Janis und die junge Ana – beide sind sie ungeplant schwanger. Im Krankenhaus lernen sich die beiden kennen. Ihre neugeborenen Kinder werden bei Untersuchungen vertauscht.

Filmszene: Zwei Frauen im Krankenhaus
Penélope Cruz und Milena Smit als Mütter im Krankenhaus | Bild: STUDIOCANAL GmbH Filmverleih

Willkommen in der Welt von Pedro Almodóvar. Natürlich hat der Meister wieder einen Teil seiner Schauspieler dabei: die wunderbare Penélope Cruz etwa, die er vor 25 Jahren entdeckt hat. Immer wieder stellt er Frauenschicksale ins Zentrum seiner Filme. Interessiert ihn einfach. 

"Umso komplexer der Charakter von Penélope wurde, desto mehr hat er mich als Regisseur interessiert, weil er auch für mich etwas Neues war", sagt Pedro Almodóvar. "Ich habe in der Realität einige Mütter erlebt, die diese gewisse Mütterlichkeit nicht hatten, das gab es auf sehr unterschiedliche Arten, die aber trotzdem selbstlose Mütter waren. Mich hat das interessiert: diese unvollkommenen Mütter."

Ein Mann und eine Frau in Abengarderobe winken vom roten Teppich
Penélope Cruz mit Regisseur Pedro Almodóvar | Bild: BR

Die Handlung von ""Madres paralelas" ist zwar etwas vorhersehbar, aber der Film voll poetischer Gedanken darüber, was eine Frau zur Mutter macht. Toll gedreht, großartig gespielt. Darstellerpreis für Penelope. Zu Recht."

"Spencer" von Pablo Larraín

Wen können wir uns vorstellen, der Diana Spencer verkörpern könnte. Ja, freilich: sie: Kristen Stewart. In "Spencer" von Pablo Larraín. Das Haus Windsor, dieser Eiskanal, kann tödlich sein.   

The Power of the Dog Filmausschnitt: Eine Frau mit schwarzem Hut und rotem Kostüm
Kristen Stewart spielt Prinzessin Diana | Bild: Komplizen Film / DCM

"Der Film liefert ja keine neue Informationen", sagt Kristen Stewart. "Er erklärt nicht, etwas ganz genau zu wissen. Er stellt sich eine Stimmung vor. Ich spreche nur für mich, aber mein Eindruck ist, dass Diana eine Frau war, die Menschen zusammenbringen wollte. Und ich denke, der Ehrgeiz des Films ist es, emotionale Lücken zu schließen.

All das ist nicht sonderlich neu. Aber sehr schön choreographiert. Und klug austariert. Ja, diese Diana war wohl eine neurotische Nervensäge. Aber eben auch ein Vögelchen, das frei fliegen wollte. Unmöglich, in der eingeschweißten Welt der Royals. Keiner kann ihr lebend entkommen.

"The Power of the Dog" von Jane Campion

"The Power of the Dog". Waren wir gespannt. Starbesetzung: Kirsten Dunst und Benedict Cumberbatch. Außerdem: Regisseurin Jane Campion, endlich mal wieder. Diese fabelhafte Neuseeländerin. Sie erinnern sich? "Das Piano". So viel sei verraten. Auch diesmal wird ein Piano durch die Wildnis gewuppt. Das sieht groß aus. Wie überhaupt der gesamte Film.

Filmausschnitt: Eine Frau steht im Wind
Kirsten Dunst in "The Power of the Dog " | Bild: Netflix

Epische Bilder. Alles schreit nach Größe – in diesem Werk. Mythisch und bedeutend. Leider ist die Story nicht einmal ein laues Lüftchen, unter der die pompöse Inszenierung käckernd implodiert. Da hilft auch nicht der sehr schön schurkisch auftrumpfende Cumberbatch. Dass es ausgerechnet dafür den Regie-Preis gibt, ist eines der Rätsel von Filmfestspielen. 

Stand: 12.09.2021 19:23 Uhr

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So., 12.09.21 | 23:10 Uhr
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Produktion

Bayerischer Rundfunk
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